{"id":2114,"date":"2017-10-15T14:53:03","date_gmt":"2017-10-15T12:53:03","guid":{"rendered":"https:\/\/florianlaeufer-fotografie.de\/?p=2114"},"modified":"2017-10-15T14:53:03","modified_gmt":"2017-10-15T12:53:03","slug":"fotoauftraege-ablehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/2017\/10\/15\/fotoauftraege-ablehnen\/","title":{"rendered":"Fotoauftrag ablehnen?"},"content":{"rendered":"<p>Warum ich auch mal einen Fotoauftrag ablehne? Ganz bestimmt nicht, weil ich es mir leisten k\u00f6nnte. Im Gegenteil, eigentlich besteht mindestens 50 Prozent meiner Arbeit (und die fast aller Fotografen) darin, Auftr\u00e4ge zu generieren. Gleicht es da nicht einem betriebswirtschaftlichen Harakiri, eine Kundenanfrage abzulehnen? \u201eGanz sch\u00f6n arrogant!\u201c \u2013 so hat es ein Bekannter mal formuliert, als ich ihm erz\u00e4hlte, einen lukrativen Job aufgrund eines schlechten Gef\u00fchls abgelehnt zu haben. Ich hielt dagegen und sagte: \u201eGanz sch\u00f6n arrogant, wer sich anma\u00dft, JEDEN Job machen zu k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n<p>Worauf ich hinaus m\u00f6chte: Ich habe bisher noch niemanden kennengelernt, der alles kann und wei\u00df. Und zwar quer durch alle Berufsgruppen. Es gab einige Zeitgenossen, die GLAUBTEN alles zu k\u00f6nnen und zu wissen. Meistens sogar besser. Wir alle kennen sie: Die Gro\u00dfsprecher und Selbstlober, die Nichts-Dahinter\u2013Seier und Hinterher-Zur\u00fcckruderer. Erst wird versprochen, sp\u00e4ter kleingeredet.<\/p>\n<h3><b>Der Zweifel gibt mir Sicherheit<\/b><\/h3>\n<p>Ich komme als Verk\u00e4ufer nicht gut zurecht. Denn da muss man das vermutlich k\u00f6nnen. Mit viel Charisma und noch mehr \u00dcberzeugung dem Kunden seinen Bedarf einreden, ihn davon \u00fcberzeugen, was er heute morgen selbst noch nicht wusste. Zweifel? Nicht mal in Spurenelementen vorhanden! Bei mir ist das anders. Ich bin ein Leisetreter. Und \u00fcberhaupt: Verk\u00e4ufer wollte ich nie werden. Fotograf schon.<\/p>\n<p>Kein Grund, die Flinte (in diesem Fall die Kamera) ins Korn zu werfen! Ich bin der festen \u00dcberzeugung, dass man in einem kreativen Beruf nur wirklich gut sein kann, wenn man f\u00fcr eine Sache brennt. Und was ist mit dem Zweifel? Der geh\u00f6rt \u2013 in gesunder Auspr\u00e4gung \u2013 unbedingt dazu! Ja, mir gibt Zweifel Sicherheit. Klingt wie ein Widerstreit, ist es aber nicht. Denn: Nur wer seine Arbeit immer wieder hinterfragt, die Ergebnisse selbstkritisch begutachtet, kann sich weiterentwickeln. Wer mit 80 Prozent zufrieden ist, kann niemals hundertprozentige Arbeit abliefern \u2013 so einfach ist das.<\/p>\n<p>Um realistisch (und bei den 100 Prozent) zu bleiben: Jeder Fotograf ist auf der lebenslangen Suche nach dem perfekten Foto. Ein Foto, wo ALLES stimmt. Ich habe es nach 20 Jahren leidenschaftlicher Fotografie bisher nicht geschafft, so ein Foto zu machen. Zumindest aus meiner Perspektive betrachtet. Ich bekomme viel Lob f\u00fcr meine Arbeiten, wische die aber meistens mit einem \u201e\u2026ja\u2026, doch\u2026 aber hier h\u00e4tte das Licht noch einen Tick mehr von der Seite fallen k\u00f6nnen\u2026\u201c beiseite. Man k\u00f6nnte das auch Perfektionismus nennen, da schwingt allerdings irgendwie immer etwas Getriebenes mit.<\/p>\n<h3>Und das Business?<\/h3>\n<p>Bevor nun der Eindruck der Unprofessionalit\u00e4t entsteht, muss ich gestehen, dass ich nat\u00fcrlich auch strategisch vorgehe. Ich plane meine Shootings vorab, ich betreibe Location-Scouting, ich versuche, die Beweggr\u00fcnde der fotografierten Personen f\u00fcr das Shooting zu ergr\u00fcnden, all das. Und ich habe einen Grundsatz f\u00fcr meine Auftr\u00e4ge: under promise and over deliver. Bedeutet: Ich verspreche weniger als ich halten kann und liefere mehr als ich versprochen habe. Manchmal blende ich dabei sogar die Ebene des betriebswirtschaftlichen Denkens aus und bringe mich weit \u00fcber Geb\u00fchr ein. Daf\u00fcr halte ich gleich meine zweite Maxime bereit: Lieber Geld verlieren als das Vertrauen des Kunden. Beides zusammen zahlt sich am Ende in Kundengl\u00fccklichkeit aus und wie wichtig die ist, lernt jeder BWL-Student im ersten Semester.<\/p>\n<p>Und hier schlie\u00dft sich der Kreis zu meiner eingangs erw\u00e4hnten Einstellung bez\u00fcglich der Ablehnung von Fotoauftr\u00e4gen. Auftr\u00e4ge, die nicht mein Spezialgebiet sind, f\u00fcr die ich mich verbiegen m\u00fcsste, die meiner Philosophie zuwider laufen, kann ich vermutlich nur schwer so erf\u00fcllen, dass ich von nachhaltig zufriedenen Kunden ausgehen darf. Weiterempfehlungen sind meine W\u00e4hrung, nicht das schnelle Geld.<\/p>\n<h3>Kinder mit Tr\u00e4nen in den Augen<\/h3>\n<p>Konkret? Konkret: Vor einiger Zeit erhielt ich die Anfrage eines Kindergartens, um dort f\u00fcr Mutti und Vati die klassischen Kinderbilder zu machen. Technisch w\u00e4re das weder aus fotografischer Sicht noch in Hinblick auf die Bestellabwicklung problematisch geworden. Finanziell h\u00e4tte sich das durchaus gelohnt. Die Krux an der Sache war die Anzahl der Kinder und die zur Verf\u00fcgung stehende Zeit. 60 Kinder in zweieinhalb Stunden. W\u00e4hrend andere da sofort das Klingeln in der Kasse h\u00f6ren, sah ich so eine Art Massentierhaltung. Pro Kind h\u00e4tten mir rechnerisch 150 Sekunden zur Verf\u00fcgung gestanden. Ganz egal, ob die armen Kids Tr\u00e4nen in den Augen oder Unbehagen im Herzen gehabt h\u00e4tten \u2013 150 Sekunden! Ich habe den (lukrativen) Auftrag abgelehnt. So m\u00f6chte ich nicht arbeiten. Die Moral von der Geschichte: Einige Monate sp\u00e4ter habe ich in einem Waldkindergarten die Kids fotografiert. Halb so viele Kinder in doppelter Zeit. Das hat in jeder Hinsicht Spa\u00df gemacht und wo Tr\u00e4nchen flossen, blieb Zeit, um ein bisschen killekille zu machen.<\/p>\n<p>Und auch eine Modestrecke habe ich nicht angenommen, die Nackedei-Anfragen lehne ich ab und selbst wenn einfach \u201edie Chemie\u201c nicht stimmt, denke ich nicht allzu lange dar\u00fcber nach. Und da, wo alles passt, punkte ich mit Biss, Durchhalteverm\u00f6gen und vollem Einsatz. Sich selbst treu bleiben \u2013 vielleicht ist das ganz am Ende mehr Wert als volle Auftragsb\u00fccher\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum ich auch mal einen Fotoauftrag ablehne? Ganz bestimmt nicht, weil ich es mir leisten k\u00f6nnte. Im Gegenteil, eigentlich besteht mindestens 50 Prozent meiner Arbeit (und die fast aller Fotografen) darin, Auftr\u00e4ge zu generieren. Gleicht es da nicht einem betriebswirtschaftlichen Harakiri, eine Kundenanfrage abzulehnen? \u201eGanz sch\u00f6n arrogant!\u201c \u2013 so hat es ein Bekannter mal formuliert, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2113,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[10,11],"class_list":["post-2114","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-fotoshooting","tag-portraitshooting"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2114","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2114"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2114\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2113"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/suspicious-mestorf.92-205-185-147.plesk.page\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}