Schlagwort: Landschaftsfotografie

  • Freie Arbeit: Island Fotoreise im Herbst

    Diese Island Fotoreise im Herbst 2025 ist eine Fotosafari, die mir sehr viel bedeutet und auf die ich mich sehr lange gefreut habe. Und auch wenn ich in den letzten Jahren die Vorzüge von Solotrips (dieser hier zum Beispiel: Madeira im Dezember) aus unterschiedlichen Gründen sehr zu schätzen gelernt habe, ist Island eine andere Nummer. Deshalb steigen Holger und ich erneut als Team in den Flieger, der uns einige Stunden später in Reykjavík wieder ausspuckt. Viele Fototrips haben wir schon zusammen gemeistert und immer wieder festgestellt: Unsere Vorlieben für Vorgehensweise und Spots sind nahezu identisch, unsere Leidensfähigkeit bei dauerhaftem Schlafentzug und ausgedehnten Hikes ebenfalls. Und so beschließen wir gleich in Reykjavík einstimmig: „Weg hier! Raus aus der Stadt – back to nature!“

    Rückblick: Bereits 2017 und 2018 waren wir gemeinsam bei zwei Winter-Fotoreisen in Island unterwegs. (Hier findest du einen Blogbeitrag von mir dazu: Island in 8 Tagen) Das großflächig vereiste Island ist überwältigend, magisch, bizarr und unberechenbar – wenn man es vorsichtig ausdrückt. Nur: Vermutlich wollten wir bei beiden vergangenen Fotoreisen zu viel auf einmal und verzettelten uns hier und da ein bisschen, um in der Kürze der Zeit die Atlantikinsel auf der verschneiten Ringstraße zu umrunden. Nun also alles anders bei dieser Island Fotoreise im Herbst. Wir beschränken uns auf den westlichen und südlichen Teil Islands und bleiben länger in den jeweiligen Region, um bei schwächeren Bedingungen die wichtigsten Spots ein zweites und zur Not auch ein drittes Mal anfahren zu können. Eine Strategie, die sich in den letzten Jahren bei unseren anderen Fotografietouren oft ausgezahlt hat.

    Übersichtskarte Fototour nach Island.

    Bei der Island Fotoreise im Herbst 2025 beschränken wir uns auf die vier markierten Bereiche dieser Übersichtskarte. (Foto: Google Earth Pro)

    1.  Die Halbinsel Snæfellsness – Wasser von allen Seiten

    Gleich unsere erste Location soll einer unserer Top 3-Spots dieser Island-Fotosafari sein: die Hraunfossar. Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von mehr als 100 Wasserfällen und Rinnsale, die unterirdisch gespeist werden und sich auf einer Breite von rund 700 Metern aus dem Lavagestein in den Fluss Hvitá ergießen. Im Herbst ist dieses Naturwunder besonders beeindruckend, da die umliegende Natur in leuchtenden Rot-, Orange- und Gelbtönen erstrahlt. Das Zeitfenster hierfür ist kurz, wir kommen Anfang Oktober gerade noch rechtzeitig. Keine zehn Tage später sind auch die leuchtendsten Blätter zu kargem Gestrüpp zusammengeschrumpft. 

    IPhone-Panorama vom Hraunfossar.

    Um die Dimensionen der Hraunfossar (deutsch: Lavawasserfälle) darzustellen, habe ich vor Beginn der „richtigen“ Landschaftsfotografie dieses iPhone-Panorama erstellt. Auf einem Dreiviertelkilometer werden die unzähligen kleinen Wasserfälle und Rinnsale unterirdisch gespeist und ergießen sich in den Fluss Hvítá.

    Hraunfossar im Herbst

    Fotograf Florian Läufer während seiner Landschaftsfotografie bei einer Reise nach Island.

    Tarnung ist alles! Farblich habe ich mich der Umgebung angepasst. (Fotocredit: Holger Kröger)

    Stimmungsvolle Aufnahme vom Hraunfoss während einer Fotoreise nach Island im Herbst. Fotograf: Florian Läufer.

    Wie aus einem Märchen – die Hraunfossar sind eine Augenweide im Herbst.

    Hraunfoss im Herbst fotografieren.

    Detailfoto von den isländischen Hraunfossar im Herbst.

    Wenn du solche Bilder während einer Island Fotoreise im Herbst bereits am ersten Tag auf der Habenseite verbuchen kannst, freust du dich als Landschaftsfotograf wie ein kleines Kind zu Weihnachten.

    Der Kirchberg und die Kirchen

    Weiter geht’s: Die schwarze Kirche von Búðir und die Ingjaldshólskirche erleben (und fotografieren) wir bei außergewöhnlichen Bedingungen. Auch den Snæfellsnes-Klassiker, den Berg Kirkjufell mit dem Triple-Wasserfall im Vordergrund, können wir im pastellfarbenen Morgenlicht auf die Speicherkarten bannen. Das Wetter meint es gut mit uns. Und zwar rrrichtig gut!

    Island-Klassiker: Die schwarze Kirche von Budir.

    Island-Klassiker: Die schwarze Kirche von Búðir.

    Die Ingjaldsholskirkja in Island während eines kräftigen Schauers.

    Die Ingjaldshólskirche steht im Zentrum eines kräftigen Regenschauers. Ich liebe die Dramatik in diesem Foto!

    Morgenstimmung am Kirkjufell in Island.

    Dass der Kirkjufell (deutsch: Kirchberg) ein Touristenmagnet ist, hat vor allem zwei Gründe: Der markante Berg ist, erstens, ganz easy mit dem Auto zu erreichen und sieht, zweitens, einfach genial aus mit diesem Dreifach-Wasserfall im Vordergrund. Wenn dann noch das Morgenlicht mitspielt, ist’s perfekt!

    Spannend wird es rund um den kleinen Fischerort Arnarstapi mit seinen skurrilen Felsformationen, Buchten, Höhlen und Basaltsäulen. Das Licht ist für einen kleinen Augenblick auf unserer Seite. In den wichtigsten fünf Minuten, als die Morgensonne durch eine kleine Wolkenlücke aufs Ufer trifft, stehe ich gerade am großen Felsbogen, Holger fotografiert zu diesem Zeitpunkt die „Stone Bridge“, die ich bereits im Winter 2018 bei Traumbedingungen in mein Portfolio aufnehmen konnte. Auf jeden Fall sind wir beide an diesem Morgen in Arnarstapi sehr glücklich mit unser Bildausbeute! (Übrigens: Fotos von Reisepartner Holger findest du hier: Holger Kröger-Fotografie)

    Einsames Haus beim Fischerdorf Arnarstapi auf der Snaefellsnes-Halbinsel in Island.

    Allein zu Haus – von der Nachbarschaft hörst und siehst du hier nix!

    Der felsbogen von Arnarstapi im besten Licht auf einer Fotoreise nach Island fotografiert.

    It’s a kind of magic! Für einen kurzen Moment schiebt sich die aufgehende Sonne durch eine Wolkenlücke und scheint exakt durch den Felsbogen hindurch. Zur gleichen Zeit…

    Die Stone Bridge in Arnarstapi. Fotografie: Holger Kröger

    …steht Holger mit seiner Kamera ein paar Hundert Meter weiter an der „Stone Bridge“ und nimmt dieses Hochformat auf. (Wenn du die Wolkenformation links neben der Sonne vergleichst, siehst du die Übereinstimmung des Himmels.) Und das ist übrigens eine unserer Erkenntnisse während solcher Fototrips: Obwohl wir gemeinsam im gleichen Auto sitzen und an die gleichen Orte fahren, unterscheiden sich unsere Bildergebnisse im Nachgang erheblich voneinander! Der Beweis dafür, dass jeder Fotograf seine eigenen Interpretationen, Ideen und Vorlieben mitbringt und dadurch oft Fotos mit ganz unterschiedlicher Handschrift entstehen. (Fotocredit: Holger Kröger)

    "Tunnelblick" in Arnarstapi bei einer Fotosafari nach Island.

    Tunnelblick!

    Gar nicht weit entfernt können wir bei Lóndrangar unseren Blick aus rund 20 Metern Höhe in den Schlund des tobenden Atlantiks werfen, der hier mit viel weißem Wasser auf das zerklüftete Gestein trifft. Das ist kein Meeresrauschen, die Wellen schreien dich förmlich an, während im Hintergrund die Überreste eines alten Vulkankraters 70 Meter in die Höhe ragen. Endzeitstimmung!  

    Langzeitbelichtung tosender Atlantik.

    „Wuuuusch!!!“

    Kräftiger Regenbogen in Londrangar.

    Regen und Regenbögen wechseln sich bei diesem Fototrip nach Island regelmäßig ab. Blöd nur, dass wir beim Erscheinen fast aller Regenbögen gerade im Auto sitzen. Hier hat es gerade so geklappt, einen zu fotografieren.

    Tosender Atlantik mit Blick auf Londrangar in Island.

    Lóndrangar – bei den Felssäulen im Hintergrund handelt es sich um Überreste eines alten Vulkankraters.

    2.   Zwischen zwei Kontinenten

    Der Thingvellir-Nationalpark im Südwesten Islands ist ein historisch und geologisch spannender Ort! Schon die Wikinger hielten hier traditionelle Versammlungen ab – und das ist nun wirklich lange her. Thingvellir ist aber auch von vier aktiven Vulkansystemen umgeben, außerdem findet sich hier der Grenzbereich zweier tektonischer Platten, die in diesem Umfeld auseinanderdriften. Die amerikanische und die eurasische Platte haben eine lange Schlucht mit imposanten Felsspalten und Rissen gebildet. 

    Öxarafoss zwischen den Koninentalplatten

    Der Öxarafoss ist ein eindrucksvoller Wasserfall im Thingvellir-Nationalpark, der übrigens gleichzeitig UNESCO-Weltkulturerbe ist. Hier haben schon die Wikinger getagt und die Gegend gilt als Wiege des isländischen Parlaments. Man darf es so sagen: Demokratie hat hier Geschichte!

    Das herbstliche Island ist ein Traum für die Landschaftsfotografie

    Lieblingsfarbe? Herbst!

    Gar nicht weit entfernt können wir einen der weltweit aktivsten Geysire, den Strokkur, bestaunen. Im Viertelstundentakt speit der Strokkur das heiße Wasser wie mit einem Kanonenschuss bis zu 30 Meter in die Höhe, während drumherum heiße Quellen und Schlammtöpfe um die Wette blubbern. Muss man gesehen und erlebt haben!

    Geysir Blase

    Die „Bubble“ kurz vor Ausbruch des Geysirs.

    Bildstrecke vom Ausbruch des Geysirs in Island

    Wunder der Natur: Wie ein Kanonenschuss speit der Geysir das heiße Wasser bis zu 30 Meter in die Höhe. 

    Allzu lange halten wir uns in diesem Gebiet nicht mehr auf und fahren bald weiter in den Süden Islands. Was wir uns nicht entgehen lassen: den Háifoss! Mit einer Fallhöhe von 122 Metern immerhin der dritthöchste Wasserfall des Landes, der dann in einer langen grünbewachsenen Schlucht Richtung Küste abläuft. Ziemlich spektakulär, dort oben zum Sonnenuntergang am Klippenrand zu stehen!

    Landschaftfotograf am Abgrund

    Keinen Schritt weiter! Ganze 122 Meter fällt das Wasser den Haifoss hinab, der damit der dritthöchste Wasserfall Islands ist.

    Stay on Path

    „Schild? Was für ein Schild? Hab ich gar nicht gesehen…!? Ehrlich…!“

    Haifoss bei Sonnenuntergang während einer Island Fotoreise im Herbst.

    Auf diesen Moment haben wir gewartet. Während das Wasser in weißer Gischt in der Schlucht zerstäubt, geht am Horizont die Sonne unter. So entstehen Lieblingsfotos!

    Wasserfall an der Ringstraße in Island

    „Fotografischer Beifang“ sagen wir immer zu solchen grandiosen Motiven, die wir quasi im Vorbeifahren aufnehmen können. Der Fossálar liegt direkt an der Ringstraße. Mit dem Auto parkst du nur 50 Meter entfernt. Fotografieren darf auch mal ganz easy sein!

    3.   Gespensterstimmung im Hochland & Sturm in Vík í Mýrdal

    Wenn du eine Island Fotoreise im Herbst unternimmst, willst du beides: Richtig schlimmes Schmuddelwetter aber auch sonniges Herbstlicht á la Indian Summer. Aus fotografischer Sicht gibt es Spots, für die du ausschließlich das eine (Schmuddelwetter) brauchst, während sich für andere Motive ausschließlich das andere (Indian Summer) eignet. Umgekehrt funktioniert’s leider nicht. Wir haben den Pabst in der Tasche und kriegen nahezu an jeder der ausgewählten Destinationen unser Wunschwetter. Manchmal müssen wir ein zweites Mal den gleichen Spot besuchen, um dem Glück ein wenig nachzuhelfen, insgesamt macht uns das Wetter aber sehr, sehr happy! 

    Für das südliche Hochland wünschen wir uns trübe Aussichten und bekommen: ganz ungehöriges Feuchtwetter. „Brrrr!“ Als wir die ikonische doppelte Bergspitze hinterm Bachlauf fotografieren, kriegen wir von allen Seiten Wasser ab. Fotografieren im Grenzbereich – lange macht sowas die Ausrüstung nicht mit! Genauso hatten wir es uns hier gewünscht. One dream – one Team!

    Moody Stimmung bei der Landschaftsfotografie im Hochland Islands

    So hatten wir es uns für das Hochland bei unser Island Fotoreise im Herbst gewünscht: Trübes Schietwetter, um schaurig-schöne Moody-Stimmungen mit dem Fotoapparat einzufangen.

    Island Fotoreise im Herbst: Schwerer Sturm!

    Weiter geht’s am schwarzen Strand von Vík í Mýrdal. Hier erleben wir einen schweren Sturm mit Windstärke 10 und Orkanböen in 11. Das ist die Stärke, bei der Nachrichtensprecher vor umstürzenden Bäumen warnen. Und wir so: „Jaaaa! Hin da!!“ Dazu muss man wissen: Der harmlos wirkende Strandabschnitt Reynisfjara ist eh bekannt für seinen kraftvollen Seegang und tückische Sneaker-Wellen, die hier schon mehrere Touristen in den Tod gerissen haben – und das schon an weniger stürmischen Tagen. Ich will nicht unken, aber: Der Reynisfjara-Strand ist tatsächlich der tödlichste Abschnitt Islands. Es gibt verstörende Videos von allzu wagemutigen Touristen, die vom Sog der ablaufenden Wellen wie Strandgut mitgerissen werden. (Hier mal ein Beispiel dazu: Youtube – Sneaker-Wave) 

    Was wir bei diesen Bedingungen hier erleben ist gigantisch. Du musst gegen das Meerestosen anschreien wenn du dich unterhalten willst, während die Wellen auf den Strand krachen und der feine Sand dich im Sturm sandstrahlt. Wir halten ausreichend Abstand zum Wasser und drehen den Wellen niemals den Rücken zu. Es kann dir schnell zum Verhängnis werden, wenn diese eine Welle, die weiter reinläuft als alle anderen zuvor, dir die Beine wegzieht. Wir fotografieren was das Zeug hält und können unser Glück kaum fassen. Ein Traum! 

    Sturm in Vik i Myrdal

    Als wir in Vik i Myrdal ankommen, herrscht bereits kräftiger Sturm. Später wechseln wir zum Black Beach (Reynisfjara), der hinter der Landspitze liegt. Dort legt die Windgeschwindigkeit nochmal einen Zahn zu…

    Raue See

    Hörst du es?

    Fotografieren am schwarzen Strand von Reynisfjara

    Wie eine Mondlandschaft wirkt die Szenerie am schwarzen Strand Reynisfjara.

    Sneaker Welle am Black Beach Reynisdrangar

    Exakt an dieser Stelle gab es in der Vergangenheit mehrere Todesopfer, die von den gefährlichen Sneaker-Wellen in den Atlantik gezogen wurden.

    Sturm am schwarzen Strand Reynisfjara

    Wellen, die dich zum Fressen gerne haben!

    Tobender Atlantik Renisfjara Island im Herbst

    Episch!!! (Fotocredit: Holger Kröger)

    4.   Am Fuße des Vatnajökull-Gletschers

    Der südlichste Punkt unserer Reise ist das Vestrahorn mit der Landzunge Stokksnes bei Höfn. Gleichzeitig gilt dieses so fotogene Bergmassiv bei uns beiden aber auch als Achillesferse. Sowohl Holger als auch ich haben diesen Ort in den letzten Jahren schon mehrfach besucht, die Bedingungen haben aber nie so richtig gepasst. Problematisch wird es, wenn Nebel und/oder Wolken den Blick auf die Bergspitzen versperren. Dann kannst du das Fotografieren am besten gleich sein lassen. Genau das kennen wir aus der Vergangenheit. Diesmal planen wir 48 Stunden für diesen Ort ein und hoffen, hoffen, hoffen. Auf tolles Licht, auf wenig Touristen, vielleicht sogar auf Polarlicht? Man wird ja nochmal träumen dürfen..!

    Eystrahorn von oben.

    Bevor wir uns dem Vestrahorn mit der Kamera nähern, erkunden wir die übrigen Landschaften am Fuße des Vatnajökull-Gletschers. Das Eystrahorn mit der vorgelagerten Halbinsel ist gar nicht weit entfernt und wird hier vom stürmischen Atlantik umtost. Grenzwertige Bedingungen für die Drohne.

    Sonnenuntergang am Eystrahorn

    Herrlich, wie von links die untergehende Sonne in die raue Landschaft scheint.

    Schwarzer Strand am Eystrahorn

    Den beiden ist es auch zu windig – schnell zum Auto!

    Der Mulagljufur Canyon

    Wirken lassen! Dem eindrucksvollen Mulagljufur Canyon statten wir auch noch einen Besuch ab. Ganz schön hoch! 

    Die Hofskirkja in Island im Herbst

    Die Hofskirkja im Süden Islands war eines meiner Wunschmotive vor Reiseantritt. Eigentlich hatte ich an einem wechselhaften Tag mein Bild schon längst im Kasten, als Wiese und Kirche plötzlich von einem flüchtigen Sonnenstrahl erfasst werden, der die Farben zum Leuchten bringt. Da war es wieder, das Glück der Tüchtigen! Holger und ich freuen uns diebisch!

    Dass wir das Vestrahorn bei diesem Besuch letztlich in allen Facetten und Farben ablichten können, entschädigt doppelt für die vorangegangenen Besuche. Hier und jetzt ist deutlich mehr Glück als Verstand im Spiel. Wenn alles stimmt, muss du nur noch den Auslöser drücken. Danke, Island!

    Eines meiner Wunschfotos dieser Island Fotoreise im Herbst: Das Vestrahorn bei Sonnenaufgang.

    Rot, Blau, Grün, Orange – das Bergmassiv rund ums Vestrahorn können wir innerhalb von zwei Tagen in allen Farben fotografieren. 

    Perfekte Spiegelung am Vestrahorn in Island.

    Hier sogar mit Spiegelung!

    Langzeitbelichtung mit einlaufender Welle am Vestrahorn im Süden Islands.

    Stokksnes zur Blauen Stunde.

    Fotografenweisheit: Vordergrund macht Bild gesund!

    Polarlicht über dem Vestrahorn im Herbst.

    Fünf Stunden bei Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt haben wir zwischen den mit Strandhafer bewachsenen schwarzen Dünen ausgeharrt, um ein paar Bilderchen mit Polarlicht zu kriegen. Die kalten Füße sind längst vergessen, das Foto ist immernoch da! 

    IN EIGENER SACHE

    Vor einiger Zeit habe ich auf meiner Homepage einen klitzekleinen Webshop integriert, in dem du ausgesuchte Landschaftsfotos als Highend-Druck für deine Wohnzimmerwand, das Büro oder die Praxis ordern kannst. Einige der Fotos, die du in diesem Blogpost siehst, kannst du ab sofort in meinem Onlineshop erwerben. Hier kannst du dich ein bisschen umschauen: Wandbilder-Shop von Florian Läufer. Mit deinem Kauf unterstützt du mich bei meinen freien Arbeiten, die ich auf eigene Kosten in buchungsschwachen Phasen realisiere. Das können Fototrips (dieser hier war super: La Gomera-Fotoreise), Portraitprojekte (wie zum Beispiel dieses hier: Charakterportraits in Schwarzweiß) oder auch ganz andere ausgefallene fotografische Ideen sein.

    Individuelle Wandbilder des Landschaftsfotografen Florian Läufer aus Norddeutschland.

    Jedes Bild ein Unikat! In meinem Shop biete ich ausgewählte Landschaftsfotos als Highend-Drucke an, die ich exklusiv für dich auf deinem Wunschmaterial anfertigen lasse. Du kannst wählen zwischen Leinwand, Alu Dibond, Holzdruck, Acrylglas und verschiedenen Künstlerpapieren mit edler Haptik, Langlebigkeit und hoher Farbbeständigkeit. Zusätzlich hast du die Möglichkeit, die Fotos auch als Puzzle (70 Teile – 31,95 € oder 192 Teile – 40,95 €) oder Postkarte zu ordern. 

     

  • Freie Arbeit: La Gomera Fotoreise

    Die La Gomera Fotoreise geisterte mir zwar schon länger als „man-könnte-mal“ durch den Hinterkopf, letztlich ist es dann aber doch eine Last Minute-Entscheidung, den Fotorucksack zu packen und bis in den Auslösefinger motiviert in den Flieger zu steigen. Im Spätsommer zeichnete sich ab, dass ich Mitte November eine Lücke in meinem Terminkalender haben würde, um die ich von nun an alle meine Aufträge, Projekte und Termine herumbastele. Das funktioniert bis Ende Oktober ganz gut, dann gebe ich mir selbst das GO! Ich buche ein relativ günstiges Pauschalangebot mit Flug und Unterkunft über TUI, dazu einen kleinen Mietwagen- fertig! Schon zwei Wochen später setze ich mit der Fähre von Teneriffa nach La Gomera über.

    Wandern & Fotografieren im Garajonay-Nationalpark

    In den zwei Wochen zuvor fahre ich von null auf Hundert die Recherche hoch. Ich hatte die zweitkleinste der Kanareninseln fotografisch ja schon länger auf dem Zettel, in tiefere Planungen war ich bisher aber nicht eingestiegen. Was ich extrem faszinierend finde und Hauptgrund für meine Reiseentscheidung ist: der Garajonay-Nationalpark mit seinen ursprünglichen Lorbeerwäldern. Seit meinen beiden Madeirareisen in der Vergangenheit bin ich total geflasht von derartigen Nebelwäldern (hier findest du einen Blogpost von mir über den Fanal-Lorbeerwald auf Madeira), dass mich mein innerer Kompass nun also nach La Gomera beamt. 

    Hermigua zur Blauen Stunde

    In der kleinen Stadt Hermigua bin ich bei meiner einwöchigen Fotoreise untergekommen.

    Ökologischer Tourismus

    Was die Gomeraner ganz clever machen, ist die aus sich selbst resultierende Beschränkung des Tourismus. Für Strand-Cocktail-Club-Flanier-Shopping-Urlaube ist die Insel eh kaum die richtige Destination, eher für ökologischen Tourismus. Und der bremst sich selbst über ein nur begrenztes Angebot an Unterkünften und Mietwagen aus. Am meisten ist noch im Süden der Insel los, den ich für meine La Gomera Fotoreise in Sachen Fotospots sowieso nicht so spannend finde – gut so. Der Garajonay-Nationalpark befindet sich in den höheren Lagen der Inselmitte, hier und da ergeben sich noch diverse andere Möglichkeiten an den Küstenabschnitten.  

    Roque de Agando morgens fotografiert mit Nebel.

    Der „Roque de Agando“ ist ein ehemaliger Vulkanschlot und thront an seiner Spitze 1251 Meter über dem Meeresspiegel im Garajonay-Nationalpark. Eines meiner Lieblingsmotive hier auf der Insel. 

    Meine 5/9/2/7-Strategie bei dieser la Gomera Fotoreise

    Nachdem ich die Insel in der Vorbereitung zigmal von der Couch aus via Google-Earth im Tiefflug überflogen bin, habe ich mir rund ein Dutzend fotografische Ziele für diese einwöchige Fotoreise gesetzt. Vor Ort setze ich dann auf die 5/9/2/7-Strategie. Und die geht so: Um 5 Uhr morgens geht der Wecker, um 9 Uhr abends komme ich heim, dann noch 2 Stunden Wetter- und Spotrecherche für den Folgetag und das 7 Tage lang. Ergo: Es wird anstrengend! Die fotografisch wichtigsten Zeiten sind die Morgen- und Abendstunden, dazwischen nutze ich die Zeit für Location Scouting, um die anvisierten Spots besser einschätzen zu können und die Trails und Wege zunächst einmal bei Tageslicht zu laufen. Da dies ein Solo-Fototrip ist und ich morgens und abends nur im Schein der Kopflampe durch die Dunkelheit laufe, fühle ich mich besser, die Strecken zunächst bei Helligkeit kennenzulernen. Was ich dabei fotografieren kann, siehst du hier:

    Nordküste auf La Gomera im Sonnenuntergang fotografiert.

    Solch herrliche Aussichten kannst du im Norden der Insel fotografieren.

    Palmen auf a Gomera

    Es ist schon verrückt, dass diese Palmenlandschaft nur wenige Kilometer von den nebelverhangenen Bergen mit ihren Lorbeerwäldern entfernt ist.

    Wildlife

    Bevor ich mich aber auf die Wanderung durch die Lorbeerwälder mache, steige ich zu den Sea Stacks bei Arguamul herab und treffe auf das typische „Wildlife“ der Insel. „Määäh!“

    Sea Stacks Arguamul Langzeitbelichtung

    Es geht über einen zerklüfteten Geröllpfad ein ganzes Stück bergab zu diesem lohnenswerten Seascape-Motiv.

    Seltenes Foto: Regenbogen bei den Sea Stacks von Arguamul

    Ein Regenbogen an der Küste von La Gomera dürfte nicht sehr häufig zu sehen sein. Hier regnet es ja kaum… Glück gehabt!

    Waldbaden im Nebel

    Wanderung im Lorbeerwald bei Nebel.

    Bei meinem ersten Trail im Nationalpark darf ich gleich den so wichtigen Nebel erleben, der den Waldlandschaften erst ihren mystischen Charakter verleiht. Ganz schön kühl – ich muss die Jacke überziehen.

    Moosbäume

    Unwirklich!

    Trees

    Ich krieg Angst

    Manchmal kriegst es mit der Angst zu tun…

    Nebelwald auf La Gomera

    Mit Moos behangene Bäume im Lorbeerwald von la Gomera

    Was tatsächlich zur fotografischen Herausforderung wird, ist die Motivfindung in diesem Urwald. Das Verlassen der Wege ist weder erlaubt noch ratsam. (Oder möchtest du dich hier verlaufen?) Der Wald ist in sich so unruhig und verwachsen, dass sich mögliche Motive nicht auf den ersten Blick erschließen. 

    Aeoniums auf La Gomera

    Schön, einfach nur schön!

    Kleine Details fotografieren

    Und so sind es auch die ganz kleinen Dinge, die ich in den Fokus rücke.

    Kanariengirlitz

    „Was macht der denn da?“ habe ich mich gefragt, als der Kanariengirlitz wieder und wieder über den Waldboden hüpft. Bei genauerem Hinsehen bin ich ihm dann auf die Schliche gekommen: Ameisen vom Boden aufpicken! Hier hat er noch eine in der Schnabelspitze eingeklemmt.

    Garajonay: Panorma mit Roque de Agando.

    An diesem Blick vom „Mirador del Morro der Agando“ aus kann ich mich nicht sattsehen. Und deshalb musste ich einfach ein Panorama aus drei Einzelfotos zusammensetzen, um den tollen Sonnenaufgang an diesem magischen Ort für immer als 180-Grad-Foto einzufrieren.

    Waldbrand

    Guck mal, ich habe einen „Waldbrand“ fotografiert.

    Berge La Caleta

    Was für ein Licht! Love it!

    Fotografieren zum Sonnenaufgang Playa de la Caleta

    Die Felsnadel am Strand vom Playa de la Caleta macht sich gut bei Sonnenaufgang und ist nicht weit von meinem Apartment entfernt. Im Hintergrund siehst du die Bergspitze vom Teide (dem höchsten Berg auf der Nachbarinsel Teneriffa) aus dem Wolkenband herausstehen.

    Blick von Costillo del Mar Richtung Teneriffa

    Die alte (und verlassene) Bananenverladestation Costillo del Mar stammt aus dem Jahre 1890. Wäre auch ein gutes Piratenversteck, oder?

    La Gomera Fotoreise des Fotografen Florian Läufer

    Eines meiner Lieblingsbilder von dieser La Gomera Fotoreise.

    El Cedro Trail mit Holzbrücke

    Ich bin sehr dankbar, diesen Ort gesehen, gefühlt, gehört und gerochen zu haben!

    Solche Motive kann man bei einer Fotoreise nach La Gomera fotografieren.

    Die Wege im Nationalpark Garajonay sind vorgegeben und dürfen nicht verlassen werden. Wie auch? Ist ja alles zugewuchert.

    Farne im Garajonay Nationalpark auf La Gomera

    Garajonay-Nationalpark. Ein Idyll für Fotografen

    Man darf es so sagen: Es ist ein Urwald! Sehr beeindruckend!

    IN EIGENER SACHE

    Vor einiger Zeit habe ich auf meiner Homepage einen klitzekleinen Webshop integriert, in dem du ausgesuchte Landschaftsfotos als Highend-Druck für deine Wohnzimmerwand, das Büro oder die Praxis ordern kannst. Einige der Fotos, die du in diesem Blogpost siehst, kannst du ab sofort in meinem Onlineshop erwerben. Hier kannst du dich ein bisschen umschauen: Wandbilder-Shop von Florian Läufer. Mit deinem Kauf unterstützt du mich bei meinen freien Arbeiten, die ich auf eigene Kosten in buchungsschwachen Phasen realisiere. Das können Fototrips (dieser hier war super: Isle of Skye), Portraitprojekte (wie zum Beispiel dieses hier: Charakterportraits in Schwarzweiß) oder auch ganz andere ausgefallene fotografische Ideen sein.

    Exklusive Fotodrucke des Fotografen Florian Läufer aus Hamburg

    Jedes Bild ein Unikat! In meinem Shop biete ich ausgewählte Landschaftsfotos als Highend-Drucke an, die ich exklusiv für dich auf deinem Wunschmaterial anfertigen lasse. Du kannst wählen zwischen Leinwand, Alu Dibond, Holzdruck, Acrylglas und verschiedenen Künstlerpapieren mit edler Haptik, Langlebigkeit und hoher Farbbeständigkeit.

    Wenn dir meine Arbeit gefällt und du auch in Zukunft Blogartikel wie diesen von der Insel La Gomera von mir lesen möchtest, dann markiere meine Facebook-Seite mit Gefällt mir – so verpasst du keine Neuigkeiten. Auf meinem Instagram-Account zeige ich ebenfalls regelmäßig tolle Fotos. Fragen, Anregungen, Kritik? Dann komme gerne über das Kontaktformular ins Gespräch mit mir. Ich freue mich auf deine Nachricht.

  • Freie Arbeit: Fotografieren im Harz

    Warum ich mich bei meiner freien Arbeit für das Fotografieren im Harz entschieden habe, hat drei Gründe: Natur, Natur, Natur! Zugegeben, mit mindestens 2,5 Stunden Anfahrt ist es für mich als Schleswig-Holsteiner nicht mal eben ums Eck. Und trotzdem: Wer aus dem plattdeutschen Land kommt, für den liegt eben nichts näher als die Harzer Berge. Immerhin ist der Brocken mit 1.142 Metern der höchste Berg in Norddeutschland. Höher geht’s hier nicht. 

    Zwischen den Bergen

    Genau genommen reizt mich aber mehr das zwischen den Bergen: die Täler! Hier fließen Bode, Selke, Oker, Ilse und andere Flüsse durch Wald und Wiesen. Stichwort Wald: Wer sich für das Fotografieren im Harz entscheidet, der kann sich dem Anblick der von Borkenkäfern hingerichteten Fichtenwälder nicht entziehen – sieht nicht schön aus. Durch verschiedene Maßnahmen soll sich der Wald zukünftig in einen klimastabilen wilden Naturwald mit Mischbestand verwandeln. Allerdings: In der Forstwirtschaft wird in Jahrzehnten gedacht und gehandelt. All das dauert also noch seine Zeit…

    Mystische Flusslandschaft im Harz

    An den Ufern der Harzflüsse bist du als Fotograf gut aufgehoben.

    Landschaftsfotos mit Strategie

    Na gut, hier soll es ja um Fotografie gehen, nicht um Forstwirtschaft. Bei der Planung für dieses etwas längerfristige Projekt ging ich strategisch vor und teilte den Harz für meine Besuche in drei Regionen auf: Ost, West und Mitte. Dadurch vermied ich lange Fahrten zwischen den Spots und beschränkte mich bei jedem Besuch auf eine der drei Regionen. Danach erstellte ich mir eine Prioritätenliste mit drei W’s: wo, wann und was ich fotografieren möchte. Und so sehr mich auch die kleinen Städte wie Quedlinburg, Wernigerode oder Stolberg mit ihren vielen bewundernswerten Fachwerkhäusern flashen, so uninteressant sind sie für mich als Landschaftsfotograf. 

    Vom Borkenkäfer befallene Fichten im Harz

    Auch das gehört zum Harz: vom Borkenkäfer verursachtes Totholz.

    Fotografieren im Harz – meine Güte ist das schön!

    Beginne ich einfach dort, wo mein Projekt „Fotografieren im Harz“ begann – an der Jungfernbrücke in Thale, Ende September. Ich sah kurz zuvor bei einem anderen Landschaftsfotografen ein Bild der fast 100-jährigen Natursteinbrücke, das einen fotografischen Reflex in mir auslöste: „Ach du meine Güte ist das schön! Da muss ich hin!“ Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, ist, dass die vermeintliche Idylle gleich neben der Brücke erlischt. Ein kleines Gasthaus mit Außengastronomie nimmt morgens ab 9 Uhr seinen Betrieb auf. Na gut, dem tollen Foto tut das keinen Abbruch, anders vorgestellt hatte ich es mir schon… 

    Genug der vielen Worte. In meinem kleinen Paralleluniversum geht’s ja eigentlich nur um Fotos. Deshalb zeige ich dir an dieser Stelle meine Lieblingsbilder der vergangenen Monate und erzähle hier und da etwas zum „Making of“ in den Bildunterschriften. Enjoy!  

    Rosstrappe im Harz. Das Foto entstand vom Hexentanzplatz.

    Der Granitfels Roßtrappe erhebt sich 400 Meter über das Bodetal im Harz. Wenn du ganz genau hinschaust, kannst du im Tal das Gasthaus erkennen, an dessen Seite der Weg über die Jungfernbrücke (Foto unten) führt.

    Fotografieren im Harz

    Nicht umsonst habe ich dieses Foto als Titelbild für den Blogartikel gewählt. Hier beginnt im September 2024 mein freies Fotoprojekt „Fotografieren im Harz“, welches ich auch in diesem Jahr weiterverfolgen werde.

    Selkefall bei einer Fototour im Herbst aufgenommen.

    Der Selkefall im Herbst – tolles Fotomotiv!

    Irgendwo im Selketal.

    Was mich meistens einen Tick mehr begeistert als die „Fotoklassiker“, sind die eher unscheinbaren Motive, die sich irgendwo im Großen und Ganzen verstecken und erst ein bisschen aus der Umgebung herausgekitzelt werden müssen.

    Fotomotiv Bode, kurz über den Bodefällen.

    Ich lieb’s! 

    Feuersalamander im Harz

    In meinem ganzen Leben ist mir bisher kein einziger Feuersalamander über den Weg gelaufen. An einem Frühlingstag an der Holtemme sind es dann gleich drei Stück an einem Tag! Sowas macht (mich) happy! 

    Portrait vom Feuersalamander

    Tierfotografie Feuersalamander

    Natur ist: schön!

    In die Landschaft gebaut

    Treseburg - Harz im Herbst fotografiert.

    Architektur ist für mich dann interessant, wenn sie sich in toller Landschaft präsentiert, wie hier im herbstlichen Treseburg.

    Das Hotel Steinerne Renne zum Sonnenaufgang fotografiert.

    Den Weg zum Hotel Steinerne Renne musst du dir zu Fuß erlaufen – Autos verboten. Ich bin im Dunkeln hoch, um hier den Sonnenaufgang zu erleben. Vermutet hatte ich die aufgehende Sonne ungefähr in dem Dreieck zwischen den Bäumen. Tja, falsch gedacht. Schade!

    Schloss Wernigerode zur Abendstunde

    Das Schloss Wernigerode vor dem Abendhimmel. Hat was, oder?

    Stabkirche Hahnenklee zur blauen Stunde fotografiert.

    Die Stabkirche Hahnenklee ist was für triste Tage – eindrucksvoll.

    Verstecke Kapelle im Harz.

    Ich bin ein Fan davon, Kirchen und Kapellen in ungewöhnlicher Umgebung zu fotografieren. Diese hier war allerdings nur ein vorübergehendes Phänomen. Die Kapelle wurde als Filmkulisse beim Bergwerksmuseum Grube Glasebach errichtet und nach Ende der Dreharbeiten wieder abgerissen. Ich habe das Zeitfenster einer Drehpause genutzt und die kleine Kapelle in schwarzweiß fotografiert. Bin gespannt, wann der dazugehörige Film in die Kinos kommt… 

    Die Köthener Hütte bei besten Herbstbedingungen fotografiert.

    An der Köthener Hütte erlebe ich absolute Traumbedingungen! Es gibt nichts, was ich mir an diesem sonnigen Herbsttag anders gewünscht hätte. Das Gegenlicht bringt das bunt gefärbte Laub zum Strahlen und bildet damit einen ausgezeichneten Kontrast zum blauen Himmel. 

    Harz im Herbst fotografieren.

    Übrigens: Die Köthener Hütte ist keine Kapelle, sondern eine Schutzhütte für Wanderer. Auf dem Schild an der Hüttenrückseite steht: „Ich schütze dich mit Dach und Wänden. Drum schütze mich vor Bubenhänden.“ Und tatsächlich, an der Hütte befindet sich weder Schmiererei noch Sticker bei meinem Besuch – klasse! 

    Köthener Hütte zum Sonnenaufgang

    Von Hexen und Teufeln

    Der Hexenbaum in Stecklenburg.

    Hexen sind in der Harzregion (nicht nur in der Walpurgisnacht) in aller Munde. Und es kommt nicht von ungefähr, dass diese Linde auf der Burgruine Lauenburg auch als Hexenbaum bezeichnet wird.

    Screenshot vom Hexenhaus im Harz

    (Quelle: Screenshot Google)

    Nach mühsamer Recherche habe ich herausgefunden, wo die bucklige Harz-Hexe wohnt! Leider ein bisschen zu spät! Hin und wieder ploppte mal eines dieser grandiosen Bilder von dem längst verlassenen „Tiny House“ auf, welches im Sommer vom Bewuchs überwuchert wird und dadurch diese geniale Horrorschocker-Stimmung erhält. Es blieb aber immer ein Geheimnis, wo das Hexenhaus zu finden ist. Die, die das Foto haben, hielten hinter einer Mauer des Schweigens eisern die Klappe. Nix zu machen. Ich habe Wochen recherchiert und gesucht, um es letztlich im November zu finden. (Foto unten) Aber seien wir ehrlich, so richtig mystisch ist das Foto erst mit dem nötigen Bewuchs. Ergo: Warten bis zum Frühjahr, dann nochmal mit dem Fotoapparat bei perfekten Bedingungen wiederkommen. Im April kommt dann tatsächlich der Horrorschock für mich: Das Gelände, auf dem das Hexenhaus steht, ist gerodet und für ein bald beginnendes Neubauprojekt vorbereitet worden. Abrissbirne lässt grüßen! Ich könnte heulen… 

    Hexenhaus im Harz.

    Lost Places im Harz fotografieren.

    Apropos marode Gebäude: Wer auf Lost Places steht, dürfte im Harz fündig werden. So viele Ruinen wie hier, findet man selten so geballt. Die Maschinenfabrik Carlswerk dient heute als Museum, ist also kein klassischer Lost Place. Ich find’s trotzdem mal ganz interessant reinzuschnuppern und lasse eine kleine Spende da. 

    Mauern, Felsen, Steine

    Teufelsmauer bei Nebel fotografieren.

    Von Hexen und Teufeln: Die Teufelsmauer besteht aus Sandstein und Kreide und verläuft auf einer Länge von rund 20 Kilometern durch das nördliche Harzvorland. Es gibt zahlreiche markant herausragende Einzelfelsen und -segmente, die sich in ganz unterschiedlichen Varianten fotografieren lassen. Mir gefällt’s bei Nebel am besten.

    Teufelsmauer bei Weddersleben im Morgennebel. Fotografiert von dem Landschaftsfotograf Florian Läufer.

    Die Klusberge in Halberstadt - tolles Fotomotiv

    Die Klusberge bei Halberstadt sind vom Boden aus schwierig zu fotografieren, aus der Luft schaut’s dafür richtig klasse aus. Warum die Formation im Vordergrund Fünffingerfelsen genannt wird, braucht nicht lange gefragt werden.

    Herbst in Harz

    Herbsstimmung

    Diabas Steinbruch an einem kühlen Herbstmorgen.

    Auch ein tolles Fotomotiv im Harz: der ehemalige Diabas-Steinbruch bei Wolfshagen. Ein echtes Naturwunder ist dieses markante Felsplateau also nicht. Gut 100 Jahre wurde hier bis 1986 magmatisches Gestein abgebaut. Inzwischen wird das ehemalige Industriegelände renaturiert. Hat was! 

    Diabas Steinbruch im Harz fotografieren

    Winterwonderland Harz

    Winterlandschaft fotografieren im Harz

    Ich sag’s mal ganz salopp: So richtig geil sieht es im Harz aus, wenn die Landschaft wie von Puderzucker überzogen ist. Hier am frühen Morgen bei klirrender Kälte irgendwo am Waldrand.

    Harzturm in Torfhaus zum Sonnenaufgang.

    Der Berg ruft! Nein, das ist nicht die Brockenrakete, die hier startet! Der Harzturm ist eine der neuesten Touristenattraktionen in Torfhaus, dem höchsten Punkt im niedersächsischen Harz. Von hier starte ich im Dezember meine Wanderung auf den Brockengipfel. Dramatisch ausgedrückt: Meine Solobesteigung des Brockens ohne Sherpas und Sauerstoff!

    Wegweiser zum Brocken

    Fotografieren im Harz im Winter.

    Diese Winterstimmungen sind es, die mich als Landschaftsfotograf begeistern!

    Naturerlebnis Harz

    Mein Fotoprojekt „Fotografieren im Harz“ habe ich bisher alleine genossen. Alles ist intensiver, wenn du es alleine tust. Du nimmst anders wahr, du gehst anders, du atmest anders. Und vor allem: Mehr als das Knirschen frischgefallenen Schnees unter den Schuhsohlen ist von dir nicht zu hören. Dadurch ist das Naturerlebnis viel ausgeprägter und du siehst Dinge, die sonst schon lange Reißaus genommen hätten.

    Brockengipfel mit Brockenbahn

    Der Harz ist berühmt für seine historischen Dampflocks – und für den Brocken. Mehrmals am Tag fährt die Brockenbahn auf den Gipfel des Berges, dessen markanten Bauten (Brockenhotel, Wetterstation etc.) schon von weit her zu sehen sind. Mehr Symbolik für Bahn und Brocken als auf diesem Foto ist also kaum hinzukriegen.  Ich muss allerdings gestehen: Die Bildidee habe ich bei dem Fotografen Thomas Spangenberg entwendet und 1:1 umgesetzt. (Mehr dazu weiter unten.) Noch ein Schmankerl: Zu DDR-Zeiten diente das dreigeschossige Brockenhaus als Abhörstation der Stasi. Wegen seiner runden Kuppel wurde das Brockenhaus im Volksmund auch „Stasi-Moschee“ genannt. 

    Die letzte Brockenbahn des Tages auf dem Weg zum Gipfel

    Die letzte Bahn stampft durch die Winterlandschaft den Berg hinauf. „Chuff-Chuff-Chuff!“ (Randnotiz für Fotoenthusiasten: Aufgenommen mit ISO 12.800, um im letzten Büchsenlicht eine verwacklungsfreie Verschlusszeit von 1/60 Sek hinzubekommen.)

    Winterwonderland

    Was für ein Kontrast!

    Winterlandschaft auf dem Brocken. Fotografiert von Landschaftsfotograf Florian Läufer

    Winterwonderland – dafür komme ich wieder. Und wieder, und wieder! Bis bald, im Harz! 

    Geduld, Glück und: Recherche 

    Wenn du selbst nicht fotografierst, wirst du dir vermutlich kaum vorstellen können, dass die allermeisten Fotoergebnisse sehr viel mit Geduld, Recherche, Wetterglück und Fleiß zu tun haben. Oft sind es ganz bestimmte Bedingungen, Tages- oder Jahreszeiten, die essenziell für besondere Fotos sind. Nicht nur beim Fotografieren im Harz! So manchen Fotospot habe ich zwei-, dreimal und notfalls auch ein viertes mal besucht, um meinem Traumfoto näher zu kommen. 

    Landschaftfotograf Florian Läufer bei der Recherche zu den besten Fotomotiven im Harz.

    My car is my castle! Basis für (fast) jedes gute Foto ist eine gute Recherche. Und wenn es sein muss, auch direkt vor Ort. 

    Hinter jedem Fotoprojekt steht immer auch eine intensive Internetrecherche. Hilfreich sind dabei Tourismuszentren, Reiseblogs, Fotowebseiten und natürlich Social Media. Hunderte Seiten und Profile habe ich mir zur Inspiration angesehen. Bei einigen landet man immer wieder. Dies waren meine Ideengeber, Wegbereiter, Inspirationsquellen und Stalkingopfer. Ich bin da allerdings zurückhaltender Leisetreter und gehe niemand mit E-Mails, Anrufen oder Kommentaren auf die Nerven. Keine(r) der hier Vorgestellten weiß also etwas von seinem – für mich – bedeutungsvollen Bezug zu meinem Fotoprojekt.

    Big THX an:

    Facebook-Gruppe „Der Harz“ Eigentlich hat diese Gruppe kaum etwas mit professioneller Fotografie zu tun. Mit über 130.000 Mitgliedern werden aber täglich Bilder von deren Wanderungen, Erlebnissen und Naturbeobachtungen gepostet, die mich auf ganz unterschiedliche Fotoideen brachten.

    „Wanderblende“ ist aus einer Idee von Christiane Hube entstanden. Auf ihrem Blog habe ich Stunden verbracht. Toller dunkel entsättigter Bildstil mit vielen gestalterischen Ideen, kurzweilig zu lesen und mit allerlei (eher versteckten) Infos. Einzigartig, behutsam, herzlich. Mehr davon, bitte!

    (Quelle: Screenshot www.wanderblende.com)

    Thomas Spangenberg hat bei mir mit seiner Homepage „Blogografie“ immer wieder einen Nerv getroffen. Und ja, ich gebe zu: Ein oder zwei Bilder habe ich ihm nachfotografiert. Das mit der Brockenbahn auf dem Gipfel zum Beispiel. Besonders sympathisch hat ihn für mich gemacht, dass er in seinen Blogposts auch die kleinen Malheure in der Fotografie (inklusive Drohnenabsturz) nicht unerwähnt lässt. 

    (Quelle: Screenshot www.blogografie.de)

    Michael Kästner lebt und fotografiert im Harz und ist in Kontakt mit meinem regelmäßigen Fotoreisepartner Holger. Persönlich kennengelernt habe ich ihn nie, aber hin und wieder spreche ich mit Holger über Michael Kästners (inzwischen weltweite) Fotografie auf extrem hohen Niveau. Sein Harz-Portfolio ist enorm! Kein Blog, keine Texte, keine Bildunterschriften, keine Infos – aber unfassbar gute und sehr inspirierende Landschaftsfotografien! Hier siehst du mehr davon: Michael Kästner Landscapes

    (Quelle: Screenshot www.kaestner.myportfolio.com)

    Gute und allgemeine Infos konnte ich häufig auf der Homepage des Harzer Tourismusverbandes finden, außerdem habe ich gerne und viel auf der Homepage vom Nationalpark Harz gelesen und gestöbert. Tja, und dann sind da noch die vielen Fotografie-Youtuber, die regelmäßig in YT-Clickbait-Manier ihre Clips mit Titeln wie „Geheimspot im Harz gefunden“ oder „Lebensgefahr – Fotografieren im Harz“ versehen, um Klicks und Abonnenten zu generieren. Ist stilistisch nicht so meins, aber was weiß ich schon als Best Ager jenseits der Fuffzig? Zugegeben: Hilfreich war so manches Video schon!

    IN EIGENER SACHE

    Vor einiger Zeit habe ich auf meiner Homepage einen klitzekleinen Webshop integriert, in dem du ausgesuchte Landschaftsfotos als Highend-Druck für deine Wohnzimmerwand ordern kannst. Einige der Fotos, die du in diesem Blogpost siehst, kannst du ab sofort in meinem Onlineshop erwerben. Hier kannst du dich ein bisschen umschauen: Wandbilder-Shop von Florian Läufer. Mit deinem Kauf unterstützt du mich bei meinen freien Arbeiten, die ich auf eigene Kosten in buchungsschwachen Phasen realisiere. Das können Fototrips (dieser hier war super: Isle of Skye – Schottland), Portraitprojekte (wie zum Beispiel dieses hier: Charakterportraits in Schwarzweiß) oder auch ganz andere ausgefallene fotografische Ideen sein.

    So könnte eine meiner Fotografien bei dir an der Wand aussehen. Exklusiv bei mir im Shop auf unterschiedlichen Druckerzeugnissen zu ordern.

    Wenn dir meine Arbeit gefällt und du auch in Zukunft Blogartikel wie diesen aus dem Harz von mir lesen möchtest, dann markiere meine Facebook-Seite mit Gefällt mir – so verpasst du keine Neuigkeiten. Auf meinem Instagram-Account zeige ich ebenfalls regelmäßig tolle Fotos. Fragen, Anregungen, Kritik? Dann komme gerne über das Kontaktformular ins Gespräch mit mir. Ich freue mich auf deine Nachricht.

  • Fotoreise zur Isle of Skye – Schottland

    Eine Fotoreise auf die Isle of Skye – längst überfällig! Ich mag es, wenn es beim Reisen wie im Fantasy-Movie aussieht. Also rau, ungemütlich, zerklüftet, stürmisch, regnerisch. Wenn es dann soweit ist und man seine Komfortzone auf diversen Hikes zurückgelassen hat, tut’s auch mal ein bisschen weh. Dann liegst du abends im Bett und kannst das „Autsch!“ gar nicht zu Ende denken, weil du längst eingeschlafen bist. Apropos: In keiner unserer acht Nächte schlafen wir länger als sechs Stunden, manchmal nur drei. „Alles für’s Foto!“ lautet mal wieder unser manisches Mantra, dem wir bei dieser Fotoreise auf die Isle of Skye alles weitere unterordnen. 

    Ganz von vorne: Mit von der Partie ist (natürlich) wieder Holger Kröger. Seit 2016 ist es unsere Tradition, einmal im Jahr eine gemeinsame Fotoreise zu unternehmen. Nach Island, Färöer, Norwegen, Madeira, Tirol; diesmal also auf die Isle of Skye im Norden Schottlands. Es ist ein ausgesprochen ikonischer Ort, der uns beiden viel bedeutet und unseren fotografischen Kompass dieser Reise geeicht hat: Die charakteristische Felsformation „The old man of Storr“! Bei dieser Fotoreise zur Isle of Skye ist dies also unser No.1-Spot – dazu später mehr. 

    Lake Fade mit Blick auf den Old man of Storr. Dieses Foto gelang dem Fotograf Florian Läufer bei einer Fotoreise zur Isle of Skye in Schottland.

    Fast schon Postkartenwetter. Beim Blick über den Lake Fada kannst du im Hintergrund den „Old man of Storr“, also die 48 Meter hohe Felsnadel am Fuße der Bergkette, erkennen. Man darf es so sagen: „The old man“ ist so eine Art Wahrzeichen für die Isle of Skye in Schottland. 

    Statt einer Winter- wird es diesmal eine Frühlingstour; letzte Aprilwoche. Ehrlich gesagt haben wir uns damit verkalkuliert. Geplant ist, das erste Frühjahrsgrün der Wiesen und Felder mitzuerleben. Was wir kriegen ist: das letzte Winterbraun. Mist! Die Natur hinkt hier auf der Insel der norddeutschen Flora noch ordentlich hinterher. „Es-is-ja-wie’s-is!“ sagen wir Nordlichter. Kannst nix machen. Ganz schön kahl – aber nicht kalt! Erwartet haben wir eine kühl-neblige Moody-Wetterlage. Stattdessen: Blauer Himmel, Schäfchenwolken, Sonnenschein, Windflaute. Gut für Postkartenmotive, schlecht für Landschaftsfotografie mit Drama, Dunst und dunklen Wolken.

    Klassiker bei einer Fotoreise zur Isle of Skye: Neist Point!

    Egal, die Rucksäcke sind gepackt und die Wanderboots geschnürt. Dann eben Postkartenmotiv. Der Leuchtturm am Neist Point geht getrost als Klassiker bei einer Fotoreise zur Isle of Skye durch. Ist schon ein schönes Fleckchen dort am Westufer der Insel! Gehst du rechts auf die Klippe, kannst du den Leuchtturm so fotografieren, dass dein Blick entlang der zerklüfteten Felsformation geführt wird, an dessen Ende der Leuchtturm ein wunderschönes Streiflicht von der untergehenden Sonne abbekommt. Hier und da grasen vereinzelt Schafe, die für weiße Kleckse auf dem Foto sorgen. „Määähh!“ Ist der Classic-Shot im Kasten, lohnt sich ein Spaziergang bis zur äußersten Felsspitze, um das Lighthouse zur Blauen Stunde aus einer niedrigen Perspektive von der anderen Seite aufzunehmen. Weißt du was? Alles, was ich eben über das viel zu gute Wetter gelästert habe, sei hiermit zurückgenommen! Ich bin ganz schön doll zufrieden mit den Bildergebnissen von hier!  

    Neist Point Leuchtturm. Dies ist die klassische Ansicht von der Westküste auf Skye.

    Der Leuchtturm am Neist Point wird am Abend seitlich von der untergehenden Sonne angestrahlt – schööön! Unten links im Bild siehst du die Schafe am Abgrund grasen.

    Neist Point Fototrip

    Lighthouse Sheep

    Isle of Skye Fotoreise

    Zur Blauen Stunde wandere ich zur hinteren Seite des Leuchtturms. Auch eine schöne Perspektive, oder?

    Ungewöhnliche Perspektive vom Leuchtturm am Neist Point (Isle of Skye)

    Kein Photoshop – wenn das Leuchtfeuer direkt in die Kamera scheint, entsteht bei geschlossener Blende dieser feine Lichtstern.

    Quiraing – bizarr & imposant

    Frag‘ mich nicht, wie „Quiraing“ ausgesprochen wird! Egal, mit wem du sprichst, jeder betont das …ui…und …ai… in Quiraing anders. Wir haben die Stimme vom Google-Übersetzer gefragt, glauben aber, dass die es auch nicht so ganz genau weiß. Sei’s drum, jedenfalls ist die durch Erdrutsche entstandene geologische Formation extrem beeindruckend. Die bizarren und labyrinthartigen Felsstrukturen wurden schon häufig als Filmkulisse genutzt. (Z.B. Snow White and the Huntsman, Der Medicus, King Arthur) Für uns wird der Quiraing aus fotografischer Sicht zu einem kleinen Waterloo – aus mehreren Gründen. Erstens: So richtig beeindruckend wirkt die Szenerie eigentlich erst, wenn sie von sattgrünem Gras bewachsen ist. Und das fehlt jahreszeitbedingt ja leider noch.

    Und zweitens: Nach einem Erdrutsch vor etlichen Tausend Jahren blieb an einer Abbruchkante des Quiraing eine imposante Felsnadel stehen: „The Needle“ Die wollen wir un-be-dingt (!) fotografieren. Das geht beim ersten Hike mächtig schief! Wir finden sie – trotz ihrer 37 Meter Höhe – einfach nicht! Erst wandern wir unterhalb vorbei, kämpfen uns dann aufs obere Plateau des Quiraing, um dort zu erkennen, dass wir sie von hier oben nicht mehr erreichen können. Um die vergebliche Wanderung einzuordnen: 12 Kilometer Länge, einige Hundert Höhenmeter und dabei immer den Zehn-Kilo-Rucksack auf den Schultern – anstrengend! Erst beim zweiten Anlauf, einige Tage später, finden wir den richtigen Pfad und kommen zu unserem Wunschfoto von „The Needle“. Puh! Shiny happy people! 

    Quiraing Fotoreise

    Dies gilt als der schönste Blick auf der Isle of Skye. Der Quiraing ist vor vielen Tausend Jahre durch gewaltige Erdrutsche entstanden. 

    Toller Viewpoint auf Quiraing.

    Hier hat mich Holger auf einem Felsvorsprung fotografiert. Ein tolles Gefühl, dort im Wind zu stehen! (Fotocredit: Holger Kröger)

    The Needle im Quiraing.

    Einige Felsformationen im Quiraing haben Namen wie z.B. „The Prison“ oder „The Table“. Diese hier heißt „The Needle“ und ist uns aus fotografischer Sicht am wichtigsten. Bei einem ersten 12-Kilometer-Hike finden wir sie nicht. Erst beim zweiten Versuch, einige Tage später, können wir sie – wie gewünscht – bei dramatisch-trüben Wetter ablichten.

    The Needle im Quiraing. Solche Motive liebt der Fotograf Florian Läufer.

    Holger bestaunt „The Needle“. Ganz schön groß!

    Wenig Wasser in den Fairy Pools

    Ich muss gestehen: Die Fairy Pools im Coire na Creiche-Tal finde ich ein bisschen overrated. Zumindest den Namen, der übersetzt immerhin „Feen Pools“ heißt. Da habe ich ehrlicherweise schon märchenhaftere Wasserfälle gesehen. Aber vermutlich ist das auch das Problem: Wenn du schon im besten Wasserfallrevier der Welt (Island!!!) fotografiert hast, ist alles andere kaum mehr als eine Miniaturversion davon. Zur Ehrenrettung der Fairy Pools muss ich zugeben, dass der Bach mit seinen kaskadenartigen Wasserfällen jetzt aufgrund ausbleibenden Regens sehr wenig Wasser führt. Es plätschert hier und da ein bisschen, ja. Aber es rauscht halt nicht. Ich tue mich schwer mit der Fotografie. Holger ist mit ein, zwei Bildern sehr zufrieden, insgesamt aber auch nicht unbedingt geflasht. Wir beschließen, kein zweites mal hierherzukommen.  

    Fairy Pools

    Dies ist der bekannteste der verschiedenen Fairy Pools. Führt der Gebirgsbach mehr Wasser, wird es hier in vielen kleinen Wasserfällchen über die Gesteinskante gedrückt und du kannst ein beeindruckendes Foto machen. Um bei der geringen Wasserführung zumindest ein bisschen Drama ins Bild zu bekommen, bin ich mit dem Super-Weitwinkel gaaanz dicht rangegangen und habe eine eher untypische schräge Perspektive gewählt. 

    Fairy Pools in Schwarzweiß fotografiert.

    Schwarzweiß ist bei mir häufig die letzte Rettung, wenn ich mit einem Foto nur so mittel-zufrieden bin… 

    Fairy Pool auf der Isle of Skye. Fotografiert von Holger Kröger.

    Das hat Holger gut gesehen und professionell fotografisch umgesetzt! Mir hat dieser Blick vor Ort irgendwie nicht so recht gefallen, jetzt bin ich ein bisschen neidisch auf das tolle Foto von Holger! (Fotocredit: Holger Kröger)

    Lamm

    Letztlich liegen wir an den Fairy Pools bäuchlings auf der Wiese und fotografieren die putzigen Lämmer, die kaum älter als zwei Wochen sein dürften. Drollig wenn sie so lächeln, oder?

    Schafe und neugeborenes Lamm.

    Schafe in Schottland.

    Erstmal stärken!

    Sligachan – das ist Schottland

    Dass die Flüsse auf Skye viel zu wenig Wasser führen, wirkt sich auch auf die Bilder von Sligachan aus. Es gibt im Netz traumhafte Fotos von der alten Steinbrücke, unter der dann ordentlich Weißwasser hindurch rauscht, während im Hintergrund die Black Cullin-Berge zu erkennen sind. Du siehst die Brücke in dieser rauen Landschaft und denkst: „DAS ist Schottland!“ Wenn nicht gerade wieder ein Touristenbus am großen Parkplatz hält, kannst du hier bei einer Fotoreise zur Isle of Skye dennoch traumhafte Bilder in ganz unterschiedlichen Macharten fotografieren. Ein toller Ort. Ganz in der Nähe finden wir noch einige alte Schiffswracks, die sich am heutigen Nebeltag mit Leichtigkeit in Szene setzen lassen. Der Hafen von Portree ist ebenfalls nicht weit entfernt und, und, und. Wir nutzen das Schmuddelwetter für diverse Fotospots, die einfach bei trübem Wetter fotografiert werden MÜSSEN. Weil: DAS ist Schottland!

    Die alte Steinbrücke in Sligachan auf der Isle of Skye. Im Hintergrund: Die Black Cullin Berge.

    Die alte Steinbrücke in Sligachan. Schade, dass bei unserem Besuch kaum Wasser im Fluss ist.

    Sligachan Langzeitbelichtung

    Details

    Schönes Detail: Die vielen rund ausgespülten Steintrichter. 

     

    Hafen Portree im Nebel.

    An dem einzig nebligen Tag haken wir ein Motiv nach dem anderen ab, das wir auf unserer Bucket-List mit „moody“ markiert haben. Bei Sonnenschein ist der Hafen von Portree was für die Postkarte, jetzt was für nen mystischen Krimi, bei dem im Fall einer aufgefundenen Wasserleiche ermittelt wird. (Sorry ob meiner Abgründigkeit.)

    Moody Minimalismus

    Genau das richtige Haus wenn du Menschen nicht so gerne magst! 

    Schiffsfriedhof Schottland.

    Dreimal fahren wir zu diesem kleinen Schiffsfriedhof (der genau neben einem richtigen Friedhof liegt), um das morbide Motiv in kaltem Morgennebel zu erwischen.

    Lighthouse Ornsay

    Der Leuchtturm von Ornsay.

    Der runde Stein Elgol.

    Am Ufer des kleines Fischerdorfes Elgol entstehen diese beiden Fotos. Ich hab’s im Querformat fotografiert (oben), Holger hat sich für’s Hochformat (unten) entschieden. Welche Version gefällt dir besser?

    Hochformat an der Küste in Elgol.

    (Fotocredit: Holger Kröger)

    The Misty Bottle

    Hier gibt’s: Whisky! Witzige Geschichte dazu: Ich bin auf Skye mit einem alten Hummerfischer und Distiller ins Gespräch gekommen. Er erzählt, dass immer wieder Leute vom englischen Festland ein Haus auf der Isle of Skye kaufen, um es hier ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Die meisten werden nach zwei, drei Jahren durch nasskaltes Wetter, Ödnis und dunkle Winter depressiv und verlassen die Insel bald wieder. Er lacht. Dann: „We are scottish. We can take all this. No depressions. We have Whisky!!!“ Wir lachen beide. 

    Hochlandrind. Entdeckt auf einer Fotoreise zur Isle of Skye.

    Super Frisur! Einmal versperren uns freilaufende Hochlandrinder die Straße auf dem Heimweg. Die Tiere gelten als ausgesprochen gutmütig. Ihre Hörner muten anders an. Deshalb bitten wir sie auch höflich und mit weicher Stimme die Straße zu verlassen und lassen tunlichst die Hupe aus dem Spiel. Safety first! 

    Golden Hour beim Rubha Hunish

    Rubha Hunish ist der nördlichste Punkt auf der Isle of Skye. Hier haben wir zum Sonnenuntergang fantastisches Licht und können die golden beleuchtete Felswand fotografieren, die wir am späten Nachmittag an einem Abbruch hinuntergeklettert sind. Die kleinen moorigen Teiche dienen als Vordergrund für unsere Fotos, den Rest erledigen die warmen Sonnenstrahlen und der satte Himmel mit seinen Wolkenformationen. 

    Panorama Rugha Hunish

    Dies ist der Ausschnitt eines Panoramas, das ich aus acht hochformatigen Fotos mit jeweils 61 Megapixel erstellt habe. Da muss bei der Erstellung des Panoramas selbst das leistungsstärkste Macbook ein bisschen rattern…

    Rubha Hunish Sunset

    Über den mittigen Abbruch des Gebirgsmassivs sind wir zur vorgelagerten Wiese mit den kleinen Teichen heruntergeklettert. Hier sind wir den ganzen Abend alleine.

    Am Fuße vom Rubha Hunish fotografieren.

    Holger mag Spiegelungen. 

    Telephone

    Nur für den Fall, dass du dich mal in der Pampa Schottlands verläufst und der Handyakku auch noch seinen Geist aufgibt: Selbst im Nirgendwo findet sich eine historische Telefonzelle. Kulturgut! 

    Highlight der Fotoreise auf die Isle of Skye: „The old man of Storr“

    Endlich, endlich geht es für uns zur Wanderung zum „Old man of Storr“. Die Strecke vom Parkplatz zum bestmöglichen Viewpoint ist keine zwei Kilometer lang, hat es aber in sich. Es geht kontinuierlich bergauf! Wir haben uns diesen Spot zunächst ein bisschen aufgespart, weil das Wetter an den vorangegangenen Tagen nicht sicher genug erschien. Blauer Himmel und Sonnenschein passen nicht und bei Nebel sind die charakteristischen Felsspitzen meist nicht zu erkennen – irgendwas ist ja immer. So kann es gehen bei einer Fotoreise auf die Isle of Skye. 

    Heute soll es klappen! Der Wecker geht um 3:30 Uhr, damit wir (hoffentlich) pünktlich zum Sonnenaufgang auf der benachbarten Felsspitze stehen, um den „Old man“ mit einem warmen Seitenlicht der aufgehenden Sonne ablichten zu können. Kurz und knapp: Als wir oben nassgeschwitzt ankommen, liegt alles im dichten Nebel und der Skye-Klassiker lässt sich nicht fotografieren. Denn der ist in der weißen Nebelwand verschwunden. Wir kauern im feuchtkalten Wind an der Felswand und hoffen darauf, dass sich der Nebel langsam auflöst. Von hinten droht weiteres Ungemach: dunkle, fast schwarze, mit Wasser gesättigte Wolken. Aaaargh! Schweren Herzens entscheiden wir ohne Foto wieder abzusteigen, um dem Unwetter zu entgehen. Satz mit X. 

    Der „Old man of Storr“ foppt uns!

    Auf den letzten Metern erwischt uns der Regen doch noch. Am innerlichen Nullpunkt angekommen schmeißen wir die getränkten Regenklamotten ins Auto. Erstmal auf `nen Kaffee zur Unterkunft! Nach 200 Metern Fahrt werfe ich nochmal einen Schulterblick auf den „Old man of Storr“. What??? Was hier unten eben noch als kräftiger Regen ankam, zeigt sich oben als weiße Schneeschicht, während sich der Nebel großteils aufgelöst hat! „Holgeeer, der alte Mann liegt im Schnee!! Guck dir das an!“

    Euphorie ist etwas Schönes. Anstrengung, Frust und körperliche Abgeschlagenheit? Alles vergessen! Wir wissen, dass der Schnee maximal ein, zwei Stunden liegenbleiben wird bevor er schmilzt. Ebenso wissen wir, dass wir nochmal hoch müssen, wenn wir den eingeschneiten „Old man“ fotografieren wollen. Schnell überreden wir uns selbst dazu, ein weiteres mal aufzusteigen. Ergo: Chicago-Wende, wieder rein in die nassen Klamotten und nochmal hoch zum „Old man of Storr“. Wir erinnern uns: 2 Kilometer kontinuierlich bergauf! „Alles für’s Foto!“  

    Seltene Aufnahme. Old man of Storr im Schnee.

    Hier steht Holger inmitten der zugeschneiten Felsformation vom „Old man of Storr“. Sieht gespenstisch aus, ist es auch. 

    Ganz schön kalt bei Schnee - der Old man of Storr.

    Als wir auf der benachbarten Felsspitze ankommen, ist ein Großteil des Schnees schon wieder abgetaut. Sieht trotzdem cool aus!

    Nutze die Zeit!

    An einem anderen Tag ist der „Old man of Storr“ sehr versöhnlich mit uns und wir kriegen unsere Wunschfotos. Also die, bei der die markanten Felsspitzen von der aufgehenden Sonne angestrahlt werden und goldfarben leuchten. Ist allerdings – wie so oft in der Landschaftsfotografie – ne knappe Nummer! Nur für wenige Minuten lugt die aufgehende Sonne einen klitzekleinen Spalt durch die dicke Wolkenwand, hinter der sie dann auch für den Rest des Vormittags wieder verschwindet. Wenn du jetzt deine Kamera nicht einsatzbereit aufs Stativ geklinkt hast, verpasst du die einzige Chance des Tages (vielleicht des ganzen Fototrips!?), den „Old man“ bei Traumbedingungen zu fotografieren. High Five! „Wir haben’s!! Yiieehhaah!“ Fotografieren ist: geil!

    Landschaftsfotografie in Schottland.

    Sunset

    Der Fotograf Florian Läufer beim fotografieren vom Old man of Storr in Schottland.

    Erst an einem anderen Tag haben wir die Möglichkeit, unser Traumfoto vom „Old man of Storr“ umzusetzen. Seitlich von der aufgehenden Sonne beleuchtet und dennoch von spektakulären Wolken umgeben. Mission accomplished!!! (Fotocredit: Holger Kröger)

    Fotoreise zur Isle of Skye - Schottland. Profifotograf Florian Läufer hielt diese Szene fest.So sieht es aus, mein No.1-Foto, für das ich schon seit Jahren zur Isle of Skye reisen wollte. Jetzt hab‘ ich’s!! 

    Prioritäten eins bis drei: Fotos, Fotos, Fotos!

    Apropos, um nochmal ein bisschen aus dem Nähkästchen eines Landschaftsfotografen zu plaudern: Wer mit der Fotografie nicht viel am Hut hat, denkt, dass wir hier und da aufs Knöpfchen drücken und die Fotos fast von selbst entstehen. (Klassiker: „Du hast aber eine tolle Kamera – die macht so schöne Fotos!“) Tatsächlich ist es so, dass viele unserer Fotos aus einer intensiven Planung hervorgehen.

    Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Hierbei hat Holger die Nase vorn und er verbringt schon Monate vor einer Fotoreise viele, viele Stunden mit aufwendiger Internetrecherche. Anfahrtswege, Sonnenstand, Tageszeiten, Mondphasen, und, und, und. Vor Ort versuchst du dann die jeweiligen Motive (wir stimmen immer eine Prioritätenliste ab) bei Wunschbedingungen zu erwischen. Das klappt längst nicht immer, deshalb fahren wir besondere Spots häufig mehrfach und an unterschiedlichen Tagen an. Und so entstehen die besten Fotos manchmal erst beim zweiten, dritten oder vierten Anlauf. Irgendwann winkt dann das Glück der Tüchtigen und du bekommst dein Traumfoto.

    Fotoreise zur Isle of Skye: Bonusmaterial

    Das Eilean Donan Castle in Schottland. Das Schloss wurde einst als Filkulisse für den Movie Highlander genutzt.

    Das Eilean Donan Castle liegt etwas abseits der Isle of Skye in Schottland. Wir kommen bei Dauerregen an, der später in Nebel übergeht. Besser hätte aus meiner Sicht das Wetter nicht sein dürfen/können. Findest du nicht, dass es so erst richtig schön schottisch wirkt? Übrigens, das Eilean Donan Castle diente einst beim Filmklassiker „Highlander – es kann nur einen geben“ als Filmkulisse. Einen Ausschnitt davon siehst hier:

    Glenfinnan Viadukt mit dem Original Hogwarts Express. Fotograf: Florian Läufer

    Bleiben wir in der Filmbranche: Auch das Glenfinnan Viaduct liegt abseits der Isle of Skye und macht eine dreistündige Anfahrt nötig (bei der wir am 36 Kilometer langen Ufer vom legendären Loch Ness entlangfahren). Der Zug fährt zu dieser Jahreszeit nur einmal täglich über die 380 Meter lange Brücke. Und ja, richtig erkannt! Es ist der Original Hogwarts Express von Harry Potter! Auch das Viadukt selbst kommt im Film vor. Dieses Foto hatte ich mir so sehr gewünscht – und war dann doch irgendwie erstaunt, dass mit uns gleich mehrere Hundert (!) Harry Potter-Fans aus aller Welt im Berghang auf die Durchfahrt warteten. 

    Fotoreise buchen? Das kannst du auch alleine!

    Eine sehr große Hilfe ist bei dieser Reise der perfekt aufbereitete „Photographer’s Guide“ im PDF-Format, den die Jungs (und das Mädel) der „Skye Photo Academy“ erarbeitet haben und für ein Taschengeld verkaufen. Wenn du also auch eine Fotoreise auf die Isle of Skye planst und darüber nachdenkst, für viel Geld eine geführte Fototour zu buchen, dann schaue dir erst die Arbeit der Skye-Enthusiasten an. Flug, Unterkunft und Mietwagen hast du doch im Nu selbst gebucht, oder?  Alles Weitere findest du im PDF – mehr brauchst du nicht.

    Screenshot aus dem Shop der „Skye Photo Academy“. Wenn du eine Fotoreise zur Isle of Skye unternimmst, solltest du ein paar Euro in diesen hervorragend recherchierten Photographers Guide (als Print oder PDF) investieren. Lohnt sich!

    Bei dieser Fotoreise fahren wir insgesamt rund 2.500 Kilometer (davon 2.000 Kilometer Kurven!) mit dem Auto, schlafen sehr wenig, essen ungesund und wandern rund 80 Kilometer inklusive vieler Hundert Höhenmeter. Im Prinzip ordnen wir eine Woche lang alles der Fotografie unter. In Bezug auf Wettererwartungen, Tageszeiten und Licht treffen wir bei diesem Trip viele gute Entscheidungen und liegen nur selten daneben – gute Quote! Aus Erfahrung wissen wir: Das kann auch mal anders laufen…

    Unsere Ernährung während der einwöchigen Fotoreise darf getrost als ungesund bezeichnet werden. Drei Tage lang essen wir selbstgekochte Spaghetti Bolognaise, drei Tage gibt’s Pizza und einmal wird’s tatsächlich englisch: Fish & Chips! Du kannst nicht nach Großbritanien fliegen OHNE Fish & Chips zu essen!

    IN EIGENER SACHE

    Vor einiger Zeit habe ich auf meiner Homepage einen klitzekleinen Webshop integriert, in dem du ausgesuchte Landschaftsfotos als Highend-Druck für deine Wohnzimmerwand ordern kannst. Einige der Fotos, die du in diesem Blogpost siehst, kannst du ab sofort in meinem Onlineshop erwerben. Hier kannst du dich ein bisschen umschauen: Wandbilder-Shop von Florian Läufer. Mit deinem Kauf unterstützt du mich bei meinen freien Arbeiten, die ich auf eigene Kosten in buchungsschwachen Phasen realisiere. Das können Fototrips (dieser hier war super: Färöer-Inseln), Portraitprojekte (wie zum Beispiel dieses hier: Charakterportraits in Schwarzweiß) oder auch ganz andere ausgefallene fotografische Ideen sein.

    Wandbilder kaufen beim Fotograf Florian Läufer

    Wenn dir meine Arbeit gefällt und du auch in Zukunft Blogartikel wie diesen von der Isle of Skye von mir lesen möchtest, dann markiere meine Facebook-Seite mit Gefällt mir – so verpasst du keine Neuigkeiten. Auf meinem Instagram-Account zeige ich ebenfalls regelmäßig tolle Fotos. Fragen, Anregungen, Kritik? Dann komme gerne über das Kontaktformular ins Gespräch mit mir. Ich freue mich auf deine Nachricht.

  • Freie Arbeit: Der Lorbeerwald in Fanal (Madeira)

    Der Lorbeerwald in Fanal auf Madeira hat viele Namen – und noch viel mehr Gesichter! Bei den „Gesichtern“ komme ich als Fotograf ins Spiel (dazu gleich mehr), vorher müssen wir ein paar Begrifflichkeiten klären. Denn: Der Lorbeerwald hat so viele Bezeichnungen, dass man sich bald fragt: „Ja wie denn nun?“ Gemeint ist meistens das Gleiche – dieses unwirklich anmutende (und häufig in dichtem Nebel stehende) Areal mit seinen uralten Lorbeerbäumen von deren knochigen Ästen Moose und Farne wie abgerissene Fetzen herabhängen. Sieht aus wie im Gruselfilm. Mystisch, geheimnisvoll, abgründig, gespenstisch. All das hat das Zeug dazu, dass Madeiras Lorbeerwald seit 1999 als UNESCO Weltnaturerbe ausgezeichnet ist. Muss man erstmal schaffen.

    Und so wird dieses Gebiet häufig als Märchen- oder Feenwald, manchmal auch als Nebelwald oder Magical Forest benannt. Andere nennen es Posto Florestal Fanal, womit aber richtigerweise eine Waldstation gemeint ist, die hier im gleichen Gebiet (Fanal) zu finden ist. Ein bisschen falsch – oder zumindest doppeltgemoppelt – ist „Lorbeerwald Laurisilva“, weil Laurisilva übersetzt Lorbeer heißt. Genug der Spitzfindigkeiten, bei mir heißt dieser einzigartige Ort in diesem Blogbeitrag Lorbeerwald in Fanal – fertig.  

    Fotograf Florian Läufer auf dem Weg in den Lorbeerwald in Fanal auf Madeira.

    Hereinspaziert! Welcome to the jungle…

    Ein Baum im Nebelwald Fanal, der wie Groot aussieht.

    Ganz schön unheimlich – der Typ im Vordergrund macht mir Angst mit seinen Klauen! 

    Nebelwald

    Zwei Bucklige unter sich.

    Fotograf Florian Läufer bei einer Fotoreise in den Lorbeerwald auf Madeira.

    Wir wollten Nebel und wir bekamen Nebel. (Fotocredit: Holger Kröger)

    Fotoreise Madeira

    Die bis zu 800 Jahre (!) alten Lorbeerbäume hatten mich schon im Dezember 2021 total geflasht, als ich einen ersten Solotrip nach Madeira unternahm. (Hier kannst du dir den Blogbeitrag dazu ansehen, bei dem ich einen Teil meiner Ausrüstung dem Atlantik opfern musste: Madeira im Dezember) Um ehrlich zu sein: Schon damals plante ich die Reise hauptsächlich wegen des Lorbeerwaldes in Fanal. Würde es den nicht geben, hätte ich Madeira als Destination für eine Fotoreise nicht auf dem Schirm gehabt. Jetzt der zweite Anlauf in 2023. Holger ist diesmal dabei, den die regelmäßigen Besucher meines Blogs von fast allen vorherigen Fototrips schon kennen. Man darf es so sagen: Wir sind inzwischen ein gut eingespieltes Team und haben schon manche Fotoabenteuer gemeinsam erlebt! 

    Lorbeerbäume auf Madeira.

    Twins!

    Knochige Bäume Fanal

    Lorbeerwald Laurisilva

    Halbtot oder Halblebendig?

    Eingespieltes Team! Icke (links) und Holger (rechts). Ich mag Holger. Auch wenn er bis heute keine Homepage mit seinem staunenswerten Schatz an Landschaftsfotos hat. 

    Focus Stacking im Nebelwald auf Madeira

    „Der Breakdancer“

    Fotografieren im Nebelwald auf Madeira.

    Holger auf Motivsuche.

    Teich in Fanal

    Der Lorbeerwald in Fanal ist ein sehr stiller Ort. Ab und zu hörst du ein Vögelchen zwitschern. Ansonsten: silencium! Ganz anders an dem kleinen abgelegenen Teich – was für ein Lärm!

    Wie viele Frösche zählst du? Hunderte von Ihnen haben sich zum Laichgeschäft in dem kleinen Gewässer versammelt und brüllen sich heiser. 90 Dezibel können die grünen Großmäuler beim Quaken erreichen. Interessant: Der Grenzwert für gesundheitsschädigende Lautstärke liegt bei 85 Dezibel.

    Laichzeit!

    Alle Wetter!

    Nun magst du dich vermutlich fragen, warum ich ein zweites Mal den Lorbeerwald in Fanal besuche? Ich frage mich hingegen: „Wann fliege ich zum dritten Mal?“ Ganz ehrlich, aus fotografischer Sicht ist dieses Terrain unerschöpflich. Das Wetter wechselt mitunter im Fünf-Minuten-Takt und taucht die Szenerie abwechselnd in dichten Nebel, strahlenden Sonnenschein oder Bindfäden-Regen. Unzählige Bäume erlauben unzählige Perspektiven und Blickwinkel. (Hach, ich komme schon wieder ins Träumen!) All das diktiert uns unseren Fotoplan für die kommende Woche: Wir nehmen uns vor, dem Lorbeerwald in Fanal jeden einzelnen unserer sieben Tage zu besuchen. Nicht ohne Grund! Die ganz besonderen Lichtstimmungen sind es, die wir un-be-dingt erwischen wollen. Zehn Sterne wären: Sich auflösender Nebel, der im warmen Gegenlicht der untergehenden Sonne orangefarben beleuchtet wird. Man wird ja wohl noch träumen dürfen…

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    Hättest du DAS gedacht? Zwischen diesen beiden Aufnahmen liegen exakt sechs Minuten. Das Wetter ändert sich mitunter rasant im Lorbeerwald auf Madeira. (Bewege den Slider mit der Maus zum Vergleich nach links und rechts.)

    Fotografieren im Nebelwald auf Madeira bei besten Bedingungen.

    Dies ist nah dran an der Lichtstimmung, die ich mir gewünscht habe: Ein letzter Nebelrest wird von Sonnenstrahlen durchdrungen. Das pünktlich zum Sonnenuntergang und ich hätte von Perfektion gesprochen. Naja, irgendwas ist ja immer…

    Der Nebel lichtet sich in Posto Florestal Fanal

    Diese skurrile Baumgruppe steht dicht am Parkplatz, wo die Wanderrouten durch den Nebelwald beginnen. Schau mal, welchen Unterschied die verschiedenen Lichtstimmungen machen. Welche gefällt dir am besten? 

    Märchenwald Nebelwald Madeira

    Fotoreise nach Madeira um die alten Lorbeerbäume in Fanal zu fotografieren.

    Hier hat Holger mich beim Knipsen erwischt. Schöner Größenvergleich.

    Star Wars „The Acolyte“ im Lorbeerwald in Fanal

    Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Nach dem dritten Tag hat es sich ausgeträumt. Und zwar auf so absurde Weise, das kannst du dir nicht ausdenken – halt dich fest! Für Dreharbeiten des neuen Star Wars-Films „The Acolyte“ wurden während unseres Madeira-Aufenthaltes diverse ikonische Orte der Atlantik-Insel gesperrt, damit das Team der Disney Studios ungestört ihre Filmaufnahmen machen können. Auch der Lorbeerwald! Bitte was?! Da wird mal kurzerhand ein UNESCO-Weltnaturerbe für einen ganzen Monat gesperrt. Aaaargh!

    Der Nebelwald auf Madeira diente als Filmkulisse für Star Wars The Acolyte.

    So in etwa? Nach unserem dritten Tag im Nebelwald wird das gesamte Areal für den Rest des Monats gesperrt, weil hier für den neuen Star Wars-Film „The Acolyte“ Dreharbeiten stattfinden. Star Wars-Fans werden’s mögen, wir fanden es irgendwie nur mittelgut.

    Glück im Unglück: Zumindest hatten wir drei Fototage im Lorbeerwald in Fanal bevor alles abgesperrt wurde. Bissl uncool war, dass dieser Umstand weder auf Madeiras Tourismus-Webseiten kommuniziert wurde, noch dass irgendwelche Schilder auf gesperrte Bereiche hinwiesen. Fühlte sich ein bisschen so an, wie vom schlecht gelaunten Club-Türsteher abgewiesen zu werden – wobei mir das im Club noch ziemlich egal wäre.

    Was will man tun? Nütztjanix! Wir machen das Beste aus unseren drei Tagen und fotografieren was das Zeug hält. Unsere Traumbedingungen erlebten wir leider nicht, waren aber zumindest dicht dran. Unter uns: Ich bin trotzdem sehr happy mit meinen Bildergebnissen! Mal sehen, wie es beim nächsten Mal wird… 

    Mystisch: Der Lorbeerwald auf Madeira im Gebiet Fanal.

    Uralte Lorbeerbäume im Nebelwald von Madeira.

    Manchmal muss man ein bisschen zu seinem Glück gezwungen werden. Als der Lorbeerwald in Fanal wegen der Filmarbeiten nach und nach gesperrt wurde, wichen Holger und ich auf abseits gelegene Abschnitte aus. Hierbei entstanden diese Bilder. Ich liebe die Ergebnisse!

    Märchenwald fotografieren

    Wie unzählige Krakenarme. Ich kriege Gänsehaut!

    Lorbeerwald in Fanal mit dem Weitwinkel fotografiert.

    In eigener Sache

    Vor einiger Zeit habe ich auf meiner Homepage einen klitzekleinen Webshop integriert, in dem du ausgesuchte Landschaftsfotos als Highend-Druck für deine Wohnzimmerwand ordern kannst. Einige der Fotos, die du in diesem Blogpost siehst, kannst du ab sofort in meinem Onlineshop erwerben. Hier kannst du dich ein bisschen umschauen: Wandbilder-Shop von Florian Läufer. Mit deinem Kauf unterstützt du mich bei meinen freien Arbeiten, die ich auf eigene Kosten in buchungsschwachen Phasen realisiere. Das können Fototrips (dieser hier war super: Färöer-Inseln), Portraitprojekte (wie zum Beispiel dieses hier: Charakterportraits in Schwarzweiß) oder auch ganz andere ausgefallene fotografische Ideen sein.

    Wandbilder bestellen vom Nebelwald

    Postershop Florian Läufer mit Wandbildern aus dem Lorbeerwald in Fanal.

    Wirken lassen.

    Wenn dir meine Arbeit gefällt und du auch in Zukunft Blogartikel wie diesen aus dem Lorbeerwald in Fanal von mir lesen möchtest, dann markiere meine Facebook-Seite mit Gefällt mir – so verpasst du keine Neuigkeiten. Auf meinem Instagram-Account zeige ich ebenfalls regelmäßig tolle Landschaftsfotos. Fragen, Anregungen, Kritik? Dann komme gerne über das Kontaktformular ins Gespräch mit mir. Ich freue mich auf deine Nachricht.

  • Dolomiten Fotoreise – Instagram vs. Realität

    Um mal zu erklären, wie Landschaftsfotografie bei dieser Dolomiten Fotoreise funktioniert: Du denkst vermutlich, der Fotograf geht in den Bergen wandern und es tun sich hinter jeder Biegung wie zufällig neue spektakuläre Fotomotive auf? Jaein! Das beste Fortbewegungsmittel hier in den Südalpen sind ganz sicher die Wanderschuhe, richtig. Und wer hier über Motivarmut klagt, dem darf vorwurfsfrei Ideenlosigkeit nachgesagt werden. Bleibt noch das mit den „…neuen spektakulären Fotomotiven“ zu klären…

    Ich hole mal etwas weiter aus. Auf die Idee, in Südtirol Urlaub zu machen, kommen im Jahr mehrere Millionen Menschen. 2019 zählten die Touristiker hier mehr als 33 Millionen Übernachtungen. Was mehr sind, als im gleichen Jahr in ganz Griechenland stattgefunden haben. Oha! Längst denkt die Landesregierung darüber nach, diesem „Overtourism“ einen Riegel vorzuschieben und eine nachhaltigere/reglementiertere Form des Tourismus zu fördern. Manches ist schon heute Realität. Die stark frequentierten Orte wie zum Beispiel der Pragser Wildsee oder die Seiser Alm werden durch eine zahlenmäßige Begrenzung der Besucherströme künstlich geschützt – dazu später mehr.

    Das A-Team der Dolomiten Fotoreise

    Klar, im Sommer ist’s besonders voll. Unsere Dolomiten Fotoreise haben wir aber auf den Herbst gelegt, was sich etwas entspannter gestaltet. Apropos: Wir sind wieder wir! Also Holger und ich, wie schon bei den Fotoreisen nach Island, Norwegen und auf die Färöer-Inseln. Eingespieltes Team – und bei nahezu jeder Entscheidung auf gleicher Wellenlänge. Was soll da schiefgehen?

    Herbstwald mit Nebel

    Nebenbei entstanden – sieht ganz cool aus, finde ich.

    Fotograf im herbstlichen Wald

    Fotobuddy Holger an unserem ersten Fototag im Herbstwald.

    Vorab haben wir ordentlich Google-Location betrieben (Holger ungefähr zehnmal so viel wie ich) und mögliche Fotospots ausbaldowert. Hier liegt der Hase im Pfeffer: Es gibt etliche klassische Sichtachsen und Perspektiven, die so eindrucksvoll und beispiellos sind, dass du sie bei einer Dolomiten Fotoreise einfach haben möchtest. So wie auch Tausende andere Landschaftsfotografen, Instagramer, Influencer, Wanderer, und, und, und. Die Zeiten sind wie sie sind. Für mich hat dieser Fototrip allerdings (Simsalabim!) so manchen Ort mächtig entzaubert. Freiheit, Ferne, Abenteuer? Pustekuchen!

    Wunder der Natur: die Erdpyramiden

    Mein absolutes Highlight dieser Dolomiten Fotoreise steht seit Jahren auf der Bucket List: Erdpyramiden! Es gibt sie an unterschiedlichen Orten in Südtirol, die größte (und höchste!) Ansammlung dieser skurillen Formationen findet sich in Ritten. Mutter Natur ist einzigartig! Wenn du die Rittner Erdpyramiden nicht mit eigenen Augen siehst, würdest du nicht glauben können, dass es sie gibt. Kurz erklärt: Es handelt sich um späteiszeitlichen Lehmboden, auf dem unterschiedlich große Gesteinsbrocken liegen. Bei Regenfällen wird peu a peu Lehm abgespült, der allerdings UNTER den Gesteinsbrocken geschützt liegt und somit trocken und fest bleibt. So „wachsen“ die kegelförmigen Pyramiden über die Jahre aus dem Boden heraus und bilden diese unglaublichen Mondlandschaften. Mir gefallen die Erdpyramiden am besten bei „Rotzewetter“, wenn die Szenerie in trübe Nebelsuppe gehüllt ist. Holger geht’s genauso, deshalb ist es für uns beide kein Problem, dass wir insgesamt drei Anläufe brauchen, um unsere Wunschbedingungen vorzufinden. Erdpyramiden – check!

    Die Rittner Erdpyramiden bei unserer Dolomiten Fotoreise im Herbst 2022

    Die Rittner Erdpyramiden – Mutter Natur ist verrückt, oder?

    Erdpyramiden

    Dieses Bild kommt meinem Wunschfoto der Erdpyramiden sehr nahe: Nebel, trübes Wetter, Mondlandschaft! Seit mehreren Jahren standen die Erdpyramiden auf meiner Bucket List – nun hab‘ ich sie!

    Kapitulation am Karersee

    Bis hierher also alles dufte. Next stop unserer Dolomiten Fotoreise: der Karersee! Manche nennen ihn auch Regenbogensee wegen seiner schönen Farben (und eine kleinen Sage, die sich dahinter verbirgt). Schon die Ankunft lässt mich schaudern. Ein riiieesiger kostenpflichtiger Parkplatz. Wie im Disney Land. Von hier werden wir durch eine Unterführung zum See geleitet. Eingezäunt und grenzwertig ausgetrocknet liegt er vor uns. Vor uns allen – es stehen rund 50 weitere Fotografen am Spielfeldrand. 50 gleiche Perspektiven werden heute Abend 50 gleiche Fotos entstehen lassen. Neue spektakuläre Motive? Vergiss es, ein schmaler Streifen muss hier zum Fotografieren reichen. Fotografisch austoben kannst du dich nur schwer. Ich bin enttäuscht und flüchte relativ schnell an die weniger besuchte Seite. In Holgers Gesicht kann ich lesen: „Bloß weg hier!“ Ich denke das Gleiche. Der Abschied fällt uns leicht.

    Klassische Perspektive am Karersee niedriger wasserstand

    Dies ist die klassische Perspektive am Karersee. Leider hat der See einen extrem niedrigen Wasserstand im Herbst 2022.

    Fotografen am Karersee

    Und so sieht es auf der anderen Seite der Fotoapparate aus. Das ist hart, gell? Deshalb übrigens auch „klassische Perspektive“. Eine andere ist hier einfach nicht möglich! Übern Zaun klettern ist verboten, die Böschung hochkraxeln auch. 

    Der Karersee in Südtirol führt hier nur wenig Wasser

    Ich verpiesel mich vom überfüllten Zaun und mache einige Bilder am Ostufer des (fast ausgetrockneten) Sees. Dort stehe ich mutterseelenallein – schön!

    St. Magdalena – ein Klassiker

    St. Magdalena gilt als das wohl schönste Dorf in Südtirol. Hin da! Es ist ein ganz klassisches Postkartenmotiv: Der Blick auf die Kirche in der Dorfmitte, im Hintergrund steht die Geisslergruppe – eine eindrucksvoll geformte Gebirgsgruppe der Dolomiten. Zum Abend zieht es Fotografen und Videografen mit ihren Kameras und Drohnen auf den gegenüberliegenden Hügel.

    Verpassen kannst du diesen Fotospot nicht. Schon am Ortseingang befinden sich Straßenschilder, die zum Parkplatz führen, der eigens für uns Fotografen eingerichtet wurde. Ganz schön praktisch. Pioniergeist wird damit allerdings nur rudimentär erzeugt. Aber dieses geile Foto von da oben möchte einfach jeder machen. Wir auch, deshalb wandern wir schon zwei Stunden vor Sonnenuntergang zum Fotospot. Das war irgendwie niedlich: Zu diesem Zeitpunkt steht erst ein einziger italienischer Fotograf dort oben, der sichtlich genervt ist, dass wir nun „seinen“ Fotospot belagern. Nach dem ersten von drei Dutzend weiteren Fotografen, die sich nach und nach einfinden, ist er wieder geerdet. Aber unter uns: Er hat ja Recht. Fun macht dieses Rudelknipsen kaum! Dem späteren Foto sieht man das Tohuwabohu glücklicherweise nicht an. Und so können wir allen Daheimgebliebenen die schöne heile Dolomitenwelt in ihre Instagram-Feeds mogeln! Darum geht es vermutlich den meisten hier.

    Ausschilderung zum Fotopoint

    Fotografieren für Dummies. Verpassen kannst du die gängigen Fotospots schonmal nicht…

    Making of: Fotografieren in den Dolomiten mit der Sony A7RIV

    Meine Sony A7RIV begleitet mich auf diese Dolomiten Fotoreise. Übrigens: Das Schild unten rechts neben der Kamera bedeutet „Betreten verboten“. Du darfst lediglich auf einem Trampelpfad zwischen zwei Wiesen stehen. Keinen Meter vor, keinen zurück!

    Wie wird das Licht? fragt sich der Fotograf

    Alle warten auf den Sonnenuntergang. Warum ich so skeptisch zu Holger gucke, der mich hier mit dem Handy knipst? Es wird nur noch wenige Minuten dauern, bis das Wolkenband im Hintergrund die untergehende Sonne verdeckt und damit das Licht von der kleinen Kirche nimmt. Schnell doch DAS Bild machen, dann ist alles vorbei mit dem warmen Abendlicht und wir können einpacken.

    Dolomiten Fotoreise - St. Magdalena in der Abendsonne

    Voilá – das letzte Bild bevor die Sonne im Wolkenband verschwindet. Ich bin happy, heute Abend diesen klassischen Schuss von der Kirche mit den Geislerspitzen im Hintergrund im Kasten zu haben. Eines der beliebtesten Fotomotive in Südtirol.

    Idylle am Bretterzaun: Kapelle St. Johann

    Nur ein kleines Stück entfernt wartet mit der kleinen St. Johannes-Kirche gleich das nächste Motiv. Auch hier: Hinweisschilder, Parkplatz, Fotografen. Damit die Weide nicht zertrampelt wird, wurde von der Gemeinde ein Bretterzaun mit Plattform errichtet, auf dem ein halbes Dutzend Fotografen Platz findet. Bitte hinten anstellen! 

    Ich möchte der Sache auf den Grund gehen und mir diese idyllisch gelegene Kapelle von innen anschauen. Es sind nur ein paar Hundert Meter. Ist ja putzig: Hier kann man aus einem kleinen Eselskarren Hofprodukte kaufen und das abgezählte Geld in eine Schatulle legen. Vertrauen gegen Vertrauen!

    Beim Zugang zur Kapelle versteht die Dorfgemeinschaft dann aber keinen Spaß. Ein vollautomatisches Drehkreuz macht dir erst nach Einwurf von vier Euro den Weg zur Kapelle frei. Ich zahle und „Krrrkkk!“ schon spuckt mich das Edelstahlskelett auf der anderen Seite des Durchgangs aus. Ich habe freies Geleit bis zur Kapelle aber nicht in die Kapelle – Tür abgeschlossen. Na super!

    St. Johann Kirche in Villnöß. Aufgenommen bei einer Dolomiten Fotoreise

    Die Johanneskapelle in Villnöß – ebenfalls ein absoluter Postkartenklassiker.

    Aussichtsplattform St Johann

    Witzig: An der Aussichtsplattform hat die Gemeinde ein „Fernrohr“ installiert.

    Durchs Fernrohr geguckt

    Da guckst du in die Röhre!

    Drehkreuz an der Johanneskapelle

    Gegensätze: Im schnuckeligen Hofladen kannst du landwirtschaftliche Produkte gegen Kleingeld in die Schatulle kaufen. Das Drehkreuz im Hintergrund ist die Schranke zur kleinen Kapelle. Gegen Einwurf von vier Euro darfst du dich die letzten 150 Meter zur kleinen Johanneskirche nähern.

    Dolomiten Fotoreise: die Seiser Alm

    Nach und nach wird mir klar, dass diese Dolomiten Fotoreise eher so ein „Musst-Du-Gesehen-Und-Bei-Instagram-Zeigen“-Ding ist und kein echter Explorer-Trip. Ich versuche mich in radikaler Akzeptanz und gelebten Stoizismus. Schlange stehen für ein Foto? Na und! Schulter an Schulter mit anderen Fotografen? Mir doch egal. Du kannst es ja eh nicht ändern.

    Jetzt geht es erstmal auf die Seiser Alm, die größte Hochalm Europas! Um die Touristenmassen zu steuern, ist die Fahrt mit dem Auto nur bis 9 Uhr gestattet, der Parkplatz kostet 24 Euro und liegt ein gutes Stück von der Alm entfernt. Eine Stunde Fußweg müssen wir vom Parkplatz zur Alm einplanen. Es ist noch stockdunkel, als wir an der Alm ankommen. Vereinzelt sehen wir die Kopflampen anderer Fotografen aufblitzen. In der nächsten Sunde werden mehrere Foto-Workshops mit Kleinbussen (verbotenerweise) bis zur Alm chauffiert. Tür auf, Workshop-Teilnehmer rausschmeißen, Auto fährt wieder weg. Eine Stunde Fußweg gespart. 

    Inzwischen ist es voll geworden. An den strategisch besten Spots sieht es aus wie am roten Teppichrand der Grammy-Verleihung. Stativ neben Stativ, dahinter wir Fotografen in unseren bunten Funktionsjacken. Herrlich. Radikale Akzeptanz! Schon bald lösen wir uns von den Massen und begeben uns auf Erkundungstour. Dabei entstehen die schöneren Bilder.

    Landschaftsfotografen aufgereiht auf der Seiser Alm

    Stativ-Mikado auf der Seiser Alm. In solch einem Setting wollte ich nie fotografieren, jetzt bin ich selbst Teil davon. Ach, übrigens: Pro Stativ/Fotograf kannst du von 5.000 bis 10.000 Euro Equipment ausgehen. Manchmal mehr. Hast du schon durchgezählt…?

    Der klassische Blickwinkel auf die Seiser Alm.

    Und dies ist das Foto aus der oberen Perspektive – die Seiser Alm im Herbst.

    Seiser Alm Morgennebel

    Die entsättigte Variante gefällt mir!

    Einsame Hütte im Herbst auf der Seiser Alm in Südtirol.

    Herbststimmung bei unserer Dolomiten Fotoreise. Hier morgens auf der Seiser Alm.

    Mit dem Teleobjektiv aus der Szenerie herausgepickt. In dieser Hütte säße ich jetzt gerne mit Wollsocken und heißem Tee am Kamin.

    Ganz allein am Gardenapass

    Nach dieser Erfahrung ist erstmal leichtere Kost angesagt. Holger und ich lassen uns ein wenig treiben. Fotografieren hier und da bei mehreren Autostopps. An der kleinen weißen Kapelle am Gardenapass sind wir alleine. Nur einige Kletterer sind auf dem Weg nach ganz oben. Mir reicht es, unten zu bleiben. So kommen wir uns nicht in die Quere. Frostiger Nebel kommt und geht, wir können uns frei bewegen und sammeln einige tolle Motive ein. So geht fotografieren!!! Das hat Spaß gemacht. 

    Alpinikapelle Blaue Stunde

    Die Alpinikapelle am Gardenapass zur Blauen Stunde am frühen Morgen.

    Die Alpini Kapelle am Gardenapass im Morgennebel

    Die warme Morgensonne scheint hier in die Berge der Dolomiten

    Holger in seinem Element.

    Einsame Schutzhütte am Gardenapass

    Man sagt, die Inuit hätten 40 Wörter für Schnee. Keine Ahnung, ob das stimmt. Ich habe allerdings genauso viele für Nebel. Und DIES ist mein absoluter Lieblingsnebel. 

    Peitlerkofel

    Der Peitlerkofel

    Gipfelkreuz in dramatischer Berglandschaft

    Wenn du ganz genau hinschaust, kannst du das Gipfelkreuz auf der höchsten Bergspitze sehen. Ganz ehrlich – dort oben würden mich keine zehn Pferde hinkriegen!

    Raststättenromantik am Antornosee

    Szenenwechsel – wir tauschen die Unterkunft und nächtigen den zweiten Part unserer Dolomiten Fotoreise am Fuße der Drei Zinnen, diesem weltweit berühmten Gebirgsstock in den Sextner Dolomiten. Unsere Unterkunft hat Holger fein ausgesucht: Wir blicken vom Bett aus direkt auf den Misurina-See. Zum Parkplatz der Drei Zinnen sind es nur wenige Autominuten. Gutes Base Camp!

    Unterkunft Locand al Lago

    Traumhafter Ausblick aus unserer Unterkunft „Locanda al Lago“ am Misurina-See. 

    Misurina See mit Hotel vor Bergpanorama

    Das große Grand Hotel am Misurina-See im Abendlicht. Hat was!

    Wir kommen direkt am kleinen Antorno-See vorbei. Im Netz findet man richtig tolle Bilder dieses kleinen Bergsees. Im Vordergrund des Sees ein kleiner Holzsteg, hinten stehen die mächtigen drei Zinnen. Das alles im richtigen Licht – ein Traumfoto! 

    Die Wahrheit sieht anders aus. Keine 15 Meter vom Steg entfernt befindet sich die Straße mit Parkplatz, Restaurant und reichlich Trubel. Eher so Raststättenromantik. „Rumms!“ da knallt auch schon die nächste Autotür im Hintergrund zu… Bei mir bahnt sich eine innere Verweigerungshaltung an, dieses kleine Gewässer als verträumten Bergsee zu fotografieren. Denn das ist er einfach nicht. Am Steg stehen asiatische Touristen Schlange für ein Foto. Ich stelle mich hinten an. Hilfeee! 

    Alles halb so schlimm. Richtig tolles Licht haben wir hier eh kein einziges Mal bei unseren kurzen Stipvisiten. Und überhaupt: Es sind die Drei Zinnen, die uns von jetzt an die Köpfe verdrehen. Hast du sie einmal aus der Ferne gesehen, willst du hin! 

    Blick vom Antornosee mit Spiegelung

    Sieht man ihm auf diesem Foto nicht an: Der Antornosee liegt direkt an der Strasse neben einem Restaurantparkplatz. 

    Antornosee mit Steg

    Wenn du „Antornosee“ bei der Google-Bildersuche eingibst, wirst du Tausende ausgezeichnete Fotos dieser Perspektive finden. Trotz mehrfacher Stopps hatten wir hier leider nie gutes Licht.

    Tourismus am Antornosee

    Um realistisch zu bleiben: So sieht es am Steg aus, wenn nicht viel los ist. Zum Sonnenuntergang wird’s dann aber voll!

    Die Drei Zinnen und die Towers of Mordor

    Die Drei Zinnen – der Italiener sagt Tre Cime de Lavaredo. Und ich finde, die Italiener haben Recht: Während wir diese eindrucksvolle Bergformation in der deutschen Sprache abgehackt & dreisilbig benennen, würdigen die Italiener sie mit einer ganze Zeile – samt rollendem R! „Tre Cime de Lavaredo“ – klingt toll, oder? Ich bin da ja eher Feingeist.

    Erstmal wird es schroff. Wir haben uns eine Umrundung der Drei Zinnen vorgenommen, laufen dabei häufig querfeldein. Hoch, runter, links, rechts. Für uns zwei Nordlichter ist das alles ein bissl schlauchend („Ächz!“), ein tief verwurzelter Tiroler geht die Strecke vermutlich in der Hälfte der Zeit und pfeift fröhlich ein Liedchen dabei. Soll er – dafür wissen wir mehr über Fischbrötchen, Wattenmeer und Deichschafe. Nordisch by nature!

    Sternenhimmel

    Unser Tag beginnt unter einem unfassbaren Sternenhimmel in den Dolomiten. (Wenn du dir diesen Blog auf dem kleinen Handydisplay anschaust: Zoome mal in den Himmel hinein und lass dich von den Sternen verzaubern.)

    Towers of Mordor

    „Towers of Mordor“ wird dieser Blick im Internet häufig genannt. Eines meiner absoluten Must Haves bei der Dolomiten Fotoreise. Was auf dem Foto beeindruckend aussieht, ist in Wirklichkeit: GEIL! 

    Frost am Morgen

    „Brrrr!“ Morgens ist es noch kalt.

    Wandern in 2.400 Metern Höhe

    Eine kleine Gemeinsamkeit findet sich dennoch: Im Wattenmeer klauen dir laut krächzende Möwen schonmal die Pommes aus der Schale. Hier oben, auf 2.400 Metern Höhe, sind es die schlauen Alpendohlen, die für Kurzweil in der Mittagspause sorgen. Die fressen dir sprichwörtlich aus der Hand. Und damit du’s glaubst, hab ich’s fotografiert!

    Hinweisschilder Dolomiten Höhenweg

    Gut ausgeschildert!

    Alpendohlen füttern an der Drei Zinnen

    Die Alpendohlen fressen mir aus der Hand – witziges Erlebnis!

    Alpendohlen füttern

    Black Lives Matter! Hier ist Holger der Dohlenflüsterer. 

    Insgesamt mache ich hier oben doch noch meinen Frieden mit unser Dolomiten Fotoreise. Die Besucherströme verteilen sich deutlich auf der großen Fläche und wir können ausgiebig mit Perspektiven und Blickwinkeln spielen. Obwohl wir uns „von dunkel bis dunkel“ rund um die Drei Zinnen und am Paternkofel aufhalten, reicht mir dieser eine Tag kaum aus, um meine Bildideen umzusetzen. Eine ganze Woche hier oben wäre super. Vielleicht auch ein bisschen länger. Ach, ich gebe an dieser Stelle einfach den Fotos den Vorrang: 

    Paternkofel

    Umrundung der Drei Zinnen

    Hier hat Holger mich beim Blick ins Tal erwischt. Traumfoto und tolle Erinnerung für mich!

    Behing the scenes

    Was ich hier fotografiere, siehst du im nächsten Bild. (Fotocredit: Holger Kröger)

    Sonnenuntergang an den Drei zinnen

    Die Drei Zinnen zum Sonnenuntergang.

    Dolomiten Fotoreise: Die Drei Zinnen Hütte zur Blauen Stunde

    Links der Paternkofel, rechts die Drei Zinnen, unten die Drei Zinnen-Hütte. 

    Höhle an den Drei Zinnen

    Zeit aufzubrechen – ein toller Fototag!

    Screenshot Health App

    Abends weißt du, was du getan hast! Ein Blick auf meine Health-App: Knapp 19 Kilometer gelaufen. Interessant wird es weiter unten. Schau dir die Stockwerke an, die meine App aus den Höhenmetern errechnet hat. 

    Federersee – fliegende Laubbläser in 2.000 Metern Höhe

    Der Federersee ist ein Juwel unter den Dolomitenseen. Und es gibt ihn nicht zum Nulltarif: Der Preis ist ein fast zweistündiger Hike, der eigentlich durchweg bergauf geht – anstrengend!

    Wir starten mit der Kopflampe auf der Stirn im Dunklen, wollen etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang am Seeufer in 2.000 Metern Höhe sein. Als wir unser Ziel erreichen, sitzen bereits sechs, sieben Fotografen im Hang am See. Einige sind schon seit Mitternacht hier. Frühes Erscheinen sichert eben gute Plätze, weiß jeder. Warum machen die das? Darum: Das Zielfoto der meisten ist ein Bild vom See mit spiegelglatter Oberfläche in der sich die herbstlichen Lärchen mit ihren orange verfärbten Nadeln spiegeln, die seitlich von der aufgehenden Sonne angeleuchtet werden. So ist der Plan. 

    Fotografen am See

    Landschaftsfotografen unter sich. Der Mann mit der roten Jacke ist der Engländer, von dem ich weiter unten erzähle.

    Lärchen am Federersee im ersten Sonnenlicht

    Feuer frei! Wenn die Lärchen im Herbst ihre Nadeln abwerfen und die morgendlichen Sonnenstrahlen seitlich hineinscheinen, sieht es aus, als würden Flammen lodern. Für dieses Foto hat sich der anspruchsvolle Hike in 2000 Meter Höhe gelohnt!

    Der Federersee morgens bei Sonnenaufgang

    Ein Mann mit Humor!

    Wir machen es uns ebenfalls im Hang „gemütlich“ und richten unsere Kameras ein. Ein durchtrainierter Engländer kommt hinzu, macht es sich schnaufend neben mir bequem:

    „Puuuh, that was a dead serious hike up here!“

    „That’s true!“

    „And a lot of Mosquitos here!“

    Der Mann hat Humor! Er meint die vier Drohnen, die wie Laubbläser über unseren Köpfen kreisen. Pünktlich zum Sonnenaufgang kommen diverse Instagramer am See an. Die kannst du daran erkennen, dass sich die jungen Mädels das unpassend dünne Kleidchen überwerfen und ihre männlichen Begleiter sie wieder und wieder beim unbeschwerten Haare schütteln filmen und fotografieren müssen. Irgendwie rührend und lustig anzusehen. Hier laufen sie aber im Dutzend den seit Stunden ausharrenden Fotografen ins und durchs Bild. Nun ja, der See „gehört“ ja keinem, aber in Sachen Reihenfolge lässt das schon manchen Knipser grimmig werden. Mich auch. Laut „Fotografen-Knigge“ spricht man sich in solchen Situationen untereinander ab, sodass man sich nicht gegenseitig im Bildausschnitt hat. Win-win! Aber was bedeutet das schon hier oben?

    Grenzwertig wird es in Kürze. Jetzt, wo die Sonne hochkommt und ihre ersten warmen Strahlen gleich die Lärchen beleuchten werden. Es kribbelt im Auslösefinger. Es ist immer ein sehr spannender Moment, wenn du weißt, dass das beste Licht unmittelbar bevorsteht. 

    Die ersten Instagramer-Drohnen fliegen im Tiefflug über den See. Der Propellerwind der kleinen Nervensägen zerstört die spiegelglatte Oberfläche des Gewässers, das nun leichte Wellen aufweist. Spiegelung adé! Wir erinnern uns: Die Fotografen, die hier teils seit Stunden ausharren, warten genau auf diese Spiegelung! Hach, Natur ist in ihrer Ruhe und Unberührtheit schon was Schönes, gell?  

    Der Pragser Wildsee – Millionenfach fotografiert. Aber noch nicht von uns!

    Bis zum letzten Tag sprechen Holger und ich darüber, ob wir uns den Pragser Wildsee antun oder nicht. Der glasklare Bergsee mit seinem türkisfarbenen Wasser ist DAS Motiv in den Dolomiten. So wie der Eiffelturm in Paris, die Elbphilharmonie in Hamburg, die Tower Bridge in London. Es wird also voll, sehr voll! Andererseits reizt der Bootssteg mit seinen traditionellen Holzbooten uns natürlich auch. Man mag sich fragen: Warum fotografiert ihr es, wenn es doch schon millionenfach fotografiert worden ist? Holger antwortet dann immer: „Stimmt, aber noch nicht von mir!“ Sehe ich genauso.

    Wir entscheiden uns für einen Versuch am Abreisetag. Pünktlich eine Stunde vor Sonnenaufgang lassen wir uns durch das Verkehrsleitsystem (welches es nur wegen des Sees gibt) zum gebührenpflichtigen Parkplatz treiben. Immerhin: Die sonst vorgeschriebene Online-Vorabbuchung für den Parkplatz entfällt zu dieser Zeit.

    Und dann liegt er vor uns, der berühmte Pragser Wildsee. Es herrscht ein wenig Trubel, ja. Aber es ist nur mittel-schlimm, deshalb halten wir uns hier auch knapp zwei Stunden auf. Ich bin froh, den See gesehen und fotografiert zu haben. Über einen zweiten Besuch müsste ich allerdings nachdenken…

    Pragser Wildsee Instagram vs Realität

    Ist schon ein toller Blick, oder? Warum ich das Bootshaus unten rechts beschnitten habe? Zu viele Menschen im Bild!

    Boote am Pragser Wildsee

    Die berühmten Holzboote am Pragser Wildsee kannst du für eine Bootstour (oder als Foto-Accessoire) mieten.

    Pragser Wildsee morgens im Herbst

    Der Steg aus einer anderen Perspektive. Im Sommer ist hier doppelt so viel los. Ach, dreifach oder vierfach!

    Kapelle am Pragser Wildsee im Herbst

    Die kleine Kapelle am See macht mich an – mystisch irgendwie!

    Alles in allem war alles dabei! 

    Über unsere Fotoausbeute und das Wetter können wir uns kaum beschweren. Eine Dolomiten Fotoreise könnte dich locker mit 7 Tagen Regen und Bewölkung völlig frustrieren. Der Ansturm (und wir gehören selbst dazu) in die Berge macht mich jedoch nachdenklich. Es ist verstehbar, dass diese einmalig schöne Berglandschaft seit 50 Jahren in Folge (!) wachsende Touristenzahlen verzeichnet. Was das inzwischen allerdings für die Berge und die einheimischen Bewohner bedeutet, möchte ich mir im Detail gar nicht vorstellen. Verständlich, dass es längst Initiativen gibt, die für einen nachhaltigeren und reglementierten Tourismus kämpfen. Hoffen wir, dass es dann nicht so ein Sylt-Ding wird: Die Reichen teilen die Region unter sich auf. Na ja, zur Not geben wir den Punks Bescheid, die im vergangenen Jahr dank 9-Euro-Ticket die Nordseeinsel gekapert und die bessere Gesellschaft durch ihre Anwesenheit pikiert haben. (Ist ja nur Spaß!)

    Lust auf Berge bekommen? Ach komm, ich schieb sie dir eben rüber!

    IN EIGENER SACHE:

    Wenn du auch in Zukunft Blogartikel wie diesen von der Dolomiten Fotoreise von mir lesen möchtest, dann markiere meine Facebook-Seite mit Gefällt mir – so verpasst du keine Neuigkeiten. Auf meinem Instagram-Account zeige ich ebenfalls regelmäßig tolle Landschaftsfotos. Fragen, Anregungen, Kritik? Dann komme gerne über das Kontaktformular ins Gespräch mit mir. Ich freue mich auf deine Nachricht.

  • Hier starb James Bond – eine Fotoreise auf die Färöer-Inseln

    Unsere Fotoreise auf die Färöer-Inseln war lange geplant, dann wegen Corona ausgefallen, nochmal wegen Corona ausgefallen und fand nun beim dritten Anlauf – oh Wunder – doch noch statt. Jieehhaaah! Um das mit der Überschrift gleich aufzuklären: James Bond ist in „Keine Zeit zu sterben“ tatsächlich von einem Feuerball auf der färöischen Insel Kalsoy verschlungen worden und gestorben. (R.I.P.) Im Film liegt Kalsoy allerdings irgendwo zwischen Japan und Russland und heißt auch anders. Nun ja, und eigentlich ist die Insel auch nur per Computer-Animation in den epischen Showdown eingefügt worden. So wird das beim Film eben gemacht. Ich komme an anderer Stelle nochmal darauf zurück.

    Färöer-Inseln – 300 Regentage im Jahr

    Bleiben wir in der Realität und bei den Facts der Färöer-Inseln: Die insgesamt 18 nordatlantischen Inseln vulkanischen Ursprungs sind – bis auf die kleinsten von ihnen – alle bewohnt. Jetzt kommt’s: Und zwar von 50.000 Einwohnern, den Färingern, und etwa 80.000 Schafen! Mehr Schafe als Menschen also. Oha! Dank Golfstrom ist es hier nie wirklich kalt, ehrlicherweise aber auch nie wirklich warm. Drei Grad im Winter, dreizehn im Sommer – durchschnittlich. Es ist ganzjährig feucht, windig und an etwa 300 Tagen regnerisch. Einen natürlichen Bestand an Bäumen gibt es nicht, dafür Gräser, Flechten und Moose – also die Schafe finden’s super! Was die Färinger so treiben? Die leben überwiegend von Fischfang, Schafzucht und: Tourismus. 

    Abgeschiedener geht nicht: Der klitzekleine Punkt im Dreieck zwischen Großbritannien, Island und Norwegen, das sind die Färöer-Inseln. (Credit: Google Earth)

    Eidi - doppelter Wasserfall. Eine Szene wie aus Game of Thrones

    Für solche Game of Thrones-Stimmungen sind wir hergeflogen. Die Färöer sind mystisch!

    Wellen in Tjornuvik

    Die perfekte Welle. Wer es rau und ungemütlich mag, wird bei einer Fotoreise auf die Färöer-Inseln glücklich. Wer nicht, nicht! 

    Drama, Dunst und dicke Wolken

    Warum Fotobuddy Holger und ich uns die Fotoreise auf die Färöer-Inseln antun? Warum nicht? Mal ehrlich: Postkartenidylle kannst du auf Ibiza und Mallorca knipsen. Wir wollen Drama, Dunst und dicke Wolken. Kriegen wir auch! Vorher ist da aber noch der Sturm. Eigentlich sind die Färöer in zwei Flugstunden von der EU aus zu erreichen. Wir haben bei unserer Anreise Wind in höherer Stärke als 10 Bft, was dann offiziell als Orkan bezeichnet wird. Flugzeugen wird damit das Landen unmöglich gemacht. Ärgerlich – so stranden wir erstmal in Kopenhagen, warten dort das Schlimmste ab und kommen nach 28 Stunden Anreise endlich in unserer Unterkunft auf der Hauptinsel Streymoy an. „Erstmal `nen Kaffee!“

    Unser Bootshaus hat Holger im Vorfeld strategisch auf der Hauptinsel Streymoy ausgesucht. Von dort aus sind wir mit dem Mietwagen zu keiner Location länger als eine Stunde unterwegs und können so kurzfristig auf Wetter und Licht reagieren. So machen wir es dann auch und fahren eine Woche lang als Jäger des Lichts kreuz, quer und nur selten geradeaus über die Inseln Vágar, Eysturoy, Kalsoy und Streymoy. Ersparen wir uns lieber das Tohuwabohu auf diesem Blog und fahren aus erzählerischen Gründen systematisch von Insel zu Insel. Anschnallen, los geht’s…

    Bootshaus in Hosvik

    Ganz rechts brennt noch Licht! Unsere Unterkunft ist ein ausgebautes Bootshaus direkt am Wasser. 

    Vágar – die Insel mit der Sklavenklippe

    Vágar ist die drittgrößte der Färöer-Inseln. Auf ihr befinden sich der Flughafen, die Sklavenklippe, der „Hexenfinger“ und angeblich die schaurige Nixe Nykur, die als Pferd getarnt Ahnungslose auf den Grund des Sees Leitisvatn/Sørvágsvatn zieht. Klingt wie Geisterbahn, soll es vermutlich auch. Die Färinger sind eben heute noch echte Wikinger! 

    Gásadalur: Hier fließt das Wasser bergauf!

    Der Reihe nach: Unser erstes Ziel bei dieser Fotoreise auf die Färöer-Inseln ist der kleine Ort Gásadalur mit seinem berühmten Wasserfall Múlafossur, der aus 30 Metern Höhe in den Atlantik stürzt. Bevor 2003 der Tunnel nach Gásadalur fertiggestellt wurde, konnte das Dorf nur zu Fuß oder mit dem Hubschrauber erreicht werden. Heute ist der berühmte Blick von der Tunnelseite auf Dorf und Wasserfall DAS Fotomotiv für jeden Färöer-Reisenden. Als wir erstmals dort sind, herrscht strahlend blauer Himmel und noch immer kräftiger Sturm. Beeindruckend: Bei starken Sturmböen wird das ablaufende Wasser vom Múlafossur den Berg hinauf (!) gepeitscht und erreicht nicht die Oberfläche des tosenden Atlantiks. Hat man sowas schon gesehen? Ich nicht!

    Das kleine Örtchen Gasadalur steht ikonisch für die Färöer-Inseln

    Wandbild des Fotografen Florian Läufer aus Hamburg

    Macht sich doch gut, oder? Einige Aufnahmen von den Färöer-Inseln kannst du in meinem Shop als hochwertigen Druck kaufen. Hier geht es direkt dorthin: Wandbilder-Shop

    Häuser in Gasadalur

    Die kleine Ortschaft Gásadaur galt bis 2003 als einer der isoliertesten Orte Europas und war nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbar. Heute verbindet ein Tunnel das Dorf mit den übrigen Einwohnern der Inseln. 

    The Witches Finger

    Richtig gut gefällt uns auch „The Witches Finger“ oder auf Färöisch: „Trøllkonufingur“, also Hexenfinger. Und tatsächlich: Der spitze Monolith erinnert im Profil an den schrumpeligen Finger (samt langem Fingernagel) einer Hexe. Aus fotografischer Sicht ergibt sich hier nur eine einzige Perspektive, trotzdem statten wir dem Hexenfinger zwei Besuche ab, um ihn in unterschiedlichem Licht zu erwischen. 

    The witches finger auf Vagar im Licht der aufgehenden Sonne

    Wir erwischten „The Witches Finger“ mit zwei unterschiedlichen Lichtsituationen. Welche Variante gefällt dir besser?

    The Witches finger auf den Färöer-Inseln

    Wasserfall auf der Insel Vagar (Färöer-Inseln)

    Auf dem Rückweg vom „Hexenfinger“ überquerst du diesen kleinen Bach. Hat was, oder?

    Die Nixe Nykur

    Ich will aufrichtig bleiben: Ein großer Fan von modernem „Storytelling“, also dem Erzählen von Geschichten aus Marketing-Gründen, bin ich nicht. Von der Legende der Nixe Nykur hat man zwar schon vor Hunderten von Jahren gesprochen, die Statue am Ufer des Sørvágsvatn-Sees wurde aber erst 2017 errichtet – für mich irgendwie zu modern. Dem Mythos nach gehört das Wesen Nykur zu den Wasserpferden, steigt hin und wieder aus den Tiefen des Sees auf und ermuntert Menschen dazu, auf seinen Rücken zu steigen. Einmal aufgestiegen wird es unmöglich Nykur zu entkommen, das sein Opfer nun unter Wasser zieht und auffrisst. Hmmm, kann ja alles sein. Hätte die Skulptur nicht gut erreichbar dicht an der Straße gestanden, hätte ich wenig Lust gehabt, sie zu fotografieren. Der Vollständigkeit halber hab ich sie nun – fotografischer Beifang. 

    Die Nixe Nykur auf Vagar

    Moderne Kunst – wer’s mag…

    Die Sage von der Nixe Nykur auf den Färöer-Inseln

    148 Meter senkrecht nach unten – Trælanípa

    Trælanipa sollte eines meiner Highlights sein bei dieser Fotoreise auf die Färöer-Inseln. Warum? Darum: Die senkrecht abfallende Klippe ist nur über einen gut 1,5-stündigen Fußmarsch zu erreichen und bietet einen weltweit einmaligen Ausblick auf die schroffe Küstenlinie. Zwischen Meeresspiegel und Klippengipfel liegt der See Sørvágsvatn (der mit der Nixe), was sich zu einem unwirklichen Bild vereint: Auf der oberen Etage liegt der See, im Erdgeschoss der Atlantik. Abgefahren! 

    Panorama vom Latisvatn See auf den Färöer-Inseln

    Panorama mit Blick auf den See Leitisvatn/Sørvágsvatn. Ich hatte zwei Ziele bei dieser Fotoreise auf die Färöer-Inseln. Erstens: Nicht sterben und, zweitens, gute Fotos nach Hamburg mitbringen. Dabei war mir die Reihenfolge von erstens und zweitens besonders wichtig. Deshalb hielt ich mich eine Woche lang mindestens drei Meter entfernt von allen Abgründen auf. Für die Fotos „Kleiner Mensch in großer Natur“ musste dann Holger immer mit seiner roten Jacke herhalten. Dem wird in schwindelerregender Höhe nicht schwindelig – mir schon. 

    Höhenangst!

    Für mich gibt es ein wiederkehrendes (und sich immer mehr verstärkendes) Problem, das mir schon im Dezember auf Madeira Sorgen machte  – Höhenangst! Wenn du dieses ganz dramatische Foto von dort oben machen willst, musst, musst, musst du bis auf den allerletzten Meter an den Klippenrand ran und auf den Auslöser drücken. Stehst du auch nur einen Meter weiter zurück, kriegst du diesen faszinierend-schrecklichen Abgrund zwischen deinen Zehenspitzen und gegenüberliegender Uferkante nicht mit aufs Bild. Für mich ist das nichts, für Holger schon! Er hat das Bild, ich nicht. Gegen Höhenangst bist du machtlos.

    Fotografieren am Abgrund

    Fotografieren am Limit. Ich hätte mir in die Hosen gemacht!

    Blick von Traelanipa auf Latisvatn

    Für dieses dramatische Foto darfst du nur wenige Zentimeter entfernt vom Abgrund stehen. Gehst du einen Meter zurück, kriegst du den Zwischenraum (also die Tiefe) der beiden Klippen nicht aufs Bild. Holger hat’s gemacht und mir das Bild für den Blog zur Verfügung gestellt. Big THX, Holger! Übrigens: Siehst du die kleine Ortschaft oben rechts im Bild? Da steht unser Auto – Trælanipa musst du dir erwandern!

    Klippe Färöer

    Ganz schön hoch. Für dieses Foto habe ich mir was getraut! Von hier oben (genauer genommen von etwas höher) wurden einst arbeitsunfähige Sklaven in den Abgrund gestürzt – barbarisch!

    Schild an der Sklavenklippe

    Ist gefährlich, hab‘ ich verstanden!

    Und jetzt bin ich wieder bei den Mythen und Sagen. Die Klippe Trælanipa heißt Trælanipa, weil das übersetzt „Sklavenklippe“ heißt. Man sagt, dass früher vom höchsten Punkt der Klippe irische Sklaven hinabgestürzt wurden, die nicht mehr arbeitsfähig waren. Ich fürchte, das stimmt! Mir wird kalt, wenn ich daran denke… 

    Big Picture

    Am südlichen Ende des Sørvágsvatn ergießt sich das Seewasser über den Wasserfall Bøsdalafossur in den meist wütenden Atlantik. Wie viele andere Motive von den Färöer-Inseln leben auch die Fotos von diesem grobschlächtigen Küstenabschnitt nur mit einem Größenvergleich. Ohne ist es ganz schick, ja. Aber erst wenn du eine Person mit in den Fokus rückst, wird das Fotos zu einem Big Picture. Erst jetzt kannst du erkennen, dass die einlaufenden Wellen an den schwarzen Klippen in bis zu 30 Meter hohen Fontänen explodieren. Fällst du rein, bist du tot! 

    Der wasserfall Bosdalafossur am südlichen Ende des Sees Sørvágsvatn

    Wenn du das siehst, willst du hin. Wenn du da bist, willst du weg!

    Fotoreise auf die Färöer-Inseln – Eysturoy

    Die Insel Eysturoy (Ostinsel) ist nur durch einen Sund von der Hauptinsel Streymoy getrennt, über den eine Brücke führt, die wir täglich passiert haben. Je nach Tide wird hier das Atlantikwasser gurgelnd durch die Enge gedrückt. Was für eine Strömung! Aus fotografischer Sicht zu vernachlässigen, wenn hier aber Sturm gegen Strömung kämpft, wirkt mein Heimatfluss Elbe nur wie ein müder Rinnsal. 

    Eiði – wie aus Game of Thrones

    Im äußersten Nordwesten von Eysturoy liegt der malerische Ort Eiði, der mit diesem komischen D in der Mitte geschrieben wird. Keine Ahnung, wie man das richtig ausspricht. Egal, hier soll sich alles um Fotomotive drehen, nicht um Linguistik. Wir sind besonders angetan von der schroffen Felsküste hinter der Ortschaft. Die könnte locker als Filmkulisse für Game of Thrones oder irgendeinen anderen Fantasy-Film herhalten. Wer weiß, vielleicht entdecken die professionellen Location-Scouter dieses Areal ja noch. 

    Das malerische Dorf Eidi auf der Insel Eysturoy

    Idylle! 

    Making of auf Eysturoy

    Bei der Ortschaft Eiði konnten wir tolle Wellenfotos machen. (Foto: Holger Kröger)

    Atlantikwellen bei Eidi auf Eysturoy (Färöer-Inseln)

    Mystisch-düstere Stimmung bei dieser Fotoreise auf die Färöer-Inseln.

    Düster war’s! 

    Schlucht auf Eysturoy bei Regenwetter

    Durch Zufall entdeckt und reingeklettert: Ein kleiner Canyon auf der Insel Eysturoy.

    Kirchentag in Funningur

    Die pittoreske Kirche in Funningur ist von Eiði nicht weit entfernt. Als Fotograf musst du hier ein bisschen tricksen. Die Kirche selbst liegt mit ihrem begrünten Dach direkt neben einem kleinen Wasserlauf am Ufer einer ruhigen Bucht. Sieht richtig klasse aus! Ungünstig ist, dass die umstehenden Bauten irgendwie nur so mittel-fotogen sind – du musst sie also aus der Bildkomposition heraushalten. Wir haben die Kirche einmal bei Sonnenschein, einmal bei Schmuddelwetter fotografiert. Ich finde sie bei Sonnenschein schöner.

    Die pittoreske Kirche von Funningur

    Die Kirche von Funningur findet sich auf vielen Postkarten wieder – und jetzt auch auf meiner Festplatte.

    Hey, hey, Wickie!

    Wir müssen gar nicht weit fahren, um in das Dorf Gjógv zu gelangen. Das färöische Wort Gjógv steht für Felsspalte. Das kommt nicht von ungefähr. Eine Felsspalte bildet hier einen kleinen Naturhafen, der die Boote vor Wind und Wellen schützt. Sieht schon cool aus! In meiner Vorstellung müssen hier einst „Wickie und die starken Männer“ in ihr rot-weiß besegeltes Wikingerschiff gestiegen sein, um auf große Fahrt zu gehen. 

    Sonnenaufgang bei Gjogv mit Blick auf Kalsoy.

    Die Sonne haben wir nicht häufig gesehen bei unserem Fototrip. An diesem Morgen in Gjógv war’s wie im Bilderbuch. Aber unter uns: Ruppig und kalt wäre hier passender.

    Birdhouse in Gjogv

    Tradition im Miniaturformat: Selbst die kleinen Vogelhäuser haben grüne Dächer!

    Der Naturhafen von Gjogv bei Sonnenaufgang

    Der kleine Naturhafen in Gjógv. Nur eine Vermutung: Früher hieß das Dorf noch Flake, beherbergte Wickie und die starken Männer Halvar, Faxe und Snorre und das Drachenschiff war genau hier festgemacht. Kann das sein?

    Kalsoy – die Klippen von Kallur

    Auf die Insel Kalsoy gelangt man ausschließlich mit einer Fähre, die jetzt im Winter nur wenige Male am Tag ausläuft. Platz ist für ein Dutzend Fahrzeuge und viele Fußgänger. Manchmal braucht es Glück, um mitgenommen zu werden: Die Bewohner von Kalsoy haben IMMER das Erstrecht auf die Fähre zu gelangen. Erst wenn sie mit ihrem PKW auf der Fähre stehen, dürfen weitere Autos auffahren. 

    Die Fähre spuckt uns am kleinen Hafen auf Kalsoy aus. 

    Und nun sind wir wieder bei Agent 007, James Bond! Als wir die Morgenfähre nehmen, um uns auf Kalsoy die Klippen von Kallur zu erwandern, sind auffällig viele einheimische Fußgänger an Bord. Was wollen die dort? Hoffentlich möchten die nicht auch auf die Klippen, die wir in unserer Vorstellung menschenleer zu fotografieren gedenken. 

    Um es abzukürzen: Genauso kommt es! Mit unserem Mietwagen sind wir schneller und kommen gut 30 Minuten vor dem großen Tross am Klippen-Trail an. Nach einstündigem Fußmarsch am Leuchtturm angekommen, holt jetzt die 30-köpfige Gruppe auf. Aaaargh! Gibt’s doch gar nicht! Vermutlich stehen hier nur ein einziges Mal im Jahr so viele Menschen gleichzeitig an den verlassenen Klippen. Warum ausgerechnet heute?

    Was machen die da? Und warum?

    Ein Helikopter taucht auf

    Es bleibt mysteriös. Die Gruppe trifft sich am Scheitelpunkt zum höchsten Punkt der Klippen. Jetzt kommt noch ein Hubschrauber dazu, lädt zusätzliche Personen ab. Durchs lange 400-Millimeter-Objektiv betrachte ich die Szenerie und erkenne: eine Trauerfeier! Jetzt wird alles klar! Ich sehe einen Grabstein, einen Redner und mehrere Filmer und Fotografen neben der Trauergesellschaft. Ach herrje…, hier wird wohl jemand abgestürzt sein. Jedes Jahr sterben schließlich Menschen auf den Färöer, die in den Abgrund stolpern. Amen!

    Wer mit dem Helikopter gebracht wird, muss ziemlich wichtig sein!

    R.I.P. James Bond 007

    Als die „Trauerfeier“ vorüber ist, kommen einige Personen zu uns am Leuchtturm herüber. Ich frage nach. Alles ist ganz anders: Heute wurde hier oben ein James Bond-Memorial enthüllt, weil Daniel Craig aka James Bond in dem Film „Keine Zeit zu sterben“ genau an dieser Stelle auf der großen Leinwand in dem Feuerball eines Raketenangriffs stirbt. Wie ich oben schon schrieb: Im Film liegt die Insel zwischen Japan und Russland und wurde auch nur per Animation in den Blockbuster eingefügt. Trotzdem spannend und ein kluger Schachzug der Tourismusbranche! Ganz sicher werden viele Filmfreunde zu dieser Stelle pilgern. Und die Nummer mit dem Hubschrauber? Der Färöische Premierminister Bárður Nielsen war ebenfalls Gast bei der Enthüllung des Memorials. Zu Fuß gehen braucht der natürlich nicht, ist klar. 

    Der färöische Premierminister (links im Bild) war zur Enthüllung des James Bond-Memorials geladen. 

    Dies ist die Szene in „No time to die“ bei der James Bond stirbt. (R.I.P.) (Credit: Screenshot Youtube)

    Erster! Ich bin der erste Nicht-Färöer, der am James Bond-Memorial steht. 

    Der Clip zum Grabstein – gut gemacht! 

    Fernsicht? Fehlanzeige!

    Okay, wir sind aber natürlich nicht wegen 007 auf die Färöer-Inseln gekommen, sondern für mystisch-dramatische Landschaftsfotos. Die Klippen von Kallur sind dabei ein absoluter Klassiker, aber du brauchst gute Sicht, um Weite und Entfernung darzustellen. Ein Grundproblem übrigens auf unserer Fotoreise auf die Färöer-Inseln. Wir haben nur am allerersten Tag Weitsicht, da herrscht aber noch dieser fiese Sturm, der es zu einem Risiko gemacht hätte, in die Höhe zu gehen. So gelingt uns kein einziges brauchbares Foto von einem der Bergkuppen mit Blick auf Fjorde, Nachbarinseln oder Dörfer. Vielleicht nächstes Mal, man weiß ja nie.

    Der Blick vom Kalsoyer Leuchtturm auf die Nachbarinseln Kunoy und Viðoy. Hast du die rote Jacke schon entdeckt?

    Kein Handyempfang – die kleinen Walkie-Talkies leisteten uns gute Hilfe bei der Kommunikation für die Bildgestaltung. „Jetzt reiß mal die Arme hoch, Holger!“

    Dies ist der Blick, für den du den einstündigen Hike zum Leuchtturm auf dich nimmst. Wir hatten so viel Dunst in der Luft, dass mir nur die Ausarbeitung in Schwarzweiß gefällt. Einigermaßen zumindest…

    Rückweg über Stock, Stein und Steppe.

    Das war mir wichtig: Ich wollte eine richtig coole Aufnahme eines Schafes mit nach Hause bringen. Nicht falsch verstehen, aber das hier finde ich „sexy“. Hat Ausstrahlung mit dem dicken Wollpullover, gell?!

    Fotoreise auf die Färöer-Inseln: Die Hauptinsel Streymoy

    Streymoy hält gleich mehrere tolle Fotospots für uns bereit. Auf ihr stürzt Färöers höchster Wasserfall, der Fossá, in zwei Stufen 140 Meter in die Tiefe. Von unseren Islandreisen kennen wir die Eindrücke riesiger Wasserfälle, hier ist es aber nochmal etwas anders. Während du dir auf Island mit Dutzenden (und Hunderten!) anderen Touris die Wasserfälle teilst, bist du am Fossá oft alleine unterwegs. Wir klettern bis auf die zweite Stufe hinauf und lassen die Auslöser rattern. 

    Der Fossa Wasserfall fällt in zwei Stufen 140 Meter in die Tiefe.

    Fossá – höchster Wasserfall auf den Färöer-Inseln mit insgesamt 140 Metern Falltiefe über zwei Ebenen.

    Das Making of der Bilder aus der kleinen Wasserfallschlucht

    Die Gischt dieses Wasserfalls, der auf der gleichen Insel wie der Fossá liegt, war ein bisschen fiese zum Fotografieren. Immer im Wechsel: Auslösen…, Linse wischen.., auslösen.., Linse wischen…, auslösen…

    Hidden Waterfall

    Eines meiner Lieblingsfotos der Fotoreise auf die Färöer-Inseln. Ich liebe diese dunkle Endzeitstimmung aus der kleinen Schlucht in die wir hinabgeklettert waren!

    Der Riese und das Weib

    Tjørnuvík ist nicht allzu weit von unserer Unterkunft entfernt. Hier liegt einer der wenigen Orte mit (schwarzem) Sandstrand. Im Sommer finden hier sogar Kurse im Wellenreiten statt. Jetzt ist Winter und wir sind nahezu alleine hier. Puh! Es bieten sich allerlei tolle Motive mit dem Blick auf die beiden Steinsäulen Risin und Kellingin (Der Riese und das Weib), die neben dem Berg Eiðiskollur zerbrechlich wie Zahnstocher wirken. Immerhin: Mit 71 (Risin) und 69 (Kellingin) Metern Höhe handelt es sich nicht gerade um Pygmäen. Wie auch immer, die einrollenden Wellen bieten uns gleich an verschiedenen Tagen unzählige Möglichkeiten für raue Küstenfotos – ich mag diesen Ort! 

    Risin og Kellingin

    Risin og Kellingin (Der Riese und das Weib) – die beiden klitzeklein wirkenden Felsnadeln sind 70 Meter hoch.

    Langzeitbelichtung in Tjornuvik

    Brechende Wellen in Tjornuvik

    „Wuuusch!“

    Tjornuvik in Schwarzweiß

    Hier hat mir die Ausarbeitung in Schwarzweiß sehr gut gefallen.

    Schafe auf den Färöer-Inseln

    „Määhhäää!“ Black lives matter!

    Saksun – Einwohnerzahl: 8

    In das Dorf Saksun habe ich mich verliebt! Nicht nur ich – es ist vermutlich der meistbesuchteste Ort auf den Färöer-Inseln. Und jetzt wird es ein bisschen traurig: Saksun hat heute nur noch acht Einwohner, wird in der Sommersaison aber regelrecht von Touristen überrannt. Ein Parkplatz für mehrere Reisebusse lässt erahnen, was hier auf die Einwohner einwirkt. Zurückhaltung ist nicht jedes Besuchers Stärke und so liest man auf diversen Reiseblogs von genervten Einwohnern und heftigen Konflikten – verständlicherweise. Wie würde man sich selbst fühlen, wenn täglich mehrere Drohnen über den Köpfen kreisen und Touristen durch den Vorgarten stapfen, um sich am Wohnzimmerfenster die Nase plattzudrücken? Ich würde vermutlich die kleine Zufahrtsstraße mit einer Schranke versehen… Was denkst du? 

    Fotoreise auf die Färöer-Inseln: Museumsdorf Saksun auf der Insel Streymoy

    Der klassische Blick auf das kleine Dorf Saksun mit seinen traditionellen Steinhäusern samt Grasdächern.

    Die Kirche von Saksun

    Man soll sich ja nicht selbst loben, aber diese Perspektive mit der kleinen Kirche gefällt mir sehr! *Hast du fein gemacht, Florian!* 

    Gänse in Saksun

    In Saksun leben heute nur noch acht Einwohner, jede Menge Schafe und: zwei Gänse.

    Saksun Wasserfall

    Wie vor 100 Jahren. Ach was, 200!

    Wasserfall hebt ab in Saksun

    Ist ja nur’n büschen Wind – der Wasserfall über Saksun hebt ab!

    Fotograf Florian Läufer bei einer Fotoreise auf die Färöer-Inseln

    Schön war’s!

    IN EIGENER SACHE:

    Wenn du auch in Zukunft Blogartikel wie diesen von der Fotoreise auf die Färöer-Inseln von mir lesen möchtest, dann markiere meine Facebook-Seite mit Gefällt mir – so verpasst du keine Neuigkeiten. Auf meinem Instagram-Account zeige ich ebenfalls regelmäßig tolle Landschaftsfotos. Fragen, Anregungen, Kritik? Dann komme gerne über das Kontaktformular ins Gespräch mit mir. Ich freue mich auf deine Nachricht.

  • Freie Arbeit: Madeira Fotoreise im Dezember

    Meine Madeira Fotoreise ist eher Schnapsidee als akribisch vorbereitetes Fotoprojekt. Ich habe – nach 18 Monaten Corona-Flaute – eine gut ausgelastete zweite Jahreshälfte mit vielen aufregenden Fotoaufträgen hinter mir. Im Kopf schreit es, der bescheiden wieder aufgebaute Kontostand erlaubt es: „Florian, die Landschaft ruft!“ Der erste Gedanke ist, mich einer begleiteten Fotoreise anzuschließen. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Mal ehrlich: Mit einer sechs- bis achtköpfigen Gruppe unbekannter Menschen für viel Geld Orte fotografieren, die mir ein Workshop-Programm zu festen Uhrzeiten vorschreibt? Hilfeee!

    Dann lieber mit wenig Geld mein eigenes Ding machen. Alleine komme ich gut klar, kann im Kopf alles neu ordnen und gehe niemand auf die Nerven. Andersherum genauso. Paradiesisch! Bei der Planung gehe ich rückwärts vor. Erster Schritt: Ziel festlegen und Flug buchen – damit ist schonmal der „Point of no return“ erreicht. Drei Stunden später ist klar: Es wird die portugiesische Atlantikinsel Madeira, der Flug geht in knapp drei Wochen – damit kann man doch arbeiten! Jetzt wird geplant.

    Abflug zur Fotoreise

    Als ich dieses (Handy-)Foto aus der Wartehalle am Flughafen mache, habe ich ganz schwitzige Hände vor Aufregung. Meine erste Reise seit Beginn der Pandemie!

    Gut & günstig

    Es sind die Nebelwälder, die mich bei dieser einwöchigen Madeira Fotoreise ganz besonders reizen. Dazu die raue Küstenlinie und: ausgedehnte Wanderungen in den Bergen. Ich verbringe die Abende vor der Abreise auf Google Earth – Brainstorming mit mir selbst! Mir ist schnell klar, dass mir der Süden der kleinen Insel zu touristisch und fotografisch wenig reizvoll erscheint. Bedeutet: Ich bleibe im Norden Madeiras und suche mir eine strategisch gut gelegene Ferienwohnung in Ponta Delgada. Von dort aus lassen sich alle mir wichtigen Orte in maximal einer Stunde mit dem Mietwagen erreichen.

    Ach so, um nochmal den Bogen zu einer begleiteten Fotoreise zu schlagen: Die Kosten für Flug, Unterkunft und Mietwagen belaufen sich bei meiner Madeira Fotoreise auf gut 900 Euro. Später kommen noch 200 Euro Spritkosten hinzu. Hätte ich es drauf angelegt, wären sogar noch einige Euro Ersparnis drin gewesen. Meine Nachrecherche ergibt, dass eine begleitete Fototour gleicher Dauer mit 2.300 Euro zu Buche schlägt – ohne Flug! Dazu an späterer Stelle mehr…  

    Karte Madeira Fotoreise

    Der Süden der Insel erscheint mir fotografisch wenig reizvoll. Also buche ich im mittleren Norden eine Unterkunft und kann so meine favorisierten Spots alle gut erreichen. (Screenshot: Google Earth)

    1. Die Felsnadeln von Ribeira de Janela

    Den Abend der Ankunft gehe ich ruhig an. Mein erster Fotospot am nächsten Morgen ist die schroffe Felsformation in Ribeira de Janela. Hier fließt Madeiras längster Wasserlauf in den Atlantik. Beides zusammen erklärt den Namen der Ortschaft und des gleichnamigen Wasserlaufs, der übersetzt so viel wie „Fensterfluss“ heißt. Weil: In dem größten der Inselfelsen befindet sich ein fensterähnliches Loch! 

    Madeira Fotoreise: Beliebter Spot ist Ribeira de Janela

    Ribeira de Janela. Hast du schon das Fenster im Felsen entdeckt?

    Lichtschein durch die Wolkendecke bei Ribeira de Janela auf Madeira

    Im Hintergrund der oberen Aufnahme ist bereits zu erkennen, wie sich einzelne Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke schummeln. Hier die Detailansicht. Sieht toll aus, oder?

    Felsnadel mit großer Welle in Ribeira de Janela.

    Atlantikwellen haben Zähne!

    Ungewöhnliche Perspektive mit Wasserfall in Ribeira de Janela.

    Perspektive und Licht sind die wichtigsten Elemente in der Fotografie, mit denen man kreativ arbeiten kann. Einen echten Wasserfall gibt es in Ribeira de Janela nicht. Es ist der Ablauf eines Wasserkraftwerks, den ich hier in der Vordergrund der Aufnahme rücke.

    Ribeira de Janela Langzeitbelichtung.

    Wenn man bedenkt, wie breit die Felsformation von der Seite betrachtet ist, mag man kaum glauben, dass sie bei direkter Draufsicht schmal wie ein Bowlingkegel ist.

    Die Felsformationen von Ribeira de Janela mit Lichtstrahlen der aufgehenden Sonne.

    Auf diesem Bild gut zu erkennen: das fensterähnliche Loch im Fels.

    Wie auf Island

    Mich fasziniert dieses urige Gebilde, an dem sich die schweren Atlantikbrecher die Zähne ausbeißen. Die Formation erinnert mich ein wenig an die Felsnadeln von Reykjanes (Island), die ich 2017 mit meinem Fotobuddy Holger fotografierte. Ebenfalls im Atlantik, aber gut 3.500 Kilometer weiter nördlich. Jetzt im Winter ist hier in Ribeira de Janela der Sonnenstand leider nicht optimal. Die Sonne bleibt ganztägig im Rücken der Insel, sodass jetzt ein dramatischer Sonnenauf- oder -untergang nicht zu fotografieren ist. Nun ja, die Sonne sehe ich bei dieser Madeira Fotoreise eh nicht allzu häufig. Kann man nix machen. 

    Die Felsnadeln in Reykjanes, Island

    Mich erinnern die Felsen von Ribeira de Janela an diese Felsnadeln, die ich 2017 in Reykjanes (Island) aufgenommen habe.

    Foto: Andrea Lazzarini

    Als ich am ersten Morgen die Felsen von Ribeira de Janela fotografiere, bin ich nicht alleine am Spot. Der Italiener Andrea Lazzarini fotografiert etwas oberhalb von mir und nimmt mich für diese Aufnahme mit ins Bild. Wir halten einen kurzen Plausch, später schickt er mir das Ergebnis aufs Handy. Tolle Geste! Dass wir uns bei dieser Madeira Fotoreise gleich mehrmals über den Weg laufen werden, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

    2. Posto Florestal Fanal – der „Feenwald“

    Von Ribeira de Janela sind es nur wenige Kilometer in den „Feenwald“ von Fanal. Dieser ikonische Ort ist sicherlich mein No.1-Spot bei meiner Madeira Fotoreise. Schon lange bestaune ich die mystischen Fotos der uralten verwachsenen, knorrigen Lorbeerbäume, die sich im Nebel zu gespenstisch anmutenden Kreaturen verwandeln. Ich drücke mir selbst die Daumen für dichten Nebel und habe bei meiner Ankunft in gut 1.100 Meter Höhe: richtig trübe Suppe! Jaaaa!!! Mich macht das ganz kribbelig. Nach Jahren bin ich endlich an diesem Ort und finde gleich meine absoluten Wunschbedingungen vor.

    Ich muss gestehen, dass ich die erste Stunde etwas fahrig fotografiere. So viele Eindrücke, so viele Formen, so groß meine Begeisterung. Erst mit der Zeit nehme ich mir Zeit für die Aufnahmen – jetzt werden sie besser. Und ich kehre im Verlauf der Woche drei weitere Male zu diesem verwunschenen Lorbeerwald zurück. 

    Der Nebelwald in Fanal ist ein absolutes MUSS bei einer Madeira Fotoreise.

    Insgesamt besuche ich den Nebelwald in Fanal viermal. An drei Tagen liegen die Bäume im Nebel. Als die Luft hingegen klar ist, bin ich beim vierten Besuch am Parkplatz gleich wieder umgekehrt. Hier MUSS einfach Nebel sein!

    Lorbeerbaum in Fanal auf Madeira

    Knorrige Lorbeerbäume im Feenwald auf Madeira

    Es scheint, als hätten die knorrigen Bäume Arme, Beine, Körper – und manchmal auch Augen!

    Klassiker bei dieser Madeira Fotoreise: die mystischen Lorbeerbäume von Fanal

    Haben sie auch eine Seele? Vermutlich stellen wir uns hier beide die gleiche Frage…

    Nebelwälder in Fanal bei Sonnenaufgang.

    Das könnte ich mir gut in Übergröße an der Wohnzimmerwand vorstellen. It’s a kind of magic!

    Ein Ergebnis dieser Madeira Fotoreise als Wandbild

    Posto Florestal Fanal mit Kühen.

    Unwirklich!

    Lorbeerwälder Madeira wandern

    3. Das Fischerdorf Seixal wird zu meinem Waterloo bei dieser Madeira Fotoreise

    Das kleine Fischerdorf Seixal liegt nur wenige Kilometer von meiner Unterkunft entfernt und bietet mir aus fotografischer Sicht reichlich Möglichkeiten, brechende Wellen in zerklüftetem Lavagestein zu fotografieren. Die See ist tückisch – und wird mir zum Verhängnis. Es sind nicht die kleinen, kabbeligen Wellen, die sich hier am Ufer entladen und dir Probleme machen. Ganz anders: Die Dünung des Atlantiks, also das langsame Heben und Senken des Wasserspiegels, beträgt trotz ruhig wirkenden Seegangs schnell mal drei bis vier Meter Höhenunterschied. Erst wenn diese Dünung aufs flache Uferwasser trifft, wird sie zu einer „echten“ Welle. Tückisch! 

    Wellen in Seixal.

    Die See wirkt glatt, hat es aber in sich, sobald die Dünung ans Ufer drückt! 

    Seixal mit wild tobenden Wellen

    Hier geht es schon ruppiger zu. Ohne Freischwimmer solltest du hier nicht reinfallen.

    Samt Ausrüstung von der Welle überspült

    In meinem Jahresrückblick 2021 hatte ich es schon erwähnt, hier nochmal in Kürze: Um die brechenden Wellen in ihrer Dynamik abzubilden, kraxele ich durch das schroffe Lavagestein bis an die Uferkante. Ich halte Sicherheitsabstand zum tosenden Wasser. Knapp 15 Minuten geht alles gut, ich mache sogar ein kurzes Handyvideo von diesem faszinierenden Wellenspektakel. „Ah, cool! Da rollt ein richtig dicker Brecher rein – wird ein super Foto!“ denke ich noch. Ich behalte Recht – aber sowas von! Die Welle baut sich auf…, wird größer…, größer…, gröööößer! Als mir das Weißwasser wie eine Wand entgegen kommt, ist mir klar, dass ich die Situation falsch eingeschätzt habe. Zu spät!

    „WUUUUSCH!!!“ Ich werde mitsamt meiner Ausrüstung überspült. Und das ist nicht alles. Ersatzkamera und -objektive liegen (genauer: lagen!) hinter mir im geöffneten Rucksack, der treibt jetzt mit Schlagseite im fast brusttiefen Wasser. „Ach du Sch***e!“ Ich springe rein, kriege alles gegriffen und rette mich triefend nass ans Ufer. Game Over! 

    Letztes Foto vor dem Unfall in Seixal

    Das letzte Foto aus meiner Sony A7R IV, bevor ich realisiere, dass von rechts eine Wand aus Wasser angeschossen kommt. Zu spät! (Im Hintergrund zu sehen: die Felsen von Ribeira de Janela.)

    Whatsapp Nachricht nach Fotounfall.

    30 Minuten nach dem Unfall schicke ich eine WhatsApp-Nachricht an meinen Reise- und Fotopartner Holger Kröger, der diesmal nicht dabei sein konnte. Zu diesem Zeitpunkt bin ich innerlich komplett leer. Ach, viel schlimmer: vakuumiert!

    Teile der Ausrüstung befanden sich kurzzeitig unter Wasser und sind damit automatisch als Totalschaden zu werten, andere Gegenstände kriegen „nur“ die fette Welle ab. Salzwasser ist wie ätzende Säure für das Fotoequipment. Ich bin jetzt nicht nur klitschnass, sondern auch völlig überfordert. Ich lasse das Wasser aus den Objektiven herauslaufen, rechne kurz durch, wie hoch der Maximalschaden sein könnte. Das hätte ich nicht tun dürfen. Äußerlich ruhig, innerlich zerstört raffe ich alles zusammen und fahre in die Unterkunft – erstmal sammeln. Resignation fühlt sich wie eine stumme innere Leere an. Schlimm. Übrigens: Wie alles ausgeht, erfährst du am Ende dieses Blogbeitrags. 

    4. Der höchste Berg Madeiras: der Pico Ruivo

    Mein zweitwichtigster Spot der Madeira Fotoreise ist ein toter Baum etwa 100 Höhenmeter unter dem höchsten Gipfel Madeiras – dem Pico Ruivo, der 1.862 Meter weit in den Himmel ragt. Ich hatte in einem YT-Video des britischen Landschaftsfotografen Nigel Danson diesen Spot gesehen und war total geflasht davon. Den gleichen Baum finde ich im Instagramprofil des Fotografen Maxim Moskalenko wieder und schreibe ihn via PN an. Maxim gibt mir reichlich Tipps für Madeira mit auf die Reise. Und: eine Wegbeschreibung zu dem Spot mit dem toten Baum! Tschakkaaa! (Danke nochmal, Maxim!)

    Der Fotograf Maxim Moskalenko

    Der Fotograf Maxim Moskalenko lebt in der Schweiz, war einige Monate zuvor mit dem Fotoapparat auf Madeira und gibt mir hilfreiche Tipps für meine Madeira Fotoreise mit auf den Weg. Tiptop!

    Alles Taktik!

    Bei meiner Madeira Fotoreise gehe ich taktisch vor. Morgens und Abends möchte ich jeweils zum besten Licht an einem meiner ausbaldowerten Spots stehen, während ich tagsüber die Zeit zum Scouten nutze. Diese Vorgehensweise hilft mir sehr, die Orte nach den Erkundungstouren besser einzuschätzen und mit diesem Wissen zu entscheiden, zu welcher Zeit und bei welchen Bedingungen ich wohin zum Fotografieren zurückkehre. Womit wir wieder beim toten Baum von Nigel Danson sind. Meinen ersten Hike zum Gipfel des Pico Ruivo trete ich nachmittags an und hoffe auf einen tollen Sonnenuntergang. 

    Der Weg auf den Gipfel von Madeiras höchstem Berg, dem Pico Ruivo.

    Der Trail zum Gipfel ist ein Traum!

    Der Gipfel vom Pico Ruivo, Madeira.

    Über den Wolken! Der Weg zum Gipfel ist auch für Einsteiger wie mich geeignet. Ausgesetzte Stellen gibt es nicht.

    Dead Trees of Pico Ruivo.

    Tausende tote Bäume befinden sich an den Hängen des Picu Ruivo. 2016 hatte es hier einen verheerenden Waldbrand gegeben, der diese knochig-weißen Baumskelette hinterlassen hat – gespenstisch! Einer davon steht auf einem kleinen Plateau direkt am Abgrund und wird bei dieser Madeira Fotoreise zu einem meiner Top 3-Spots. Hier treffe ich ein zweites Mal auf den Italiener Andrea Lazzarini – was für ein Zufall. 

    Schutzhütte auf dem Weg zum Gipfel des Pico Ruivo auf Madeira.

    Viel zu früh verschwindet bereits am späten Nachmittag die untergehende Sonne hinter den Bergkuppen. (Hier beim Abstieg.) Der Pico Ruivo ist definitiv ein Spot für den Sonnenaufgang.

    Wegweiser für Wanderungen auf Madeira.

    Wehe hier steckt jemand die Schilder um! 

    Ich komme wieder!

    Als Norddeutscher bin ich nicht mit Bergen vertraut. Erstaunlicherweise muss ich relativ häufig BERGAB wandern, obwohl ich doch BERGAUF zum Gipfel möchte. Ich hatte nicht bedacht, dass man immer wieder durch Senken laufen muss, wenn man einen Berg hinauf möchte. Ich finde das anstrengend und gemein! Aber so sind wohl die Berge. 

    Die Sache mit dem Gipfel und der Aussicht stimmt! Bergsteiger sagen immer, dass die Belohnung für einen Aufstieg zum Gipfel in seiner Aussicht steckt. Ist was dran! Als ich schwitzend auf der Bergspitze des Pico Ruivos stehe, denke ich: Für diese Aussicht hat sich jeder Tropfen Schweiß ausgezahlt. Toll, von hier oben auf den Rücken der Wolkendecke zu blicken! 

    Jetzt runter zum Baum. Es stellt sich heraus, dass das Nachmittagslicht aus fotografischer Sicht nicht dolle ist. Noch bevor die Sonne die Szenerie in goldenes Licht tauchen kann, verschwindet sie hinter der Gipfelkuppe. So wird das nichts mit meinem Wunschfoto, auf dem ich mir den toten Baum im warmen Sonnenlicht samt mystischer Nebelschwaden im Hintergrund vorstelle. Es nützt nichts: Ich muss morgens zum Sonnenaufgang hier oben sein. In den letzten drei Tagen werde ich also jeden Morgen im stockdunklen mit der Kopflampe auf der Stirn zum Baum wandern, um ihn letztlich in tollem (aber nicht bestem) Licht zu erwischen. Verrückt.

    5. Die Steilklippen von Ponta de Sao Lourenco

    Als ich vom Pico Ruivo zum Auto zurückwandere, öffnet sich für einen kurzen Moment die Wolkendecke und ich kann einen Blick auf die Ostküste Madeiras werfen. Beeindruckend – schon aus dieser Entfernung! Das langgestreckte Naturschutzgebiet mit seinen bizarren Felsen bietet einmalige Panorama-Meerblicke aus teils luftigen Höhen. Dort verbringe ich die kommenden zwei Tage. Es gibt nur einen Trampelpfad, der sich über die Felsen des Kaps schlängelt – Autos verboten. Auch hier führt der Weg zum Ziel auf und ab. Apropos: Das Ziel am ersten Scouting-Tag ist das knapp 4 Kilometer entfernte „Casa do Sardinha“, ein kleines Restaurant am Ende der Halbinsel. Zum Fotografieren sind aus meiner Sicht der Aussichtspunkt Ponta do Rosto und die höchste Erhebung des Kaps (in der Nähe des Parkplatzes Sao Lourenco) am schönsten. 

    Blick auf Sao Lourenco

    Als sich beim Abstieg vom Pico Ruivo für einen Moment die Wolkendecke öffnet, kann ich aus der Höhe einen ersten Blick auf die gut 20 Kilometer entfernte Ostspitze Madeiras werfen. Die steinig-karge Halbinsel unterscheidet sich deutlich von der üblichen Erscheinung Madeiras.

    Ich beginne am nächsten Morgen etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang in Ponta do Rosto am Aussichtspunkt zu fotografieren. Der lässt sich sogar bequem mit dem Auto erreichen. Ich bin nicht der Erste. Eine begleiteter Foto-Workshop ist bereits dort. Sieben Fotografen stehen Schulter an Schulter, Stativ an Stativ am Geländer des Aussichtspunktes. Irgendwie witzig. So sähe also meine Realität aus, wenn ich mich für eine organisierte Fotoreise entschieden hätte. Ich bin froh, alleine zu sein.

    Du bist machtlos, wenn das Licht nicht stimmt

    Es kommt schlimmer. Der Himmel ist bedeckt (doof!), in die Riege der Rudelknipser möchte ich mich nicht einreihen. Weg hier! Ich gehe links auf die nächste Bergspitze und stehe jetzt 100 Meter entfernt und 20 Meter über der Workshop-Gruppe. Die Fotos werden so „naja“. Bewölkung halt, kannst nix machen. Rechts neben der langgezogenen Halbinsel würde die Sonne hochkommen, wenn sie sich nicht hinter dem Wolkenvorhang versteckt hielte. Ärgerlich. Du kannst die beste Ausrüstung haben, wenn das Licht nicht stimmt, bist du machtlos. Zehn Minuten später wird es spannend! In die Wolkendecke kommt leichte Farbe – ganz subtil. Eher Magenta als Orange. Das bedeutet, dass die Sonne irgendwo eine Lücke findet und von unten in die Bewölkung färbt. Zu sehen ist sie nicht. Trotzdem ein gutes Zeichen. Könnte doch noch was werden mit einem schönen Foto heute. Mal abwarten…

    Bewölkung am Aussichtspunkt Ponta do Rosto

    Die starke Bewölkung in Ponta do Rosto am frühen Morgen ist etwas enttäuschend. Ich mache einige Fotos, ja. Richtig doll werden die aber nicht. Das denkt sich auch der anwesende Foto-Workshop und verlässt den Ort – trotz vielversprechender Vorzeichen – wenige Minuten vor einer wahren „Lichtexplosion“. 

    Der Himmel wird immer besser

    Jetzt kommt Bewegung in die Fotogruppe. Klar, die müssten den Wink mit dem Zaunpfahl ebenfalls erkennen, auf jeden Fall aber deren Tourguide. Häh, was machen die? Die Gruppe schraubt tatsächlich die Stative zusammen und stapft zum Auto! Echt jetzt? Echt jetzt! Es dauert ein bisschen, dann sitzen alle im Minibus und brausen davon. „Mööp-mööp!“ Der Himmel wird immer besser. Magenta verwandelt sich in Orange, die Wolkendecke bricht nach und nach auf. Innerhalb von fünf Minuten explodiert der Himmel und die warme Sonne lacht schadenfroh von hinten in die Felsformationen. Es ist traumhaft! Mein Auslöser rattert! Und der Foto-Workshop sitzt im Auto auf dem Weg nach nirgendwo. Im Konjunktiv ausgedrückt: Wenn ich dort jetzt als zahlender Tourteilnehmer im Auto sitzen würde, hätte ich vermutlich schlechte Laune ob der verpassten Chance bekommen. 

    Der Aussichtspunkt Ponta do Rosto ist ein beliebter Spot bei jeder Madeira Fotoreise

    It’s all about light! Als die Wolkendecke aufbricht, herrscht für etwa 20 Minuten ein ganz hervorragendes Licht. Yiieehaaah! (Spoiler: Siehst du die Spitze des höchsten Berges, rechts oben im Bild? Das wird mein Fotospot für den kommenden Morgen!)

    Ponta do Rosto fotografieren bei Sonnenaufgang.

    Schau mal, wie von hinten die Sonne in die aufgewirbelte Gischt scheint. 

    Höhenangst!

    Für den nächsten Morgen nehme ich mir die hohe Bergspitze an der nördlichen Steilklippe vor. Die Kopflampe weist bei völliger Dunkelheit den Weg, ich verliere trotzdem den Pfad und kraxele querfeldein nach oben. Schwindelfrei bin ich nicht. Nicht mehr! Seit etwa dem 40. Lebensjahr habe ich Höhenangst entwickelt und die wird von Jahr zu Jahr schlimmer.

    Hoch finde ich weniger schlimm als runter, außerdem ist es ja dunkel – das hilft. Dennoch weiß ich: Gleich neben mir geht es exakt 126 Meter senkrecht nach unten. Ich fühle mich nicht wohl. Na gut, ich möchte ehrlich bleiben: Ich habe Angst. Höhenangst. Aber: Gegen Angst hilft nur WOLLEN. Und ich will dieses dramatische Foto von dort oben un-be-dingt machen. Weiter!

    „Florian, is it you?“

    Wenige Meter vor der Spitze knipst plötzlich jemand seine Kopflampe an und leuchtet mir ins Gesicht. „Florian, is it you!?“ Zum dritten Mal treffe ich meinen italienischen Fotokollegen Andrea Lazzarini wieder. Klar, wenn zwei Fotografen mit gleichen Gedanken Wind und Wetter checken, trifft man sich eben an den besten Spots wieder. Heute war er schneller als ich und kauert bereits hinter seinem Stativ direkt an der Kante zum Abgrund. Ich bin froh, hier oben nicht alleine zu sein und: dass jemand zwischen mir und dem Abgrund sitzt! Wir verbringen eine gemeinsame Stunde (bei schlechtem Licht und starkem Wind) auf der Spitze und müssen dann rasch herunter – Gewitter im Anmarsch! Aaaargh!

    Fotografen bei Sao Lourenco.

    Auf dem höchsten Berg der Halbinsel treffe ich zum dritten Mal auf meinen italienischen Fotografenkollegen Andrea Lazzarini. (Handyfoto) Trotz Weitwinkel ist es nicht leicht, die vorgelagerten Inseln mit aufs Foto zu bekommen. Man muss das Stativ dafür am äußersten Rand der Klippe aufbauen. Einen Meter neben Andrea geht es ganz genau 126 Meter senkrecht in die Tiefe. Ich bin froh, rechts zu stehen. Links hätte ich mir in die Hosen gemacht! 

    Blick auf die Halbinsel im Osten bei Sao Lourenco auf Madeira.

    So sieht das Ergebnis dieses Morgens aus. Schade, dass die Sonne nicht herauskommt. Ach so, siehst du am Ende der Inselformation den dunklen Bereich in der hellen Senke? Dort liegt das Café „Casa do Sardinha“ zu dem ich am Vortag hingewandert bin.

    Felsspitzen bei Sao Lourenco, Madeira.

    Wanderschuhe für Madeira

    Die Schuhe sind müde und ausgelaugt – ich bin es auch.

    Halbinsel im Osten Madeiras bei Sonnenaufgang

    Ein einziges Mal durchbrechen Sonnenstrahlen die Wolkendecke, dann ist auch schon ein Gewitter im Anmarsch. Schnell weg von hier!

    Gewitter auf dem Atlantik mit kleinem Segelboot.

    Ein einsames Segelboot. Immer rein in die Suppe!

    Regenbogen bei Sao Lourenco.

    Ohne Regen kein Regenbogen – so einfach ist das!

    Der letzte Morgen: bestes Licht am Pico Ruivo

    Inzwischen bin ich bereits dreimal zum toten Baum am Pico Ruivo gewandert, war aber nie ganz zufrieden mit dem Licht. Zu viel Nebel, zu wenig Nebel, gar kein Nebel, falscher Nebel. Irgendwas ist immer. Am Morgen des Abflugs will ich es nochmal wissen. Um 14 Uhr muss ich am Flughafen sein. Für einen Aufstieg vor Sonnenaufgang reicht die Zeit, spätestens um 9 Uhr muss ich absteigen. Aber das weiß jeder Landschaftsfotograf: Ab 9 ist in der Natur eh alles gelaufen! 

    Gehört bei einer Madeira Fotoreise unbedingt dazu: Der Weg zum Gipfel des Pico Ruivo.

    Am ersten Morgen fehlt der Nebel. Das Licht ist nicht schlecht, mir aber irgendwie zu „clean“. 

    Der tote Baum

    Einen Tag später herrscht morgens so viel Nebel, dass die gegenüberliegende Bergkette nicht mehr zu erkennen ist. Auch irgendwie blöd. Einen Versuch am Tag der Abreise habe ich noch…

    Der gepackte Koffer liegt im Auto, als ich mich zum vierten Mal auf den Weg nach oben mache. Bald ist die Madeira Fotoreise vorbei. Die Nacht ist klar und kalt, der steinige Weg nach oben stellenweise mit Eis überfroren. Viel zu früh bin ich oben und beobachte die Sterne. Kein gutes Zeichen. Wer Nebel will, sollte keine Sterne erkennen können. Klaren Himmel finde ich für diesen Spot einfach nicht so passend. Ich wünsche mir ein geheimnisvolles Foto, keine Postkartenidylle.  

    Madeira Fotoreise – alles wird gut!

    Die Nacht weicht dem Tag und der Himmel wird klarer und klarer. Offizieller Sonnenaufgang ist um 8:02 Uhr. Es ist 7:55 Uhr als über den Berghang in meinem Rücken feinste Nebelschwaden in das vor mir liegende Tal ziehen. Und dann geht alles so schnell, wie es vermutlich nur in den Bergen vor sich gehen kann. (Ich bin ja Norddeutscher und weiß sowas nicht.) Innerhalb von Minuten wird der Nebel dichter und dichter. Er kommt nicht in vereinzelten Dunstwolken, sondern wird einfach immer dicker. Wie weiße Béchamelsauce, die man mit Mehlschwitze bindet. Um 8:15 Uhr ist der gegenüberliegende Bergkamm bereits in einer weißen Nebelwand verschwunden. Zwischen gar keinem und viel zu viel Nebel liegen also rund 20 Minuten. Genug Zeit, um „mein“ Bild zu machen, (fast) wie ich es mir gewünscht habe. Schnell zum Flughafen! 

    Madeira Fotoreise - die toten Bäume am Pico Ruivo.

    Auf den letzten Drücker schiebt sich pünktlich zum Sonnenaufgang geheimnisvoller Nebel ins Bild, der von links durch die Sonne beschienen und in gelb-oranges Licht getaucht wird. Das kommt meinem Zielfoto dieser Madeira Fotoreise ziemlich nahe und macht mich sehr glücklich. Fotografieren ist salopp ausgedrückt: geil!

    DasErgebnis dieser aufregenden Madeira Fotoreise als hochwertiger Druck

    Auf dieser Couch würde ich gerne herumlümmeln. 

    Beim Waldbrand 2016 auf Madeira sind tausende Bäume verbrannt und stehen heute als Skelette in der Landschaft.

    Das könnte ich mir den ganzen Tag anschauen!

    Nebel in den Bergen Madeiras.

    Nebel am Pico Ruivo bei einer Madeira Fotoreise.

    Urlaub vorbei – zurück zum Flughafen!

    Übrigens: Einige meiner Madeira-Fotos kannst du direkt auf dieser Homepage als Highend-Druck auf Leinwand, Alu Dibond, Holz, Acrylglas oder Künstlerpapier ordern. Hier geht es direkt in die Galerien: LEINWAND-SHOP

    Randnotiz: Infos zur Fotoversicherung und meinem Unfall

    Da ich mit etlichen Fotografen verbunden bin, die hier auch immer wieder vorbeischauen, ein paar Sätze zu meinem Fotounfall. Vor vielen Jahren habe ich über die „Aktivas Assekuranz GmbH“ eine Fotoversicherung für mein Equipment abgeschlossen, die ich jährlich dem Umfang meiner sich ständig verändernden Ausrüstung anpasse. Ich habe mich für die teuerste Premium-Variante entschieden, die mich im Jahr rund 800 Euro kostet. Das ist ne Menge Holz! Der erste Impuls mag sein, dass man diese 800 Euro lieber sparen möchte. Das verstehe ich. Andererseits möchte man aber auch keine Ausrüstung im Wert von vielen Tausend Euro durch Dummheit, Dieb oder Desaster verlieren. In meinem Fall ist das Equipment ja auch die Grundlage meiner beruflichen Existenz. Es wäre fahrlässig, KEINE Versicherung abzuschließen!

    Mit meinem Unfall habe ich nun innerhalb von mehr als zehn Jahren meinen vierten und bisher größten Versicherungsfall. Der anfangs befürchtete Totalverlust der mitgeführten Ausrüstung stellt sich nach mehreren Gutachten immerhin noch als ein Schaden in Höhe von rund 5.500 Euro dar. Autsch! 

    Der Sony Imaging Pro Support

    Meine Schadenmeldung und -abwicklung leite ich bereits am Unfalltag aus der Ferienwohnung dieser Madeira Fotoreise in die Wege. Als Berufsfotograf und guter (nein: sehr guter!) Sony-Kunde bin ich Mitglied des „Sony Imaging Pro Supports“. Letztlich ist das eine besondere – und sehr angenehme – Form der Kundenbetreuung. Ich schildere dem Support-Team also per E-Mail meinen Unfall und den zu befürchtenden Schadenumfang. Zwei Stunden später erhalte ich einen Rückruf, in dem mir die weitere Vorgehensweise erklärt wird: Für den Folgetag nach meiner Ankunft in Hamburg wird von Sony die Abholung der Gerätschaften organisiert, damit die beiden betroffenen Kameras und die Objektive bei der Vertragsfirma Geissler GmbH begutachtet und ggf. repariert werden können. Ergebnis: Die Gutachten und in Auftrag gegebenen Reparaturen sind innerhalb einer Woche erledigt. Klasse!

    B.I.G. hilft!

    Ein systemfremdes LAOWA-Objektiv (dafür kann Sony selbstverständlich nicht zuständig sein) wird ebenfalls innerhalb einer Woche vom Importeur B.I.G. in Weiden begutachtet und als Totalschaden dokumentiert. Hier ist es LAOWA Product Manager Guido Wystrichowski, der mich noch auf Madeira kontaktiert und alles in die Wege leitet. Richtig gut! Eine eher enttäuschende Reaktion habe ich in diesem Zusammenhang bei meinem Fachhändler „Foto-Koch“, bei dem ich in der Vergangenheit bereits für mehrere Tausend Euro Equipment (und besagtes LAOWA-Objektiv) kaufte und den ich zunächst vor B.I.G. wegen des Laowas kontaktiere.

    Runtergebrochen: Mann könne da nicht viel machen. Dauert alles seine Zeit. „Ja, ich verstehe, dass Sie das Equipment für Ihren Beruf brauchen, Herr Läufer. Sechs bis sieben Wochen wird das alles aber dauern! Nein, schneller geht’s leider nicht. Tut mir sehr leid!“ Ich erkläre, dass aus dem Objektiv Salzwasser herausgelaufen ist und damit ein Totalschaden vollkommen unstrittig sein wird. Ich müsse das für die Schadenmeldung aber eben schriftlich bestätigt haben – ein Zweizeiler reicht! „Tut mir leid, Herr Läufer!“ (Das alles mit einer gehörigen Portion Gleichgültigkeit in der Stimme. Mir wird klar, dass ein Händler wahrscheinlich gar nicht helfen, sondern eigentlich nur verkaufen will. Dass man perspektivisch mehr verkaufen könnte, WEIL man hilft, ist vermutlich zu abstrakt gedacht.) Erst danach kontaktiere ich den oben erwähnten LAOWA-Importeur und erfahre eine unfassbar wertvolle und raketenschnelle Hilfe. Geht, man muss es nur wollen.  

    Fotoversicherung? Jeden Euro Wert!

    Ich habe eine Woche nach meiner Rückkehr also alle benötigten Gutachten für die Versicherung beisammen. Dazu suche ich die jeweiligen Einkaufsrechnungen aus meinen Unterlagen heraus und übermittele alles mit einer Schadenmeldung an die Aktivas. Die liebe Frau Palatzky der Aktivas meldet sich noch einmal per Telefon und macht mir Mut, dass die Sache in Kürze aus der Welt ist. Alles ist wie in einer Fernsehwerbung, nur in echt! Durch die Weihnachtstage und den Jahreswechsel kommt es zu minimaler Verzögerung, gleich zu Jahresbeginn erfolgt die Schadenregulierung. Und zwar ohne Wenn und Aber und alles zum versicherten Neupreis! Zwischen Unfall und Gutschrift liegt exakt ein Monat – inklusive Rückreise, Versandwege des Equipments, Gutachtenerstellung, sowie Weihnachtstage und Jahreswechsel. Solche Versicherung wünscht man sich! Die gibt es zwar nicht kostenlos, ist im Fall des Falles aber jeden Euro wert. Think about it!    

    In eigener Sache:

    Wenn du auch in Zukunft Blogartikel wie diesen von der Madeira Fotoreise von mir lesen möchtest, dann markiere meine Facebook-Seite mit Gefällt mir – so verpasst du keine Neuigkeiten. Auf meinem Instagram-Account zeige ich ebenfalls regelmäßig tolle Landschaftsfotos. Fragen, Anregungen, Kritik? Dann komme gerne über das Kontaktformular ins Gespräch mit mir. Ich freue mich auf deine Nachricht.

  • Freie Arbeit: Heide fotografieren – die Farbe Lila

    Freie Arbeit: Heide fotografieren – die Farbe Lila

    Schon im vergangenen Jahr wollte ich die blühende Heide fotografieren und machte mich mit meinem Landschaftsfotografen-Buddy Holger Kröger auf den Weg in das riesige Gebiet der Lüneburger Heide. Es gab nur ein Problem: Der Hitzesommer 2018 hatte einen Großteil der Pflanzen verdorren lassen. Riesige lilafarbene Felder mit blühenden Heidekräutern? Vergiss es! 

    Geduld ist eine Tugend. Also warteten wir auf die diesjährige Heideblüte. Nach ein wenig Location-Scouting war klar: Dieses Jahr wird’s was. Und wie! Aber: Wer die (Lüneburger) Heide fotografieren will, braucht eine Eintrittskarte. Und die heißt „Fußmarsch“. Das über 1.000 Quadratkilometer große Gebiet des Naturparks Lüneburger Heide darf nicht mit dem Auto befahren werden. Von welcher Seite man auch kommt: Einige Kilometer vor der flachwelligen Heidelandschaft muss das Auto abgestellt und die lila Pracht erwandert werden. Ein durchschnittlicher Morgen (oder Abend) unserer Fototouren bestand also aus rund 70 Kilometern Anfahrt und 10 Kilometern Marsch. 

    Sitzbank in der Lüneburger Heide zum Sonnenuntergang

    Mein erster Besuch der Lüneburger Heide war in diesem Jahr eher eine spontane Entscheidung. Wetterbericht geguckt, Sonne war versprochen, Sonnenuntergang habe ich bekommen. Ich mag dieses Foto sehr!

    Heidschnuckenstall in der Lüneburger Heide

    Ein Heidschnuckenstall in der Lüneburger Heide.

    Hier wird Heidehonig gemacht. Fotograf: Florian Läufer

    Wo kommt eigentlich der Heidehonig her? Von hier!

    Landschaftsfotograf Holger Kröger

    Holger und ich haben schon etliche Fototouren miteinander unternommen. So gut kenne ich ihn inzwischen: Wenn er diesen Blick hat, sind bereits erste gute Fotos auf die Speicherkarte gebannt. Oder, Holger?

    heideblüte in der Abenddämmerung

    Je nach Umgebungslicht variiert die Farbe der Blütenpracht. Im dämmerigen Abendlicht sieht die Heide dann so aus.

    Birken in der Abenddämmeru ng in der Fischbeker Heide

    Jetzt noch ein bisschen Nebel… Man kann nicht alles haben!

    Heide fotografieren – perfekte Bedingungen

    Was im letzten Jahr nicht blühen wollte, kommt dieses Jahr doppelt so schön zum Vorschein. Das Heideblütenbarometer zeigt ausschließlich in Richtung Lila! In diesem Jahr sind sich alle Fans der Blütenpracht einig: Es ist die schönste Blüte der letzten Jahre. Ich muss allerdings gestehen: Holger und ich sind anspruchsvoll! Am liebsten sind uns Vollblüte, Morgennebel und eine aufgehende Sonne. Wir machen schöne Fotos an den sonnigen Abenden, ja. Als aber eines Morgens die Bedingungen passen, können wir endlich unsere Wunschfotos umsetzen. Ein Traum in weichgezeichnetem Lila. Jetzt drücken wir uns selbst die Daumen, noch einen zweiten Tag mit ähnlichen Bedingungen zu erleben. Wer weiß? Mit ein wenig Glück…

    Sturm kommt auf, gleich legt das Gewitter los. Fischbeker Heide

    Ein Sturm kommt auf – die Heide ist in Bewegung. Ich war kaum zehn Minuten vor Ort, als dieses Foto entstand und fuhr keine zehn Minuten später wieder nach Hause. WOLKENBRUCH!

    Heide fotografieren mit dem Fotograf Florian Läufer

    Fotograf Florian Läufer – was er hier fotografiert, zeigt die nächste Aufnahme… (Fotocredit: Holger Kröger)

    Weitwinkelaufnahme der Heideblüte

    Weitwinkel-Aufnahme von der Heide.

    Sonnenuntergang Heideblüte

    Zum Abend kommt nochmal ein bisschen Drama in den Himmel.

    Heide fotografieren - Panorama vom Totengrund im Morgennebel

    Jaaaaa!!! So haben wir es uns gewünscht! Der Morgennebel hält sich bis ca. 8 Uhr in den Senken.

    Totengrund in der Lüneburger Heide

    Heidelandschaft im Morgennebel

    Wie eine andere Welt!

    Heide fotografieren zum Sonnenaufgang

    Eines meiner Lieblingsfotos aus der Lüneburger Heide. Übrigens: Der Verein Naturschutzpark e.V. sorgt für die Pflege und den Erhalt der Heideflächen. Mit einer Spende in Höhe von 225,- Euro bekommst Du „Deine“ Bank samt Gravurplatte in der Heidelandschaft aufgestellt – unterstützenswert! Hier geht es zu den Hütern der Heide: KLICK

    Spinnennetz im warmen Licht der aufgehenden Sonne

    Übrigens: Einige meiner Heidefotos kannst du direkt auf dieser Homepage als Highend-Druck auf Leinwand, Alu Dibond, Holz, Acrylglas oder Künstlerpapier ordern. Hier geht es direkt in die Galerien: LEINWAND-SHOP

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  • Freie Arbeit: Lofoten fotografieren im Winter (Part II)

    Freie Arbeit: Lofoten fotografieren im Winter (Part II)

    Und wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo die Sonne her!“ So geschehen auf unserem Fototrip, bei dem „Lofoten fotografieren im Winter“ auf dem Plan stand. Wenn du den ersten Teil dieses Blogs gelesen hast, dann erinnerst du dich vielleicht: Mein Buddy Holger Kröger und ich hatten offenbar ein Abo auf Sturm, Hagel, Sturm, Schnee und Sturm abgeschlossen. Meine Güte, was für ein fürchterliches Wetter! Ernsthaftes Fotografieren ist oft stundenlang nicht möglich. Wir nutzen die wenigen und kurzen Phasen, in denen die Bedingungen wenigstens nur mittelschlecht sind. Und damit ist die Abwesenheit von Niederschlag (in flüssigem, halbflüssigem und festem Aggregatzustand) gemeint. Mehr erwarten wir nicht.

    Lofoten fotografieren im Winter: Erste Zielfotos im Kasten

    Na gut, ich will hier nicht zur Litanei der ewigen Klage einstimmen. Unser absoluter Hotspot dieser Reise soll das kleine Fischerdorf Hamnøy sein. Genauer: der Blick von der Brücke auf die roten Fischerhütten – die Rorbuer – in Hamnøy. Dass wir genau fünf Mal die 60 Kilometer von unserer Unterkunft in Gravdal antreten, um endlich, endlich, endlich unsere Traumbedingungen vorzufinden? Geschenkt! Alles vergeben und vergessen! Fotografieren ist ja so: Du hast klar definierte Zielbilder im Kopf, die du an der jeweiligen Location technisch umsetzen möchtest.

    Wenn du im Studio arbeitest, ist das leicht, schließlich stellst du selbst die Lichtsituation her. Als Landschaftsfotograf hast du es hingegen mit dem Wetter zu tun und das richtet sich nunmal nicht nach dem Wetterbericht – und schon gar nicht nach deinen Wünschen. Geduld ist ein Tugend – verflixt nochmal! Machen wir es kurz: Bei den ersten vier Anläufen kauern wir ziemlich erbärmlich hinter unseren Fotoapparaten und sehnen uns bessere Bedingungen herbei – erfolglos. Lofoten fotografieren im Winter? Sei gewarnt: Das Wetter macht dich klein!

    Lofoten fotografieren im Winter: Die Kirche in Gravdal während der blauen Stunde

    Geht schlechter: Keine 50 Meter von der Kirche in Gravdal entfernt liegt unsere Unterkunft dieser Fotoreise.

    Sturm in Hamnoy

    Sturm in Hamnøy – das ist nicht ohne!

    Der Lilandstinden von Hamnoy mit Fischerboot im Sturm. So ist das beim Lofoten fotografieren im Winter!

    Verrückt, plötzlich legt dieses Fischerboot ab. Sind die denn irre?

    Festhalteeeeen!!! (Fotocredit: Holger Kröger)

    Lofoten fotografieren im Winter. Hier ein Making of in Hamnoy

    Lofoten fotografieren im Winter: Für die roten Fischerhütten in Hamnøy gibt es zwei Spots. Entweder fotografierst du oben von der Brücke oder du kletterst unten auf die Steine und nimmst einen niedrigen Kamerastandpunkt ein. Aufgrund des Sturmes ist es stellenwiese unmöglich, auf der Brücke zu stehen und du musst dich am Geländer festklammern. Fotografieren mit Stativ? Vergiss es! Unten ist es etwas erträglicher, hier werden wir aber vom Schnee überrascht. Irgendwas ist ja immer…

    Klassiker: Hamnoy in den frühen Morgenstunden

    Beim dritten oder vierten Anlauf gelingt mir diese Aufnahme im Morgenlicht. Ich bin ganz happy über das Foto – aber es ist noch nicht das, was ich im Hinterkopf hatte.

    Nun aber…

    Jetzt, beim fünften Versuch am vorletzten Tag, stimmt für eine gute Stunde alles: Blauer Himmel mit Schäfchenwolken, sporadische Sonneneinstrahlung und bewegtes Wasser an den vorgelagerten Klippen! Wir feixen wie kleine Kinder und sind es in diesem Moment vermutlich auch. Hamnøy in bestem Licht – unseren Zielfotos steht jetzt nichts mehr im Wege! Die Auslöser rattern.

    Die roten Fischerhütten von Hamnoy im besten Licht

    Hamnoy und seine berühmten Rorbuer

    Jaaaa!!! Diese Aufnahmen kommen meinem Ideal schon sehr nahe: Niedrigwasser, Wellen, tolles Licht, Drama im Himmel! *Florian glücklich*

    Lofoten fotografieren im Winter – Sturm auf Sakrisøy

    Gleich hinter der Brücke von Hamnøy liegt die winzige Insel Sakrisøy mit ihren gelben Stelzenhütten. Man darf es so sagen: Bunt können die Norweger! Hier sind farbig angepinselten Häuser vermutlich halb Tradition, halb Intuition – man weiß, was Touristen aus aller Herren Länder lieben und sehen wollen. Wieso, weshalb, warum ist uns egal. Die knallgelbe Rorbuer-Front vor dem 675 Meter in die Höhe ragenden Olstinden ist der Hammer! Und das Beste daran: Der vorgelagerte Flachwasserbereich, der durch das satte Türkis fast schon karibisch anmutet.

    Das weiß jeder Fotograf: Perspektive ist alles! Wir klettern auf den gegenüberliegenden Berg. Hier erleben wir beim ersten Besuch den stärksten Sturm unseres Aufenthalts. An einem Strommast klammern wir uns während der Spitzenstärken von 150 km/h Windgeschwindigkeit fest. Ich habe Angst um mich und meine Ausrüstung, finde es aber irgendwie auch ganz cool hier oben. Ich frage mich: „Warum? Warum tust du das hier?“ Und dann ist mit der nächsten Frage alles geklärt: „Warum nicht?“ 

    Die kleine Insel Sakrisoy auf den Lofoten mit den gelben Fischerhütten

    Die kleine Insel Sakrisøy mit ihren gelben Fischerhütten. Dieses Foto entstand vom gegenüberliegenden Berg. Ich war an diesem Tag schon dreimal hinaufgeklettert, war aber nie ganz zufrieden mit dem Licht. Als sich am Abend für wenige Minuten die Wolkendecke hinter dem Olstinden lichtete, kletterte ich ein viertes Mal hinauf. Es hat sich gelohnt!

    Gelbe Fischerhütte vor dem Olstinden

    Die kleine gelbe Hütte vor dem Olstinden. Dieses Motiv ist ein Klassiker und findet sich in jedem Portfolio von Landschaftsfotografen, die auf den Lofoten fotografiert haben. 

    Sakrisoy im besten Licht fotografiert

    Gelbe Rorbuer auf der kleinen Insel Sakrisoy

    Sonnenschein und blauer Himmel über den gelben Fischerhütten auf Sakrisøy. Solche Bedingungen haben wir während unseres Acht-Tage-Trips insgesamt für etwa acht Stunden.

    Weiße Fischerhütten Lofoten

    Sag nie wieder „Fischkopp“ zu einem Hamburger!

    Egal, wo du dich auf den Lofoten aufhältst, der Stockfisch ist allgegenwärtig. Schon seit Hunderten von Jahren hängt der Kabeljau – der hier Skrei genannt wird – in salziger Küstenluft an den Holzgestellen. Während der mehrwöchigen Trocknungsphase wird der Fisch haltbar gemacht. Kopf und Innereien sind üblicherweise entfernt, die Flanken paarweise an den Schwanzflossen zusammengebunden und dann an den Gestellen (norwegisch: Stokk) aufgehängt. So weit, so duftig. 

    Auffällig ist, dass geschätzt 75% der Holzgestelle ausschließlich mit Kabeljauköpfen bestückt sind. Ein Anblick wie in der Fisch-Geisterbahn. Holger und ich können uns beim besten Willen nicht vorstellen, was man mit Millionen (!) dieser Köppe anfangen soll/will/muss. Dass die Zunge des Skrei eine Delikatesse ist, wissen wir. Aber der fleischarme Schädel? Google gibt die Antwort: Afrikaner werfen ihn in den Suppentopf! Knapp zwei Cent wird pro Kopf bezahlt, dann gehen sie in Containern nach Westafrika. Unter uns: Ich weiß nicht, was ich darüber denken soll. Ist die Fischkopfsuppe tatsächlich eine Delikatesse in Nigeria, wie es hier erzählt wird? Oder wird aus der Not eine Tugend gemacht und es handelt sich um eine weitere post-kolonialistische Benachteiligung des ohnehin schon ausgebeuteten Kontinents? Würden die nicht auch lieber Fischfilets als Fischköpfe essen? Lassen wir das, ich möchte kein Spielverderber sein.

    Einsame Fischerhütte auf den Lofoten

    An jedem noch so kleinen Haus hängen irgendwo Fische zum Trocknen…

    Kabeljau Banknote

    Der Skrei brachte den Norwegern viel Reichtum. Bezahlt wird demnach mit „Dorsch-Dollars“. 

    Lofoten fotografieren im Winter - Trockenfisch gehört dazu

    Bleibt noch zu klären, warum man uns Hamburger so häufig als Fischköppe bezeichnet – noch nie auf den Lofoten gewesen? 

    Trockenfisch auf den Lofoten

    Ich klettere fleißig unter den Holzgestellen antlang, um pfiffige Perspektiven zu suchen. Die paar Tropfen, die von oben runterkommen, stören mich nicht. Oder doch? Meine Jacke hat hinterher tagelang nach gammelndem Fisch gestunken…

    Kabeljauköpfe Trockenfisch

    Alles dufte!

    Stop and go auf den Lofoten

    Das haben wir im Vorfeld unserer Reise mehrfach gehört: „Macht euch nicht zu eng getaktete Pläne! Ihr werdet alle 200 Meter anhalten wollen, weil ihr schon wieder ein neues Motiv gesehen habt. Die Lofoten bieten eine unerschöpfliche Anzahl spannender Fotospots!“ Jupp, das ist nicht ganz falsch – aber auch nicht ganz richtig. Denn: Schneebedeckte Berge, Eisformationen, raues Wasser und brechende Wellen sind beim Lofoten fotografieren im Winter allgegenwärtig. Und so wird der Überfluss an entsprechenden Motiven rasch beliebig.

    Bei aller Begeisterung – und das bitte ich nicht falsch zu verstehen: Mit der fünfzehnten Langzeitbelichtung von bewegtem Wasser im Vorder- und weiß bestäubten Bergketten im Hintergrund, wird es irgendwann auch mal eintönig. Man sucht sich also Highlights und starke Vordergründe. Die gibt es, keine Frage. Dennoch bin ich der Meinung, dass aus fotografischer Sicht mehr als eine Woche auf den Lofoten nicht zwingend notwendig ist.  

    Gefrorener Wasserfall auf den Lofoten

    Hier fanden wir einen kleinen vereisten Wasserfall als feinen Vordergrund.

    Knochige Bäume auf den Lofoten

    Ganz schön kalt!

    Warten auf den richtigen Moment

    Lofoten fotografieren im Winter irgendwo am Straßenrand. Keine 30 Meter hinter uns steht unser Auto. (Fotocredit: Holger Kröger)

    Graufilter-Fotografie in Norwegen

    Das Ergebnis kann sich sehen lassen, oder?

    Langzeitbelichtung mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund

    Diese Aufnahme dokumentiert recht gut, wie schnell sich das Wetter auf den Lofoten ändert. Zwischen diesem und dem oberen Foto liegt eine gute Stunde Zeitunterschied.

    Reine im Sonnenaufgang – ein Traum!

    Die südlichste unserer Stationen ist das kleine Fischerdorf Reine, keine 4 Kilometer von Hamnøy entfernt. Den einzigen echten Sonnenaufgang, den das Wetterradar vorhersagt, verbringen wir am Reinehalsen. Von hier ist der berühmte Blick auf das winterliche Reine möglich, den man auf so vielen Postkarten wiederfindet. Der Wecker geht um 3 Uhr morgens, eineinhalb Stunden später stehen wir hinter unseren Stativen und blicken auf das noch nächtlich beleuchtete Dorf Reine. Dann kriecht nach und nach die Sonne am Horizont empor und beleuchtet mit ihrem warmen Licht die schneebedeckten Berge. Ein Traum in sattem Orange und kühlem Blau. Als Hamburger möchte ich es mal hanseatisch zurückhaltend beschreiben: Das sieht nicht schlecht aus!

    Malerischer Ausblick auf das winterliche Reine

    Der klassische Blick auf das Fischerdorf Reine mit seinen 300 Einwohnern. Noch in der Dunkelheit kommen wir an, um hier den Sonnenaufgang zu erleben.

    Making of "Lofoten fotografieren im Winter": Reine kurz vor Sonnenaufgang

    Es dämmert…

    reine kurz vor dem Sonnenaufgang

    Sonnenaufgang Reinehalsen

    Und dann treffen die ersten warmen Strahlen der aufgehenden Sonne auf Hütten und Berge. It’s a kind of magic!

    Der berühmte Steg in Reine

    Bis zum Mittag haben wir an diesem Tag Sonnenschein, dann verschlechtert sich das Wetter rapide. Egal, es ist eh höchste Zeit für den Heimflug.

    Die besten Zimtrollen der Welt!

    Bleiben wir bei unser norddeutschen Mundart, die sich vor allem durch Reduzierung ausdrückt: Alles was über ein breit gezogenes „Moooin!“ hinausgeht, gilt ja schon als palavert. So darf dieser Blogbeitrag gerne als Roman angesehen werden. Um es nicht ausufern zu lassen, sind hier die weiteren Eckpunkte unserer achttägigen Fotoreise auf die Lofoten: Stromausfall, Schneehühner, salzverkrustete Kameras, drei Tage Spaghetti Bolognese, fünf Tage Schokoriegel, keine Polarlichter, zerbrochene Filter, kalte Füße, kalte Hände, kalte Nasen, Sitzdusche, fahruntüchtige Asiaten (viele!), die besten Zimtrollen der Welt, Teamwork, zwei Dutzend Seeadler, falscher Bus, zerstörter Stativkopf und ganz viel Fischgeruch. Hammer! 

    Das Ergebnis vom Lofoten fotografieren im Winter als Galerie-Ausstellung

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